Hilfe im Himalaya: Ein Jahr nach dem Erdbeben in Nepal

Veröffentlicht am 25 April 2016

Mit Hilfe von Eseln konnte WFP Hilfsgüter zu den Betroffenen in schwer erreichbaren Regionen bringen.

Foto: WFP/Tina Stacey

Am 25. April und am 12. Mai 2015 erschütterten zwei gewaltige Erbeben Nepal. Wir blicken zurück auf einen außergewöhnlichen Nothilfe-Einsatz, bei dem Helikopter, Träger und sogar Esel zum Einsatz kamen, um Menschen in den entlegensten Gebirgsdörfern zu erreichen. 

Als im vergangenen Jahr Nepal ein schweres Doppelerdbeben traf kamen fast 9.000 Menschen ums Leben, 22.500 wurden verletzt und die Existenzgrundlage von rund 8 Millionen Menschen wurde zerstört. Innerhalb von wenigen Minuten verloren die Betroffenen Familienangehörige und ihren gesamten Besitz. Krankenhäuser waren überfüllt, Zelte ersetzen das zu Hause und Nepal stand vor der großen Herausforderung, Millionen Überlebende zu ernähren. Dabei waren schon vor dem Erdbeben etwa 5 Millionen Einwohner nicht ausreichend mit Nahrungsmittel versorgt. Die Regierung rief den Notstand aus und bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Dank der schnellen Hilfe von internationalen Gebern wie Deutschland und Österreich, konnte WFP allein in den ersten 6 Wochen über 2 Millionen Menschen mit lebenswichtiger Ernährungshilfe unterstützen.

Unmögliche Aufgabe?

Doch wie bringt man humanitäre Hilfsgüter zu den Betroffenen eines Erdbebens, wenn sie in abgelegenen Bergdörfern Nepals leben, die nicht einmal mit Geländefahrzeugen zu erreichen sind? WFP nutzt für gewöhnlich Lastwagen, Flugzeuge oder Schiffe, um Menschen mit Hilfe zu versorgen. Nach dem Erdbeben, musste die Logistik von WFP binnen weniger Stunden an das Gelände Nepals angepasst werden. Um Nahrungsmittel in abgelegene Regionen zu bringen, kamen dabei Esel zum Einsatz. Doch die Gemeinden benötigten auch Wellblech zum Bau von Notunterkünften und Schulen. Für Esel ist diese Last zu sperrig und zu schwierig zu transportieren, deshalb bleib als einzige Möglichkeit, Träger anzustellen. 

Nicht für unsere Helfer!

Das Blech wurde zusammengerollt, damit es einfacher zu tragen war. Je nach Wegbreite konnten es die Helfer dann hochkant oder seitlich tragen. Schritt für Schritt, Bündel für Bündel, brachten sie auf diese Art 72.598 dringend benötigte Wellbleche über Pfade und steile Abhänge in entlegenste Bergdörfer.  

Der schnelle Aufbau von Notunterkünften

Warum war Wellblech so wichtig? Das Erdbeben hatte viele Wohnhäuser zerstört. Deshalb mussten schnell Notunterkünfte aufgebaut werden, um die Überlebenden des Bebens vor dem Monsunregen und rauen Winterwetter zu schützen. Allein in den Bezirken Dhading und Dolakha wurden über 4,600 Notunterkünfte aufgebaut. Mehr als zehn Wellbleche sind notwendig, um eine Notunterkunft zu errichten.

Schulen zum Schutz von Kindern

Mit über 7.300 Wellblechen wurden 76 temporären Schulen in den Bergen aufgebaut, um den Unterricht der Kinder fortführen zu können. Gleichzeitig dienten sie als Ort der Sicherheit, da nach dem Erdbeben die Gefahr des Kinderhandels zunahm.

Arbeitsplätze nach dem Erdbeben

Der Nothilfe-Einsatz wäre ohne alle die Frauen und Männer nicht möglich gewesen, die Schritt für Schritt Hilfsgüter über steile Bergwege zu den Betroffenen gebracht haben. Gleichzeitig war für unsere Helfer die Anstellung bei WFP eine wichtige Einnahmequelle. Viele konnten nach dem Erdbeben erst einmal ihre eigentliche Arbeit nicht fortführen, da die Infrastruktur zerstört war und Touristen ausblieben.

Eine von unseren Helfern ist Sushila Kami. Sie arbeitete als Trägerin im Distrikt Dolokha und trug  Hilfsgüter, half aber auch mit, die zerstörten Bergwege wiederherzustellen. Sushila war froh über die Einnahmequelle: „Jetzt habe ich genug Geld übrig, um die Examensgebühren und Schulhefte meiner Kinder bezahlen zu können.“ Sushila und ihre Kollegen haben dazu beigetragen, dass 1.714 Kilometer Bergwege wiederhergestellt wurden. So konnten über 120.000 Menschen in abgelegenen Gebirgsgegenden wieder einfacher erreicht werden.

Der Wiederaufbau hat begonnen

Unmittelbar nach dem Erdbeben unterstützte WFP die Betroffenen des Erdbebens mit überlebensnotwendigen Hilfsgütern. In den Folgemonaten konzentrierte sich die Hilfe dann darauf, die Menschen beim Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Während weiterhin Notrationen zur Verfügung gestellt wurden, erhielten nun Betroffene auch Bargeld, wenn die Märkte in ihrer Region wieder funktionierten. Dadurch wurde die Wirtschaft angekurbelt und gleichzeitig konnten die Betroffenen selbst entscheiden, was sie essen möchten.
Um Mangelernährung bei Kindern und Neugeborenen vorzubeugen, erhielten mehr als 11.000 Kleinkinder, schwangere Frauen und stillende Mütter angereicherte Spezialnahrung. Weitere 450.000 Menschen unterstützt WFP mit Food & Cash for Work-Projekten. Dabei erhalten sie Nahrungsmittel oder Gutscheine, und beteiligen sich im Gegenzug daran, Gemeindehäuser, Schulen und Straßen wieder aufzubauen.

Im Rahmen eines dreijährigen Programms unterstützt WFP Menschen in Nepal, ihre Lebensgrundlage sowie zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen und sich gegen zukünftige Katastrophen vorzubereiten.