Südsudan: Die Geschichte einer Mutter auf der Flucht

Veröffentlicht am 09 September 2013

Bobok Ngalim und ihre drei Kinder flohen vor der Gewalt aus ihrem Dorf in Jonglei im Südsudan in die Wildnis. Copyright: WFP/George Fominyen.

Zehntausende mussten aufgrund wieder ausbrechender Kämpfe ihr Zuhause in Südsudans Bundesstaat Jonglei verlassen. WFP unterstützt die vertriebenen Familien, die sich aus Angst, in den Konflikt verwickelt zu werden, in der Wildnis verstecken.

Als Bobok Ngalim hörte, dass sich Angreifer ihrem Dorf nähern, erschrak sie fürchterlich. Das letzte Mal, als dies geschah, wurde ihr Mann in den Kämpfen zwischen den Stämmen der Lou Nuer und der Murle getötet.

Nun muss die junge Mutter ihre drei Kinder allein versorgen und will kein Risiko eingehen.„Ich bin mit meinen Kindern in die Wildnis geflohen. Ich war nicht die einzige. Alle Frauen – alt und jung – haben sich im Gebüsch versteckt. Viele Frauen wurden von ihren Männern getrennt. Sie wissen nicht, ob sie noch leben“, erzählt sie. 

„Wochenlang haben wir uns hier versteckt. Wir haben nichts zu essen, unsere Kinder können keine Milch trinken, weil es kein Vieh gibt, das wir melken könnten. Wir haben uns von Gras wie diesem ernährt, um zu überleben“, sagt sie und zeigt auf den Boden im Schatten eines Baumes vor dem Verteilungszentrum des WFP in der Stadt Pibor.

 
Der Hunger der Vertriebenen

Naglim hält eine grüne Frucht in der Hand, die hier als Lalop bekannt ist. Normalerweise wird Lalop erst gegessen, wenn es ausgreift ist, aber in Zeiten der Not sammeln verzweifelte Menschen auch die unreifen Früchte: „Wenn wir so hungrig sind, ernten wir die wilde Frucht und kochen sie“, sagt Ngalim. Häufig bekommen die Menschen davon Durchfall.


Nglaims Geschichte gewährt Einblick in das Elend, das die oft unsichtbaren Opfer der andauernden Unsicherheit und Instabilität Jongleis im Busch- und Sumpfland ertragen müssen. 

Hilfe in der Not
Ngalim erzählt, dass sie zwei Tage bis zum Verteilungszentrum des WFP laufen musste. Ihre zwei Söhne und ihre Tochter blieben bei ihrer blinden Mutter im Buschland. “Meine Gedanken sind bei meinen Kindern. Ich hoffe, es geht ihnen gut und ich bin froh, dass ich ihnen nun dieses Essen bringen kann.“, sagt sie. „ WFP gibt uns Sorghum, Öl, Bohnen, Salz und Essenspakete, die meine Kinder stark machen sollen.“

Am 23. Juli startete WFP die Nothilfe, um die Vertriebenen wie die Mutter Ngalim mit dringend benötigten Nahrungsmitteln zu versorgen. Bisher konnte die humanitäre Gemeinschaft in den Gebieten in der Region von Pibor, die erreichbar sind, fast 30.000 Menschen helfen. WFP plant, bis Dezember 60.000 Menschen mit Ernährungshilfe zu unterstützen.

Doch der andauernde Konflikt aber auch die infolge der Regensaison teils unpassierbaren Straßen erschweren es, die hilfsbedürftigen Familien zu erreichen. Viele Bauern können außerdem aufgrund der Gewalt ihre Felder nicht bestellen, weshalb WFP fürchtet, dass bis Ende des Jahres Tausende weitere Menschen Unterstützung benötigen.

Die Flucht vor den bewaffneten Gruppen bestimmt das Leben der Menschen, die bei WFP Unterstützung suchen: „Seit Beginn der Kämpfe Ende letzten Jahres, mussten wir immer wieder aus unseren Dörfern fliehen.“ Trotz ihrer prekären Situation ist sie dankbar, mit den lebenswichtigen Nahrungsmitteln zu ihren Kindern zurückkehren zu können.