Syrien: Bessere Ernte mindert den Hunger nicht

Veröffentlicht am 11 August 2015

Ein Kleinbauer in Harfa, einem Dorf nahe Damaskus. 

Foto: WFP/ Hussam Al Saleh 

 

Trotz guter Erntebedingungen bleibt die syrische Bevölkerung von Hunger bedroht. Der andauernde Konflikt wirkt sich verheerend auf Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, Transport und Preise aus.

Dank guter Witterungsbedingungen ist die Weizenernte Syriens in diesem Jahr besser ausgefallen, verglichen mit der verheerenden Ernte von 2014. Dennoch sind die Erträge immer noch um 40 Prozent niedriger als vor der Krise. Die Erntefläche ist so klein, wie seit 1960 nicht mehr. Wie FAO und WFP in einem jüngst veröffentlichten Report berichten, fehlen dadurch mehr als 800.000 Tonnen Weizen, um den Jahresbedarf  im Land zu decken. 

Viehzucht stark beeinträchtigt

Die Viehzucht machte vor der Krise noch den größten Anteil der syrischen Wirtschaft aus. Mittlerweile ist der Sektor massiv geschrumpft und allein die Geflügelzucht ist um 50 Prozent zurückgegangen. Dies trifft die Menschen besonders hart, da Geflügel eine der kostengünstigsten Proteinquellen in der lokalen Küche ist. Da Impfstoffe und Medikamente ausgehen, ist auch die Versorgung der Tiere ist stark eingeschränkt. 

Nahrungsmittel kommen vom Feld nicht auf die Teller

Kraftstoffengpässe und die schlechte Sicherheitslage erschweren zudem den Nahrungsmitteltransport erheblich. Eine Folge ist, dass Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse verderben. Gleichzeitig bleiben Weizenüberschüsse in den ertragreicheren Regionen im Nordosten des Landes zurück, während im Westen Syriens Mehl zum Backen der Brote fehlt.

Nahrungsmittelpreise drastisch gestiegen

Die Nahrungsmittelpreise waren 2014 relativ stabil. Doch da die Regierung in diesem Jahr die Subventionen für Landwirtschaft kürzte und die Wechselkurse stark fielen, nimmt die Preisspirale wieder Fahrt auf. Brot, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Syrien, ist im letzten Jahr um 87 Cent teurer geworden. Familien geben heute im Durchschnitt zwischen 50 und 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. 

In einer Großbäckerei in Syrien warten Brote auf einer Backstraße vor dem Ofen.
Großbäckerei in Syrien. Foto: WFP/ Hussam al Saleh

„Klar ist: Fast fünf Jahre Bürgerkrieg haben die syrische Wirtschaft und die Fähigkeit der Menschen, lebenswichtige Güter wie Nahrung zu kaufen, zerstört“, sagt Arif Husain, Chef-Ökonom bei WFP. „Mit großer Sorge blicken wir auf die andauernde Vertreibung. Das Risiko von Langzeitschäden ist insbesondere für Kinder akut, wenn der Konflikt andauert – mit tragischen Folgen für ihre Zukunft.“ Husain fügt hinzu: „Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, Friedensbemühungen und Hilfsleistungen weiterhin zu unterstützen, bis Frieden herrscht.“

Handlungsempfehlungen

Ein Ende des Konflikts ist das erste und wichtigste Ziel, damit sich die syrische Bevölkerung ernähren kann. Doch bis Frieden herrscht, bleiben Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen. Insgesamt gelten heute mit mehr als 9,8 Millionen die Hälfte der Bevölkerung als vom Hunger bedroht. 6,8 Millionen von ihnen brauchen dringend externe Nahrungsmittelhilfe. 
Ernährungssituation kann auch durch andere Maßnahmen verbessert werden, wie FAO und WFP vorschlagen.  
Qualitativ hochwertiges Saatgut, Düngemittel, sowie tierärztliche Medikamente und Impfstoffe können dazu beitragen, die Belastbarkeit syrischer Ernten zu erhöhen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, privaten Gemüseanbau und Geflügelhaltung im Hinterhof zu fördern, damit die Gemeinden in Zukunft besser gegen Krisen gewappnet sind.