Klassenzimmer 12 – Leben nach Boko Haram

Veröffentlicht am 01 April 2016

Früher kamen sie zum Lernen hierher. Nun kommen sie her, um zu überleben. Dies ist eine WFP-Fotoreise zum Klassenzimmer 12 und darüber hinaus. Eine Fotoreportage von Marco Frattini und Andre Vornic.

Ein zwölfjähriges Mädchen und ihre Verwandten sitzen im Klassenzimmer 12 der ehemaligen Al-Firdous-Schule in Maiduguri, Nigeria. Eine von ungefähr 50 Familien, die sich auf dem Gelände drängen.

Al-Firdous dient nun als Unterkunft für Vertriebene. Von ihnen gibt es Millionen im Tschad und Kamerun wie auch in Nigeria. Alle sind vor der Gewalt von Boko Haram geflohen. Der Name der Terrorgruppe steht für „westliche Bildung ist verboten“. Dass Familien nun Schutz in einer Schule suchen, könnte eine Art Vergeltung sein. Aber Vergeltung füllt weder hungrige Mägen, noch sichert sie eine Zukunft.

Dies ist eine WFP-Fotoreise zum Klassenzimmer 12 und darüber hinaus; zu denen, mit oder ohne Dach über dem Kopf; zu denen, die sich angesichts der unerträglichen Verluste an Leben und Würde klammern; zu denen, die inmitten des Leides nach einer letzten Hoffnung suchen.

NIGERIA

Nigerianische Familie sitzt auf dem Boden in einem Klassenzimmer

 

 

 

 

Foto: Eine Familie, die in einem Klassenzimmer der Al-Firdous-Schule lebt. Insgesamt leben hier 50 vertriebene Familien.

Der Nordosten von Nigeria ist die Basis Boko Harams und gleichzeitig ihr Hauptziel. Die Angriffe der Gruppe haben die Region verwüstet. Amina Moussa hat gesehen, wie ihr Ehemann umgebracht und ihr Haus abgebrannt wurde. „Es gibt hier viele Frauen wie mich“, sagt sie.
Neun von zehn Vertrieben in Nigeria – mehr als zwei Millionen Menschen – leben in behelfsmäßigen Notunterkünften in lokalen Gemeinden. Bezahlte Arbeit gibt es kaum. Betteln ist für Erwachsene und Kindern oft die einzige Möglichkeit um zu überleben.
Insgesamt benötigen 5,6 Millionen Menschen Ernährungshilfe im Gebiet des Tschadsees, welcher an drei Ländern grenzt; 200.000 Menschen sind unterernährt.

Lachendes FlüchtlingskindNigerianische Mutter mit Kind
 

TSCHAD

Schiff mit Flüchtlingen im Hafen von Djibouti

Foto: Eine improvisierte Siedlung zieht sich über 12 km entlang des Tschadsees. 5.000 Menschen leben hier seit Juni 2015. 

Grenzüberschreitende Überfälle von Boko Haram vertrieben rund 80.000 Menschen von den Tschadsee-Inseln, die nun Zuflucht inmitten karger Sanddünen suchen.

Früher lebten viele Flüchtlinge vom Fischfang, ihre Existenzgrundlage wurde nun zerstört. „Wir mussten unsere Angeln und Netze zurücklassen als wir geflohen sind“, sagt ein Mann.  „Wir sind nicht weit vom See entfernt, können aber nicht fischen. Wir sind hier gefangen“.

Eine Frau zählt sich selbst zu den Glücklichen, obwohl sie mit nichts anderen als mit ihren Kleidern am Leib flüchten konnte. Zumindest ihre Kinder sind in Sicherheit – wenn auch vom Hunger verfolgt. Mit 13 Prozent hat der Anteil unterernährter Menschen in diesem trockenen Land die Notfallstufe der Weltgesundheitsorganisation überschritten.

Flüchtlinge verlassen hastig das SchiffJemenitischer Junge am Hafen von Djibouti
 

KAMERUN

Flüchtlinge aus Burundi erhalten Nahrungsmittel Foto: 158.000 Kameruner wurden aus ihrem Zuhause vertrieben. 70.000 Flüchtlinge aus Nigeria wurden zudem in Kamerun aufgenommen. 

Boko Harams Gewalt hat nun auch Nordkamerun erreicht. War es Mitte 2015 noch ein Sechstel, leidet nun bereits ein Drittel der Bevölkerung entlang der nigerianischen Grenze an Hunger. Sieben von zehn Kleinbauern mussten ihre Felder verlassen.

Leidgestrafte Gesichter beleben sich heute wieder. WFP hilft mehr als 5.000 Menschen in der Stadt Mokolo mit Reis, Öl und Hülsenfrüchte. Flüchtlinge und auch die Bevölkerung profitieren davon.

Die direkte Ernährungshilfe soll bald durch Bargeld ersetzt werden. Bargeld stärkt Menschen in einer Weise wie es sonst keine andere Unterstützung kann – und hilft gleichzeitig, marode Märkte wieder zu beleben.

WFP will in diesem Jahr drei Viertel der über eine Million Menschen in der Region des Tschadsees unterstützen. Bislang sind jedoch nur 17 Prozent der Finanzierung gesichert. 

Flüchtlinge aus Burundi warten auf die WeiterreiseJunger Flüchtling aus Burundi mit Nahrung und Wasser in zwei Bechern

 

Sie wollen die WFP-Nothilfe für Flüchtlinge unterstützen? Spenden Sie hier: de.wfp.org/nothilfe