Haiti: Ein Junge bekämpft die Mangelernährung

Veröffentlicht am 11 Januar 2012

im linken Bild leidete der zweijährige Michael noch unter Mangelernährung. Dann wurde er in Leogane im Gesundheitszentrum behandelt und sieht vier Monate später schon viel besser aus, siehe rechtes Bild. Copyright: Alexis Masciarelli

Bevor der zweijährige Michael gegen die akute Mangelernährung behandelt wurde, war er so schwach, dass seine Mutter dachte, er würde sterben. Aber dank der angereicherten Spezialnahrung von WFP und UNICEF ist er heute auf dem Weg der Besserung. Mangelernährung zu bekämpfen, ist eine der Maßnahmen, wie WFP und seine Partner Haiti zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben 2010 beim Wiederaufbau helfen.

Leogane – Jeanita lacht, auch wenn ihr Sohn weint. Michael, 28 Monate alt, hängt von der Waage im Cotin Gesundheitszentrum, wo er während der letzten vier Monate behandelt wurde. Die Krankenschwester verkündet die guten Neuigkeiten: Der Junge wiegt jetzt 11,3 kg. Michael hat vier Kilo in 4 Monaten zugenommen. Nach einer ersten medizinischen Versorgung verbesserte sich Michaels Ernährungszustand von starker zu gemäßigter Mangelernährung. 

„Jetzt ist sein Gesundheitszustand normal“, sagt Jeanita, und erzählt, dass ihr Sohn für das WFP-Ernährungsprogramm registriert ist und dass sie jeden Monat zum Gesundheitszentrum kommt, um ihre Ration Supplementary Plumpy abzuholen. Supplementary Plumpy ist ein nährstoffreiches Produkt auf Erdnussbasis mit vielen Vitaminen, Mineralien und Milchproteinen. 

2 Jahre nach dem Beben


Am 12. Januar 2010 kamen mehr als 220.000 Menschen durch das verheerende Erdbeben in Haiti ums Leben. Zwischen Januar und April 2010 musste WFP dort mehr als 4 Millionen Menschen mit Ernährugnshilfe 

Ins Krankenhaus 
Die Verbesserung von Michaels Zustand ist ganz offensichtlich. „Ich dachte, er würde sterben. Ich habe ihm zu essen gegeben, aber sein Zustand hat sich nicht gebessert“, erinnert sich Jeanita und erklärt, dass ein Beamter des Gesundheitsamtes den Jungen in stark unterernährtem Zustand in der Region getroffen hat, in der die Familie vom Gemüseanbau lebt. „Der Beamte schickte mich hierher. Mein Sohn bekam Medizin und  wurde ins Krankenhaus gebracht“, fügt sie hinzu.
Neben Jeanita erhalten 20 weitere Mütter und schwangere Frauen die kostenlose Diagnose und nachfolgenden Tests zur Mangelernährung. , „Jeden Tag haben wir 20 bis 30 Frauen, die zu uns in die Klinik kommen“, sagt  Dr. Claudio. „Es gibt immer noch sehr viel Armut und die Bevölkerung isst nicht gut. Es gibt Nahrung in den Läden, aber die Menschen haben nicht genug Geld, um es sich zu kaufen.“

Im Jahr 2011 haben fast 110.000 haitische Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten und 65.000 schwangere und stillende Frauen eine Behandlung gegen Unternährung erhalten. Dies ist Teil eines Programms, welches in Zusammenarbeit mit der Regierung und Nicht-Regierungsorganisationen von WFP geleitet wird. 
Im Gesundheitszentrumin Cotin arbeitet die haitische Gesundheitsbehörde mit WFP und UNICEF zusammen. UNICEF versorgt die stark unterernährten Kinder mit Spezialnahrung und WFP übernimmt die Unterstützung, wenn ihr Zustand sich ausreichend gebessert hat. 

Energiepaket

Jeden Monat erhalten mangelernährte Kinder wie Michael 30 Pakete des Supplementary Plumpy von WFP. Diese Energiepakete mit 500 kcal werden den Kindern täglich zusammen mit den normalen Familienmahlzeiten gegeben. Mit diesem Ernährungsprogramm stellt WFP in Haiti das richtige Essen zur richtigen Zeit bereit, um den Kindern den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. „Weltweit wurde nachgewiesen, dass die ersten 1.000 Tage vom Beginn der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr eines Kindes die wichtigsten sind. In dieser Lebensphase schlägt sich der Einfluss der Unterernährung auf die Entwicklung des Gehirns und des Körpers besonders schwerwiegend nieder und die Folgen sind dauerhaft“, sagte Paola Dos Santos, Leiterin der WFP-Ernährungsabteilung in Haiti.

Aus diesen Gründen ist es entscheidend, die Zeichen von Unterernährung bei schwangeren und stillenden Frauen und ihren Kindern schnell zu identifizieren. Bis heute wurden fast 400 Gesundheitszentren im ganzen Land eingerichtet, in denen Haitianer ihren Ernährungszustand untersuchen lassen können und Mangelernährung behandelt wird. Diese Zentren können dank der engen Kooperation zwischen dem Gesundheitsministerium, WFP, UNICEF, WHO und vielen lokalen NGOs funktionieren. Die langen Schlangen von Frauen und Kindern davor verdeutlichen, dass Haitis Kampf gegen Mangelernährung noch längst nicht vorbei ist.