#IamSyrian – Briefe aus dem Bürgerkrieg Teil 4

Veröffentlicht am 18 Mai 2016

Ich bin ein Mann. Ich bin eine Frau. Ich bin eine Mutter, ein Sohn, ein Vater oder eine Tochter. Ich bin ein Flüchtling.
#IamSyrian

 

IBRAHIM

Bilder von Berna Cetin

Mohammed

Mein Name ist Ibrahim. Ich bin 50 Jahre alt und bevor ich in die Türkei floh, war ich Schuhmacher in Aleppo. Jetzt finde ich wegen meines Alters und meiner Gesundheit keine Arbeit. Tag oder Nacht sind für mich das gleiche. In Syrien hatten wir ein komfortables Leben. Aber als der Krieg begann, wussten wir, dass wir gehen mussten. 


"Jeden Morgen stehe ich nur auf, weil es Routine ist, weil ich weitermachen muss"


 

Einer meiner Söhne blieb, um zu kämpfen und er wurde getötet. Als wir in der Türkei ankamen, hatten wir Glück. Ein Türke half uns eine Wohnung zu finden, obwohl wir nur sehr wenig Geld hatten. Die Wohnung ist kalt und leer, aber ich kann wenigstens mit meiner Frau und unseren vier überlebenden Kinder zusammenleben. Jeden Tag stehe ich auf, weil ich weitermachen muss. Wir haben keine andere Wahl. Wir können nicht nach Aleppo zurückkehren, also müssen wir uns an das Leben hier gewöhnen.

Ibrahim ist einer der 2,7 Millionen syrischen Flüchtlinge die in der Türkei leben.

#IamSyrian

Euer Ibrahim

Mohammed mit seinen 4 KindernMohammeds Kinder barfuß in ihrem Zuhause

 

MOHAMMED

Bilder von Berna Cetin

Aliye mit ihren Töchtern

Mein Name ist Mohammed. Ich komme aus Aleppo. Zuerst bin ich nach Kobane geflohen, dann kam ich vor zwei Jahren mit meiner Frau und meinen sieben Kindern in die Türkei, weil meine Kinder zu verängstigt waren.

In Syrien gingen zwei meiner Kinder zur Schule und ich war Musiklehrer. Wir hatten ein Haus, ein guten Job und ich unterrichtete in meinem Haus auch Saz, ein traditionelles Instrument. Ich habe ein Instrument erfunden, das als Saz und gleichzeitig als Gitarre gespielt werden kann. Wir hatten ein gutes Leben. Jetzt haben aber meine Kinder die Schule verlassen und sitzen nur zu Hause. Sie haben mehr als einen Monat lang geweint, nicht wegen des Hauses, sondern weil sie in die Schule gehen wollten.


"In meiner Familie spielen wir alle Instrumente.
Manchmal mit Freude,manchmal mit Traurigkeit."


 

Wir kamen zu Fuß nach Suruç in der Türkei. Mein Haus ist zerstört. Ich habe alles zurück gelassen. Ich habe alles hinter mir gelassen. Ich habe acht meiner Instrumente zurück gelassen. Ich habe nur eins mitgenommen. Als ich die Grenze überquerte, wurde ich gefragt: „Was ist das?“ Ich antwortete: „Es ist Heimat.“ Ich vermisse mein zu Hause, ich vermisse Syrien. Wenn es Frieden gibt gehen wir zurück.

In meiner Familie spielen wir alle Instrumente. Manchmal mit Freude, manchmal mit Traurigkeit. Ich wollte, dass alle meine Kinder ein Instrument spielen, da die Kunst immer bei dir bleibt. Saz ist eine Tugend, Saz ist Anmut.

#IamSyrian

Euer Mohammed

Die Familie von AliyeAliye mit ihrer Tochter in der Küche

 

 Lesen Sie hier auch die weiteren Briefe aus dem Bürgerkrieg.


 

Das UN World Food Programme (WFP) hilft jeden Monat ungefähr 4 Millionen Menschen in Syrien mit Notrationen und fast 1,5 Millionen Flüchtlingen in Nachbarstaaten mit Nahrungsmittelgutscheinen. Jeden Tag hören wir ihre Geschichten
und in den nächsten 6 Monaten werden wir diese Geschichten teilen.

 Unter dem Hashtag #IamSyrian erzählen die Frauen, Männer und Kinder von ihrem Leben vor dem Konflikt und von ihrem jetzigen Leben im Bürgerkriegsland oder im Exil.

Sie sprechen darüber, was sie und ihre Familien verloren haben und über ihre Hoffnungen für die Zukunft. Ihre Berichte richten sich an Menschen auf der ganzen Welt mit der Bitte, sich solidarisch zu zeigen. Teilen Sie ihre Geschichte unter dem Hashtag #IamSyrian und fordern Sie ein Ende des Blutvergießens in Syrien, in dem Sie den Appell der Hilfsorganisationen vom 21. Januar unterstützen. 

Helfen Sie uns, eine weltweite Bewegung zu starten:
#IamSyrian