Äthiopien: Eine Chance für Ayam

Veröffentlicht am 13 Dezember 2012

Nach ihrer Flucht aus Somalia hat Hirdha Maah mit anderen Müttern eine Fraueninitiative gegründet - im äthiopischen Flüchtlingslager Dolo Ado. Copyright: WFP/Ralf Südhoff

Der erste Geburtstag des eigenen Kindes ist für jede Mutter ein großes Ereignis. Auch für die Mutter des kleinen Mädchens Ayam Mustaf. Doch für Hirdha Maah markiert der Geburtstag ihrer Tochter zugleich, wie viel sich in ihrem Leben binnen nur zwölf Monaten zum Guten gewandelt hat. Dies ist ihre Erfolgsgeschichte.

Es ist erst ein Jahr her, dass die Somalierin ihre Heimat aufgrund der Krise am Horn von Afrika verlassen musste. Nirgendwo tobte die Krise so drastisch wie in Somalia: Hirdha Maah musste fliehen vor der Hungersnot und der Dürre, vor Gewalt und den Kämpfen in ihrer Heimat. Erst nach tagelangem Marsch kam sie im Flüchtlingscamp Dolo Ado in Äthiopien an – erschöpft, ausgehungert und hoch schwanger. Kurz darauf brachte sie trotz allem eine gesunde Tochter zur Welt: Ayam Mustaf.

In Dolo Ado konnte sie mit ihrem Baby zu den Ärzten des Camps gehen, sie bekam Medizin, Wasser von den humanitären Helfern und  Essen von WFP, damit sie kräftiger werden und Ayam stillen konnte. All dies war damals keine Selbstverständlichkeit in Dolo Ado, das Flüchtlingslager explodierte förmlich. Anfang des Jahres 2011 hatte es 40.000 Bewohner, heute sind es mehr als 170.000 Menschen. Dolo Ado liegt nahe der somalischen Grenze im Süden Äthiopiens, nach Dadaab in Kenia ist es heute das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt. Und täglich erreichen es mehr Menschen: Zuletzt kamen wieder jeden Tag 200 Neuankömmlinge in Dolo Ado an, auf der Suche nach Nahrung, nach Wasser, nach einer Bleibe.

Die somalische Mutter Hirdha Maah erzählt Ralf Südhoff die Geschichte ihrer Flucht.

Hirdha Maah ist nun seit einem Jahr in Dolo Ado und sie hat neuen Lebensmut geschöpft. Heute lebt sie in einer einfachen Hütte, sie und Ayam haben genug zu essen und gemeinsam mit anderen Müttern hat Hirdha Maah eine Fraueninitiative gegründet. Die Frauen wollen sich organisieren, damit ihre Kinder weiter zur Schule gehen können, damit sie keine Angst haben müssen, wenn sie in der Steppe nach Holz suchen, damit sie bald eine Chance auf Arbeit haben.

 „Ich möchte in meine Heimat zurück, aber in Somalia gibt es kein Essen und keine Zukunft für meine Kinder“ erzählt Hirdha Maah Ralf Südhoff, dem Leiter des Berliner Büros von WFP. Südhoff ist mit der Schweizer Regierung nach Äthiopien gereist, damit sich diese vor Ort ein Bild von der Lage machen kann. „Ich bewundere den Kampfgeist, den ungeheuren Willen dieser Frauen, die trotz widrigster Bedingungen alles für ihre Kinder tun und für ihre Zukunft kämpfen“, berichtet Ralf Südhoff. „Das können sie aber nicht allein schaffen“, und auch die äthiopische Regierung brauche Unterstützung:

„Man stelle sich vor, an einer deutschen Grenze gäbe es ein Flüchtlingslager mit 170.000 Menschen – es gebe einen Aufschrei, dies sei untragbar und andere Länder müssten diese Last mit uns teilen.“ Zugleich ist Äthiopien selbst eines der ärmsten Länder der Erde. „Umso wichtiger, dass wir teilen und Menschen wie Hirdha Maah und Ayam eine Chance geben.“