10 Mythen über den Welthunger

Veröffentlicht am 14 November 2014

Es gibt nicht genug Nahrung, um die ganze Welt zu ernähren. In Afrika leben alle Hungernden der Welt. Dürren und andere Naturphänomene sind schuld am Hunger – Wir haben eine Liste der 10 häufigsten Mythen über den Welthunger zusammen- und den Fakten gegenübergestellt.

1.    Der Mythos: Hunger bedeutet einfach, nicht genug zu essen zu haben.

Die Realität: Hunger ist viel mehr, als nicht über ausreichend Nahrungsmittel zu verfügen. Man ernährt sich nur gut, wenn man die richtige Mischung aus Kalorien und Nährstoffen zu sich nimmt, die für eine gesunde Entwicklung unabdingbar ist. Eine ausgewogene Ernährung ist besonders in den ersten 1000 Tagen des Lebens ausschlaggebend, da ein Kleinkind sonst chronische Schäden erleiden kann. So wie es den offensichtlichen Hunger gibt, der auf einen leeren Magen zurückzuführen ist, gibt es auch den versteckten Hunger durch nährstoffarme Ernährung: Mikronährstoffmangel behindert die geistige und körperliche Entwicklung, schwächt die Arbeitskraft und macht Menschen anfällig für gefährliche Infektionskrankheiten.

2.    Der Mythos: Alle Hungernden der Welt leben in Afrika.

Die Realität: Über die Hälfte der mehr als 815 Millionen Menschen, die weltweit hungern, kommt aus dem asiatisch-pazifischen Raum – ein Viertel lebt in Afrika. Auch in Lateinamerika und der Karibik hungern 37 Millionen Menschen. Doch Hunger ist auch in Industrienationen ein Problem – wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Ernährung mehrerer Millionen US-Amerikaner nicht gesichert ist. 

3.     Der Mythos: Es wird nie genug Nahrung geben, um die ganze Welt zu ernähren.Kleinbauer Kleinbäuerin Afrika 

Die Realität:  Die ausreichende Ernährung aller Menschen auf der Welt wird bis 2050 vor große Herausforderungen gestellt – kann jedoch unter bestimmten Bedingungen gelingen. Die Weltbevölkerung wird nach einem Bericht der Food and Agriculture Organisation (FAO) bis 2050 auf 9 Milliarden wachsen. Die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird laut des Berichts um voraussichtlich 70% steigen, wobei immer mehr Ernten für Bio-Energie und andere industrielle Zwecke verwendet werden. Einerseits ist es daher für Entwicklungsländer wichtig, produktiver zu werden, die Infrastruktur zu reformieren und mit Ressourcen nachhaltiger umzugehen. Andererseits müssen Kleinbauern, die den Großteil der Bauern in Entwicklungsländern ausmachen, unterstützt werden, einen gerechteren Zugang zu Märkten zu bekommen und Anreize erhalten, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.

4.      Der Mythos: Hunger wird allein von Dürren und anderen Naturphänomenen verursacht.

Die Realität: Natürliche Ursachen können Menschen, die bereits gefährdet sind, in Hunger und Armut stürzen. Laut den Ergebnissen des Weltklimaberichts werden arme Regionen in Afrika, Asien und Lateinamerika am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein – eben jene Regionen, die ohnehin Schwierigkeiten haben, selbst ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren und zu erwerben. Jedoch ist die Natur nur ein Faktor unter vielen. Seit 1992 hat sich die Anzahl der Ernährungskrisen mit menschlichen Ursachen verdoppelt. Bewaffnete Konflikte stehen heutzutage im Mittelpunkt der schlimmsten Ernährungskrisen, wie in Syrien oder im Irak. Kämpfe vertreiben Menschen, zerstören die lokalen Märkte, treiben die Nahrungsmittelpreise in die Höhe und erschweren die Ernährungshilfe dort, wo sie am meisten benötigt wird. 

Schulspeisungen Äthiopien

5.    Der Mythos: Hunger ist bloß eine Gesundheitsfrage. 

Die Realität: Hunger hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit und die physische Entwicklung einer Person. Hunger beeinflusst auch das Bildungsniveau und die Volkswirtschaft. Hungrige Kinder können sich nicht auf den Unterricht konzentrieren oder oft gar nicht erst zur Schule gehen. Hungernde Erwachsene können nur weniger effizient arbeiten, da sie oft müde sind und ihnen die Konzentration fehlt. Mangelernährung im frühen Kindesalter hat sogar nachgewiesene Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt eines Landes: Eine Studie in Guatemala kam zu dem Ergebnis, dass eine Gruppe von Jungen, die in ihrer Kindheit mit angereicherter Spezialnahrung ernährt wurde, später ein um bis zu 46 Prozent höheres Gehalt bekam als die Personen in einer Vergleichsgruppe, bei der dies nicht der Fall war.

6.    Der Mythos: Es gibt schon zu viele hungrige Menschen in meiner Heimat, warum sollte man sich da mit dem Hunger in anderen Ländern beschäftigen?

Die Realität: Die heutige Welt ist immer stärker vernetzt und Probleme sind global. Hunger macht nicht vor Landesgrenzen halt. Einer von neun Menschen auf der Welt leidet an Hunger und kann sein geistiges und körperliches Potential nicht ausschöpfen. Daher ist es auch hierzulande wichtig, das Konsumverhalten zu überdenken. Um bis 2050 9 Milliarden Menschen ausreichend zu ernähren, müssten laut der FAO 70% mehr Nahrungsmittel als derzeit produziert werden. Laut der FAO ist eine solche Steigerung ohne weitere gravierende Umweltschäden nur durch ein Umdenken der Industrieländer möglich – und durch mehr Investitionen in die globale kleinbäuerliche Landwirtschaft.

7.     Der Mythos: Hunger und Hungersnöte sind schwer vorauszusagen, deshalb kann man sich auch gar nicht darauf vorbereiten.

Die Realität: Es gibt mehrere Wege, um die Entwicklungen der Nahrungsmittelproduktion und der Nahrungsmittelpreise zu überwachen und vorauszusagen. Das US-Außenministerium finanziert zum Beispiel das Frühwarnsystem namens FEWS NET. Es analysiert meteorologische und ökonomische Faktoren, um aufkommende Hungerkatastrophen frühzeitig zu erkennen.

Das Frühwarnsystem schlug beispielsweise Alarm als sich 2012 eine Hungerkrise in Westafrika anbahnte. Dank der rechtzeitigen Warnung konnten Regierungen und Hilfsorganisationen Vorbereitungen treffen und so verhindern, dass noch mehr Menschen von der Krise getroffen werden und eine Hungersnot ausbricht. Die Krise war vorbei – ohne Millionen von Hungertoten und Dürreopfern, ohne teure Luftbrücke und Katastrophenbilder. Die UN ist außerdem in einem sogenannten Cluster-System organisiert, das in einem Krisenfall schnell aktiviert werden kann. WFP leitet das Cluster Logistik und koordiniert den Transport von Nahrungsmitteln und anderen lebensnotwendigen Hilfsgütern wie Zelten, Medizin, aber auch Hilfskräften aus humanitären Depots in die Krisenregionen schnell und effektiv. 

8.       Der Mythos: Menschen leiden nur in Notsituationen Hunger.

Die Realität: In Notsituationen sind ganze Bevölkerungsgruppen von Hunger betroffen – was großes Medieninteresse nach sich zieht. Naturkatastrophen und bewaffnete 

Konflikte machen aber einen verhältnismäßig kleinen Teil der weltweit Hungernden aus. Paradoxerweise ist Hunger vor allem ein ländliches Problem: 3 von 4 Hungernden leben auf dem Land und obwohl sie Nahrungsmittel produzieren, reicht ihr Einkommen nicht aus, um ihre Familien zu ernähren. Der ländliche Hunger ist ein weitreichendes Problem und schafft es trotzdem selten in die Schlagzeilen. Neben Unterernährung, leiden fast 2 Milliarden Menschen an verstecktem Hunger – ein trauriger Fakt, der kaum mediale Aufmerksamkeit erhält. Aus diesem Grund sind gerade langfristige Programme, wie zum Beispiel die WFP-Schulspeisungen oder Food for Work & Cash for Work so wichtig. Denn Unter- und Mangelernährung existieren auch dann, wenn sie keine Schlagzeilen machen. 

9.        Der Mythos: Es gibt dringendere globale Probleme als Hunger. Was ist mit Armut, bewaffneten Konflikten und der Benachteiligung von Frauen?

Die Realität: Hunger ist die Ursache vieler dieser Probleme und Teil eines Teufelskreises. Stehen einer Familie nicht ausreichend finanzielle Mittel für eine ausgewogene Ernährung zur Verfügung, leiden vor allem Frauen und Kinder Hunger. Unter- und Mangelernährung können dazu führen, dass die Kinder immer wieder der Schule fernbleiben oder im Unterricht Konzentrationsprobleme haben. Wenn Menschen hungern, leidet darunter die Wirtschaft: Ökonomen schätzen, dass ein Kind, dessen mentale und körperliche Entwicklung durch Hunger und Unterernährung beeinträchtigt wird, 5-10 Prozent weniger Einkommen haben wird als Menschen, die als Kinder nicht unter Hunger litten. Ist die Ernährung der Bevölkerung nicht gesichert, kommt es eher zu bewaffneten Konflikten, die wiederum dazu führen, dass Bauern ihre Felder nicht mehr bestellen können und ganze Ernten verloren gehen. Den Hunger zu bekämpfen, ist somit eine Voraussetzung, um Wohlstand, Frieden und Gesundheit zu schaffen.

 

10.        Der Mythos: Wir können nichts tun, um den Hungernden zu helfen.

Nothilfe Logistik

Die Realität: Hunger ist ein komplexes Problem, aber jeder Einzelne kann etwas tun. WFP wird vollständig durch freiwillige Zuwendungen von Regierungen sowie durch Spenden der Privatwirtschaft und Einzelpersonen finanziert. Der klassische Weg zu helfen heißt daher: spenden. Ohne diese großzügige Unterstützung wäre die Arbeit von WFP nicht möglich. So bedarf es nur 20 Cent, damit WFP einem Kind eine Schulmahlzeit – und damit Bildung und die Hoffnung auf ein besseres Leben – geben kann. 
Wenn Sie spielerisch Gutes tun wollen, spielen Sie unser kostenloses Online-Quiz Freerice – für jede richtige Antwort finanzieren private Sponsoren 10 Reiskörner Ernährungshilfe für Notleidende in Entwicklungsländern.
Nicht weniger wichtig ist es, sich und andere über die Themen Hunger und Welternährung zu informieren. Für die wichtigsten Fakten werfen Sie einen Blick auf unsere Welthungerkarte, die Rubrik Zahlen und Fakten und sehen Sie sich spannende Videos zum Thema Welternährung an. Für detaillierte Informationen über den Kampf gegen den Hunger können wir Ihnen gerne Infomaterial zuschicken oder Sie treten einfach unserer wachsenden Online-Gemeinde bei:  Facebook, Twitter, Youtube, Newsletter.