Krise im Jemen: Hunger und Mangelernährung nehmen zu

Veröffentlicht am 25 Oktober 2016

Fast die Hälfte aller Kinder im Jemen sind zu klein für ihr Alter – ein Zeichen für Mangelernährung. Foto: WFP/Abeer Etefa

Die Not der Bevölkerung im Jemen nimmt mit anhaltendem Konflikt dramatisch zu. Immer mehr Menschen leiden an Hunger und Mangelernährung – vor allem Kinder, Schwangere und Mütter sind betroffen. Zuletzt musste WFP Notrationen kürzen, um noch mehr Hilfsbedürftige unterstützen zu können.

"Der Hunger wird von Tag zu Tag schlimmer und die Menschen haben alle Mittel ausgeschöpft, um ihre Familien zu ernähren. Millionen Menschen können nicht ohne externe Hilfe überleben“, sagte Muhannad Hadi, WFP-Regionaldirektor für den Mittleren Osten, Nordafrika, Zentralasien und Osteuropa.

In der vergangenen Woche erreichte WFP während einer 72-stündigen humanitären Feuerpause drei schwer zugängliche Bezirke im Gouvernement Taiz mit Notrationen für 155.000 Menschen. Seit Februar unterstützt WFP monatlich mehr als 3 Millionen Menschen im Jemen. Doch weil immer mehr Menschen hungern und die finanziellen Ressourcen nicht ausreichen, musste WFP zuletzt Notrationen kürzen, um jeden Monat 6 Millionen Hilfsbedürftige zu erreichen. 

“Wir leben nur von Brot, weil ich nichts anderes habe, um meine Kinder zu ernähren, und wir haben noch Glück gehabt, wenn wir genug Brot für alle haben“, sagte Fatema, die mit ihrer Familie am Rande von Sanaa lebt. „Die Preise sind rasant gestiegen und mein Mann bekommt seinen Lohn nicht mehr.“

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts sind eine Katastrophe für Jemen, dem ärmsten Land im Nahen Osten. Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst erhalten keine Gehälter mehr und kämpfen um ihr Überleben.

Um Mangelernährung vorzubeugen, arbeitet WFP mit mehr als 2.200 Gesundheitszentren in den 14 Gouvernements Jemens zusammen und unterstützt über 700.000 Kleinkinder, Schwangere und stillende Mütter unter anderem mit angereicherter Spezialnahrung

Bereits vor dem Konflikt herrschte im Jemen eine der weltweit höchsten Mangelernährungsraten. In einigen Gegenden wie dem Gouvernement Hodeidah liegt die Mangelernährungsrate von Kindern unter fünf Jahren bei 31 Prozent  – und ist damit mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert für eine Krise. Fast die Hälfte aller Kinder im ganzen Land haben infolge der Mangelernährung  eine zu geringe Körpergröße im Vergleich zu ihren Altersgenossen.

Die deutsche Bundesregierung leistete in diesem Jahr mit 20 Millionen Euro bereits wichtige Unterstützung für den Jemen. Um die Ernährung der notleidenden Bevölkerung zu sichern, ist die Hilfe weiterer internationaler Geber gefragt. WFP benötigt derzeit mehr als 257 Millionen US-Dollar, um die Nothilfe im Land bis März 2017 aufrecht zu halten.

                   Helfen auch Sie den Menschen im Jemen mit Ihrer Spende!