Boko Haram Konflikt: Zahl der Hungernden steigt im Nordosten Nigerias stark

Veröffentlicht am 23 August 2016

150.000 Kleinkinder erhalten in den kommenden Monaten WFP-Spezialnahrung. Foto: WFP/Simon Pierre-Diouf 

DAKAR/ABUJA – Die Zahl der Menschen, die im Nordosten Nigerias auf Ernährungshilfe angewiesen sind, ist auf 4,5 Millionen gestiegen – fast doppelt so viele wie im März dieses Jahres. Das ergab eine gemeinsame Analyse (Cadre Harmonsié) verschiedener Organisationen wie dem UN World Food Programme (WFP) Mitte des Monats. 

Wegen der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage in Nigeria könnte diese Zahl bereits nächsten Monat um eine weitere Million steigen. Eine separate WFP-Analyse warnt zudem vor explodierenden Preisen in den Gebieten, die unter den Angriffen von Boko Haram leiden. 

„Die Nachrichten sagen, dass allein in den letzten Tagen Dutzende Menschen getötet oder verletzt wurden in Nigeria und den Nachbarländern Tschad, Kamerun und Niger – ein Zeichen, dass die Gewalttaten von Boko Haram immer mehr Menschen in Hunger und Elend treiben“, erklärte Adou Dieng, WFP-Regionaldirektor für Westafrika.

Laut der Cadre Harmonisé hat sich die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, seit März auf über eine Million vervierfacht (in den Bundesstaaten Borno, Yobe and Adamawa). Dort hat die Ernährungslage damit die Notfallstufe erreicht: die Familien sind akut auf Hilfe angewiesen, um zu überleben. Schätzungen zufolge leiden zudem mehr als 65.000 Menschen in jüngst befreiten aber immer noch unerreichbaren Gebieten Bornos und Yobes extrem Hunger. 

„Alles deutet auf eine verheerende Situation hin. Jetzt, wo der Regen einsetzt, die magere Jahreszeit ihren Höhepunkt erreicht und mehr und mehr Gebiete für humanitäre Hilfe erreichbar werden, wird sich wahrscheinlich das volle Ausmaß von Hunger und Verwüstung zeigen”, fügte Dieng hinzu. 

Die Lage ist weiterhin instabil, noch immer werden Menschen in den umkämpften Gebieten vertrieben. Zwar kehren einige, die zuvor geflohen waren, mittlerweile in ihre Dörfer zurück – doch ihre Häuser sind zerstört und unbewohnbar. Sie müssen in Städten unterkommen, wo sie jedoch vollständig auf externe Hilfe angewiesen sind. Steigende Nahrungsmittelpreise belasten die Familien zusätzlich, sie verschulden sich, müssen betteln oder gar Mahlzeiten auslassen, um zu überleben. Viele der Betroffenen können nur nährstoffarme Nahrung essen – und das nur einmal am Tag. 

WFP weitet daher die Nothilfeprogramme aus, um in den kommenden Monaten über 700.000 Menschen mit Nahrungsmitteln sowie Bargeld zu unterstützen. Dies umfasst auch angereicherte Spezialnahrung für 150.000 Kinder unter 5 Jahren. Ein Großteil der benötigten Hilfsgüter wie Medikamente, Impfstoffe und medizinische Ausrüstung wird über den WFP-betriebenen UN-Flugservice (United Nations Humanitarian Air Service) ins Land gebracht, der auch von der gesamten internationalen Gemeinschaft genutzt wird. 

WFP benötigt 52 Millionen US-Dollar, um die lebensrettende Ernährungshilfe für die Menschen im Nordosten Nigerias bis Ende des Jahres aufrechtzuhalten. Die Bundesregierung unterstützt den regionalen WFP-Nothilfeeinsatz in Reaktion auf die Folgen des Boko Haram Konflikts mit einer mehrjährigen Zuwendung von insgesamt 7 Millionen Euro.