8 Monate mit WFP auf den Philippinen

Veröffentlicht am 19 Juli 2012

Phillip Herzog berichtet hier von seiner Zeit als Stipendiat und teilt seine persönlichen Eindrücke von der Arbeit des WFP auf den Philippinen.  

"Mabuhay! Willkommen auf den Philippinen!" Herzlich wurde ich, Philipp Herzog (27), am Flughafen in Manila empfangen. Als Stipendiat des Carlo-Schmid-Programms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und der Studienstiftung des deutschen Volkes durfte ich das dortige WFP-Landesbüro acht Monate lang unterstützen.

Wenn die Natur zuschlägt
Die Philippinen sind eines der am häufigsten von Naturkatastrophen betroffenen Länder weltweit – so habe ich es vor meiner Abreise in Deutschland gelesen. Was das wirklich bedeutet, habe ich nur wenige Wochen nach meiner Ankunft erfahren. Zwei heftige Taifune zogen über den nördlichen Teil des Landes her, einschließlich der Hauptstadt Manila. An meinem ersten Arbeitstag musste ich mir meinen Weg durch einen stürmischen und regnerischen Morgen zum Büro erkämpfen - das Gebäude wurde bereits durch einen Notstromgenerator versorgt. 

Schon bald wurde deutlich, dass WFP die philippinische Regierung bei ihren Notoperationen in teils völlig von der Außenwelt abgeschnittenen Gemeinden unterstützen müsste. Ich bekam die Gelegenheit, mich an einer dieser Missionen zu beteiligen. Die vielen Begegnungen mit Menschen, die ihre Häuser verloren hatten und in Evakuierungszentren – meist Schulgebäude oder Rathäuser - leben mussten, machten mir deutlich, wie schwer das Leben auf den Philippinen oft ist. Jedes Jahr wird das Land von rund 20 Taifunen heimgesucht, viele davon mit verheerenden Folgen. Kurz vor Weihnachten traf ein weiterer schwerer Tropensturm den Süden der Philippinen und führte zum Tod von mehr als 1.200 Menschen. WFP-Mitarbeiter waren buchstäblich 24 Stunden pro Tag im Einsatz, um die Regierung zu unterstützen und den Opfern zu helfen, sogar an Weihnachten.

Der gewalttätige Konflikt im Süden des Landes

WFP hilft auf den Philippinen vor allem den Menschen, die vom gewaltsamen Konflikt  im Süden des Landes betroffen sind. Dort bekämpfen sich separatistische Rebellentruppen mit der Regierung. In den letzten zehn Jahren mussten mehr als eine Million Menschen vor gewaltsamen Konflikten fliehen und ihre Dörfer verlassen. Zusammen mit der Regierung und Partnerorganisationen hilft WFP den betroffenen Gemeinden, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Dank WFP-Schulspeisungen können betroffene Familien ihre Kinder wieder regelmäßig in die Schule, anstatt zum Arbeiten schicken. 


Außerdem gibt es zahlreiche „Food for Work“-Projekte, in denen die Projektteilnehmer zum Beispiel Straßen bauen und die Infrastruktur in ihrer Gemeinde verbessern, oder sich in landwirtschaftlichen Genossenschaften zusammenschließen, um die Produktivität zu steigern. Im Gegenzug für ihre Arbeit erhalten sie von WFP Nahrungsmittel. Die Unterstützung, die die Menschen so erhalten, oft in Form von Reis oder Bohnen, hilft ihnen, ihre Lebensgrundlagen langsam wieder aufzubauen, ohne sich gleichzeitig darüber Sorgen machen zu müssen, wo die nächste Mahlzeit herkommen soll.
 

Das Schicksal einer Frau, Butotong, ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Als 2008 die Gewalt in Zentral-Mindanao erneut ausbrach, wurde ihr Mann erschossen und ihr Dorf völlig zerstört. Sie musste mit ihren sechs Kindern von einem auf den anderen Augenblick fliehen und verbrachte fast zwei Monate unter freiem Himmel. Erst dann traute sie sich zurück in ihr Dorf und lebt nun mit ihren Kindern in einer kleinen Bambushütte. Obwohl sie weiterhin vom gewaltsamen Konflikt traumatisiert ist, werden sie und ihre Kinder dank der Schulmahlzeiten und  „Food for Work“-Projekte bei ihrem Neuanfang unterstützt, um bald wieder auf eigenen Beinen zu stehen.   
 

Ein gutes Gefühl

Damit WFP diese Hilfe leisten kann, benötigt es Zuwendungen von Regierungen und dem Privatsektor, da es zu 100% von freiwilligen Spenden finanziert ist.  Das Team, in dem ich arbeiten durfte, versucht unter anderem, Partnerschaften mit potentiellen Spendern aufzubauen. Ich erinnere mich noch gut an einen Tag im November 2011, an dem wir in der Hauptstadt Manila einen Stand auf einer Kunstmesse aufgebaut haben. Philippinische Künstler haben dort einige ihrer Arbeiten versteigert und mit dem Erlös WFP-Schulmahlzeiten in Mindanao finanziert.  Am Ende des Tages haben wir 3.700 Euro an Spenden gesammelt – ausreichend, um 18.500 Schulkinder für einen Tag mit einem warmen, nährstoffreichen Mittagessen zu unterstützen. Jeden Morgen in den vergangenen acht Monaten hatte ich ein gutes Gefühl auf dem Weg zur Arbeit!