Starke Frauen gegen Naturkatastrophen

Veröffentlicht am 04 September 2015

Sima koordiniert ihre Kolleginnen im Resilienz-Programm 

Foto: WFP / Ranak Martin

Bangladesch gehört nicht nur zu den ärmsten Staaten weltweit, sondern ist auch besonders von den Folgen des Klimawandels bedroht. Vielerorts liegt das Land unterhalb des Meeresspiegels und ist von Flüssen durchzogen. Aktuell hat der Monsun 70 Prozent Bangladeschs überflutet. In einem Resilienz-Programm von WFP sind insbesondere Frauen daran beteiligt, ihre Gemeinden gegen Naturkatastrophen zu schützen – so finden sie zu mehr Selbstbestimmung.

Sima Rani Das (34) steht knöcheltief im Schlamm. Sie wohnt in der Provinz Sirajganj, die in der Mitte Bangladeschs am Brahmapurta-Delta liegt und schwer vom Monsun überflutet wurde. In der einen Hand trägt sie einen Handpflug, mit der anderen leitet sie ihre Kolleginnen an. Etwa 25 Frauen sind dabei, das Flussufer zu befestigen, damit es Überflutungen zukünftig besser standhält. 

Widerstandsfähigkeit gegenüber Naturkatastrophen und Klimaschäden stärken 
Sima arbeitet als Gruppenleiterin in einem Resilienz-Programm, das vom UN World Food Programme (WFP) in Kooperation mit der Regierung & NGOs unterstützt wird. Ziel ist es, dass Bewohner ihre Gemeinden widerstandsfähiger machen: Dazu bauen sie Dämme und Straßen, graben Abflusskanäle, erhöhen Wohnhäuser oder nehmen an Ausbildungsprogrammen teil – im Gegenzug erhalten sie Nahrungsmittel, Gutscheine oder Bargeld von WFP. Bisher hat das Programm 1.800 Teilnehmer, aus den ärmsten Teilen der Bevölkerung – 86 Prozent von Ihnen sind Frauen

Frauen arbeiten auf dem Feld Foto: WFP / Ranak Martin

Frauen mit nachhaltigem Einkommen unterstützen

Sima wälzt Äcker um und trägt Erde den Hang hinauf: „Ich habe meinen Kolleginnen beigebracht, wie man ein Feld am Hang anlegt. Vorher habe ich nie außerhalb des Hauses gearbeitet. Als Gruppenleiterin unterstütze ich mein Team so gut ich kann“, erklärt sie nach Feierabend. 
Im letzten Jahr arbeitete Sima 78 Tage in dem Programm. Dafür bekam sie 156kg Reis, 16kg Hülsenfrüchte, 8kg Pflanzenöl und etwa 52 Euro. „Mein Mann war Alleinverdiener, aber seit wir beide arbeiten können wir uns gesünderes Essen leisten und auch Geld sparen“, sagt sie. Dadurch, dass sich die Frauen auf der Arbeit treffen, können sie sich austauschen und mehr über ihre Rechte lernen. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass ein Mädchen nicht heiraten sollte bevor sie 18 ist. Nun ist es den meisten Müttern von Töchtern bewusst“, berichtet Sima. 
Bevor sie arbeitete, konnte sie kaum in der Familie mitentscheiden: „Ich ging selten vor die Tür, und kümmerte mich im Haushalt um alles, worum mein Mann oder seine Brüder mich baten. Nun bin ich unabhängig“, lacht Sima. „Wenn ich Geld verdiene, kann ich auf den Markt gehen, Fleisch kaufen und das kochen, was ich mag – ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten!“

Innerhalb des Resilienz-Programms gab WFP im Jahr 2014 weltweit Nahrungsmittel oder Geld an 81.000 Teilnehmer aus. Familienmitglieder eingeschlossen, profitierten mehr als 400.000 Menschen in 129 katstrophenanfälligen Gebieten.

Eine Frau siebt Saatgut, während ihr Sohn Schulaufgaben macht. Foto: WFP / Ranak Martin