Somalia nach der Hungersnot: 10 Fragen und Antworten

Veröffentlicht am 20 Juli 2012

WFP richtet seine Aufmerksamkeit in Somalia auf zielgerichtete Projekte, wie zum Beispiel  „Food for Work“. WFP konzentriert sich auch vermehrt auf Programme, die den Ernährungszustand von Frauen und Kindern verbessern. Copyright: WFP/Challis McDonough

Zwölf Monate nach der Ausrufung der Hungersnot in Somalia veröffentlicht WFP 10 Fragen & Antworten, um die aktuelle Situation vor Ort zu verdeutlichen.

Am 20.Juli jährt sich die Ausrufung der Hungersnot in Somalia zum ersten Mal – dieser Tag kennzeichnet für viele den Beginn der Hungerkrise 2011 am Horn von Afrika. Wie ist die Situation zwölf Monate später?

Gibt es noch immer eine Hungersnot in Somalia?

Nein, momentan gibt es keine Gebiete in Somalia, in denen Menschen an einer Hungersnot leiden und die Unterernährungsraten haben sich im letzten Jahr konstant verbessert. Dabei sollte man nicht vergessen, dass „Hungersnot“ eine sehr genaue Definition hat. Hunger kann nach wie vor weit verbreitet sein, obwohl genau genommen keine somalischen Gebiete mehr unter die Definition einer Hungersnot fallen.

Zahlen und Fakten

Die anhaltende Ernährungskrise in Somalia ist noch nicht überwunden und landesweit sind 2,5 Millionen Menschen davon betroffen. 

1,7 Millionen Menschen leben im Süden Somalias, zu dem WFP und andere Hilfsorganisationen nur beschränkten Zugang haben. 

Seit einem Jahr hat WFP circa 1,5 Millionen Menschen in Somalia mit Ernährungshilfe unterstützt.

Circa 15.000 Menschen in den zentralen Landesteilen Somalias erhalten Nahrungsmittelgutscheine, da hier Nahrungsmittel auf den lokalen Märkten vorhanden sind.

Die Mangelernährungsrate der unter 5-Jährigen hat sich in den letzten sechs Monaten von 30 auf 22 Prozent verringert.

Wie kam es zur allgemeinen Verbesserung in Somalia?

Die Verbesserung der Umstände ist teils durch ausreichende Regenfälle Ende 2011 zu erklären, die zu einer guten Ernte und niedrigeren Nahrungsmittelpreisen führten. Aber auch die humanitäre Unterstützung hat dazu beigetragen, dass es vielen Menschen heute besser geht.

Wird humanitäre Unterstützung noch immer gebraucht?

Ja, humanitäre Unterstützung ist weiterhin dringend notwendig. Die Fortschritte des letzten Jahres sind unbeständig und Millionen Menschen sind noch heute auf Unterstützung angewiesen. Der von April bis Juni anhaltende Regen war unregelmäßig und nicht alle Bauern hatten genügend Regen für ihre Ernte.

Wie viele Menschen sind nach wie vor auf Hilfe angewiesen?

Entsprechend der aktuellsten offiziellen Daten befinden sich circa 2,5 Millionen Menschen im ganzen Land nach wie vor in einer „Krise“ und circa 325.000 Kinder sind akut mangelernährt. 

In wie weit hat sich die Ernährung verbessert?

Die landesweite Mangelernährungsrate ist im Vergleich zum letzten Jahr bei den unter 5-Jährigen von 30 auf 22 Prozent gesunken, aber die Situation bleibt kritisch. Ohne die richtige Ernährung können jüngere Kinder unumkehrbare Schäden auf ihre körperliche und geistige Entwicklung erleiden.

Welche Gebiete sind derzeit am meisten von Hunger bedroht?

Die am meisten gefährdeten Menschen sind momentan 1) vertriebene Familien und die städtische Bevölkerung in Mogadischu; 2) vertriebene Menschen im  Afgoye-Korridor (im Süden), Zentralsomalia und Puntland; 3) Familien, die von der Viehzucht und Landwirtschaft in Shabelle und Hiran leben; 4) Gebiete entlang des Juba Flusses (Südsomalia); und Hirtengemeinden entlang der Küste in den zentralen und östlichen Gebieten

Droht eine neue Hungersnot?

Die Situation ist instabil und der Fortschritt könnte sich schnell durch verschiedene Faktoren umkehren, dazu gehören: eine schlechte Ernte im Juni und ein Anstieg der Getreidepreise; Ausbruch von Krankheiten; ein Mangel an humanitärer Unterstützung und in manchen Gebieten ein Mangel an humanitärem Zugang; Unsicherheit und militärische Operationen.

Wie viele Menschen hat WFP seit Juni 2011 unterstützt?

WFP versorgte circa 1,5 Millionen Menschen in Somalia seit der Ausrufung der Hungerkrise am Horn von Afrika. Momentan verlagert WFP seinen Schwerpunkt von Nothilfe auf langfristige Hilfe  – dazu gehören der Bau von Lagerhallen, Brunnen und Straßen. Dadurch wird die Widerstandfähigkeit der Gemeinden gegen Dürren und Fluten gestärkt.

Ist es gefährlich, in Somalia Hilfe zu leisten?

Somalia ist eine der gefährlichsten Gegenden für humanitäre Helfer aufgrund von Unsicherheit und schlechter Infrastruktur. Außerdem ist die weit verstreute Bevölkerung schwer zu erreichen. Tatsächlich gibt es noch immer Gebiete im Süden, zu denen WFP keinen Zugang hat.