Südsudan: Ernährungshilfe mit Hürden

Veröffentlicht am 16 Januar 2012

Als Folge der Gewaltausschreitungen im Südsudan sind viele Menschen aus ihren Dörfern geflüchtet. Die Ernährungslage ist für viele kritisch. Foto: WFP/Rehan Zahid

Der Südsudan muss eine ganze Menge von Problemen überwinden, um die 8 Millionen Einwohner ernähren zu können. Vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen WFP und die humanitäre Gemeinschaft, da knapp 3 Millionen Südsudanesen momentan auf Ernährungshilfe angewiesen sind.

Im Folgenden schildern wir fünf Kernprobleme der Ernährungshilfe in der jüngsten Nation der Welt.

 

1. Schlechte Ernte

Die Ernte im Oktober/November ist schlecht ausgefallen. Die Getreideproduktion fiel 2011 um 30-40 Prozent verglichen zum Vorjahr. Selbst das bestmögliche Szenario ist ernüchternd: Anhand einer Erhebung von FAO und WFP verursacht die schlechte Ernte 2012 wahrscheinlich einen landesweiten Getreidemangel von 400.000 Tonnen.

2. Hohe Nahrungsmittelpreise

Die Preise für Sorghum- und Weizenmehl haben sich in den meisten Regionen im Vergleich zu diesem Zeitpunkt letztes Jahr mehr als verdoppelt. Die hohen Benzinpreise verschlimmern die Sache zusätzlich, da Transportkosten, wie die Nahrungsmittel die Märkte erreichen, den Preis grundsätzlich mitbestimmen.

3. Unsicherheit und Gewalt

Seitdem der Südsudan im Juli 2011 seine Unabhängigkeit erklärt hat, sind die Spannungen in den Grenzregionen eskaliert. Es gab aber auch Gewaltausbrüche in anderen Teilen des Landes, wie vor kurzem die Kämpfe zwischen den Stämmen in Jonglei, woraufhin zehntausende Familien geflüchtet sind. Das heißt, es kann sehr schwer – und oft auch gefährlich – sein, den Hungernden zu helfen.

4. Schlechte Infrastruktur

Es gibt nur sehr wenige gute Straßen im Südsudan. Obwohl das Land etwa die gleiche Größe wie Frankreich hat, gibt es im Südsudan nur 4.000 km Straßen. Frankreichs Straßennetz hat im Vergleich 1.000.000. Mit Beginn der Regenzeit im März werden viele Teile des Landes nur noch auf dem Luftweg zu erreichen sein, was die Kosten für die humanitäre Unterstützung steigen lässt. WFP versucht deswegen, noch jetzt Nahrungsmittel dort hinzubringen, so dass die Nothilfe im Frühjahr nicht unterbrochen werden muss. 

5. Finanzierung

Die Kombination aller oben genannten Faktoren führt dazu, dass die Ernährungshilfe im Südsudan sehr teuer ist. WFPs zwölfmonatige Notfoperation, die im Januar 2012 angefangen hat, steht momentan vor einem Defizit von 177 Millionen US-Dollar bei einem Gesamtbudget von 262 Millionen US-Dollar.

 


  • Anzahl der Menschen, die WFP 2012 erreichen muss                                      2,7 Millionen
  • Kinder/Mütter, die Spezialnahrung erhalten                                                           500,000
  • Flüchtlinge und Binnenvertriebene, die Nahrungsmittel brauchen                      >540,000 
  • Rückkehrer in den Südsudan seit 2010                                                   360,000
  • Nationales Getreidedefizit (geschätzt 2012)                                                 400,000 Tonnen
  • Kosten der WFP-Notoperation für2012                                                       US$262 Millionen
  • Aktuelles Defizit für der WFP-Operation                                                      US$177 Millionen