Haiti: "Wenn die Schulglocke läutet, stehen die Kinder Schlange"

Veröffentlicht am 09 Januar 2013
Die Schulflure werden schnell leer. Die Kinder bilden eine Schlange vor mehreren großen Töpfen gefüllt mit Reis und Bohnen, den Grundnahrungsmitteln der haitianischen Küche. Copyright: WFP/Stephanie Tremblay
Drei Jahre nach dem Erdbeben steht Haiti noch immer vor großen Herausforderungen. Aber dank der WFP-Schulspeisungen ist auch ein wenig Normalität eingekehrt. Diese waren nach dem Erdbeben 2010 entscheidend, damit Kinder wieder in die Schule gehen konnten.

In Haiti hilft WFP 685.000 Kindern mit Schulmahlzeiten. Die täglichen Mahlzeiten motivieren die Kinder, jeden Tag in die Schulen zu kommen und helfen ihnen dabei, sich besser zu konzentrieren. Die Schulspeisungsprogramme in La Saline sowie in weiten Teilen des Landes garantieren, dass Kinder zumindest eine warme Mahlzeit am Tag bekommen.

“Wenn die Schulglocke läutet, entsteht ein Stau” so beschreibt Joseph Jean Silence den täglichen Andrang auf die Schulkantine. Silence ist Direktor am Institution Mixte Jeunesse Réunie, einer Schule in La Saline, einem Teil des Slum Cite Soleil.

Er ist besorgt über die Armut in seiner Nachbarschaft. “Es gibt viele soziale und ökonomische Probleme” sagt er. „Viele Menschen leben von der Hand in den Mund“.  Er beschreibt prekäre Lebensumstände, in denen Essen nur dann auf den Tisch kommt, wenn die Eltern etwas Geld verdienen oder leihen konnten.

“Ich komme zur Schule, weil ich weiß, dass ich hier etwas zu Essen bekomme” sagt Pascal Papou, ein fünfjähriger Junge mit einem großen Lächeln im Gesicht. Er sagt, dass er zu Hause auch Mahlzeiten bekommt, jedoch nicht jeden Tag

Mit vollem Magen

Die Köche an der Jeunesse Réunie Schule kommen früh morgens zur Arbeit, damit die Mahlzeiten um 10:30 fertig sind. Warum so früh? Damit die Kinder, die nicht gefrühstückt haben, nicht bis zum Mittag warten müssen, um etwas im Magen zu haben.

Jackendy François mag Mathematik und will Arzt werden. Mit zehn Jahren ist er das älteste Kind in seiner Familie. Seine sechsjährige Schwester geht ebenfalls in die Jeunesse Réunie Schule, aber seine jüngste Schwester ist noch zu klein, um zur Schule zu gehen.

„Wenn das Geld zu Hause ausgeht, fallen Mahlzeiten aus“ sagt er. Seine Mutter arbeitet als Straßenverkäuferin. „Manchmal nehme ich einen Teil meiner Schulmahlzeit mit nach Hause, um mit meiner kleinen Schwester zu teilen“ erklärt Jackendy.

Das Erdbeben 2010 hat diese, wie auch viele andere Nachbarschaften in Port-au-Prince schwer getroffen. Viele Menschen mussten Unterkünfte in den Zeltcamps suchen, die nach dem Beben eingerichtet wurden.

Dank der Schulmahlzeiten können die Kinder trotz der weiterhin unsicheren Lage in die Schule gehen – und für ihre Zukunft lernen.