UN-Hungerbericht 2012: Sicherheitsnetze haben höchste Priorität

Veröffentlicht am 11 Oktober 2012

Laut dem UN-Hungerbericht leiden dieses Jahr 868 Millionen Menschen weltweit unter Hunger. Der Bericht unterstreicht die große Bedeutung von Sicherheitsnetzen wie Schulspeisungsprogrammen. Copyright: WFP/ Jiro Ose

Um den weltweiten Hunger zu bekämpfen, ist nachhaltiges Wirtschaftswachstum, speziell in der Landwirtschaft, maßgebend. Laut des neuen Berichts, veröffentlicht gemeinsam von den drei in Rom ansässigen UN-Organisationen FAO, IFAD und UN World Food Programme (WFP), sind soziale „Sicherheitsnetze“ entscheidend, um die ärmsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern ausreichend zu schützen.

Der neue UN-Hungerbericht schätzt die Zahl der Hungernden weltweit auf 868 Millionen. Um diese Zahl zu reduzieren, sind soziale Sicherheitsnetze wie Schulspeisungsprogramme und die Förderung von Kleinbauern und lokalen Nahrungsmittelmärkten entscheidend.

Außerdem können Sicherheitsnetze dazu beitragen, dass hungernde und arme Familien in Zukunft zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen. Es gilt sicherzustellen, dass sie und ihre Gemeinden weniger anfällig für Hunger werden, sagt der Bericht.

Sicherheitsnetze

Der Bericht, im Originaltitel „State of Food Insecurity in the World“ (SOFI), unterstreicht die Bedeutung von wirtschaftlichem Wachstum im Kampf gegen Hunger und Armut. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass das teilweise starke Wachstum in den Entwicklungsländern innerhalb der letzten Jahrzehnte ein Schlüsselfaktor im Kampf gegen den weltweiten Hunger war. Zwischen den Jahren 1990-1992 und 2010-2012 hat sich die Anzahl der weltweit Hungernden um 132 Millionen verringert.


 

Anzahl der Hungernden weltweit

1990-1992            1 Mrd.

1999-2001            919 Mio.

2004-2006            898 Mio.

2007-2009            867 Mio.

2010-2012            868 Mio.
Gemessen in Prozent an der Weltbevölkerung

1990-1992            18.6

1999-2001            15.0

2004-2006            13.8

2007-2009            12.9

2010-2012            12.5

Jedoch ist Wachstum allein nicht ausreichend oder vollzieht sich nicht schnell genug. Soziale Sicherungssysteme garantieren, dass die ärmsten Familien nicht auf der Strecke bleiben und sowohl zum Wachstum beitragen, als auch davon profitieren.

„Die Welt hat das Wissen und die Mittel, um alle Formen von Hunger und Mangelernährung zu beseitigen“ sagen die Leiter der drei UN-Organisationen. Ein „zweigleisiger“ Ansatz ist nötig, basierend auf einer Förderung von umfassendem wirtschaftlichen Wachstum, inklusive der Landwirtschaft, und sozialen Sicherheitsnetzen für die am meisten gefährdeten Menschen.

Die Bezeichnung „Sicherheitsnetze“ beschreibt Maßnahmen, die den ärmsten Menschen Zugang zu adäquaten und nährstoffreichen Nahrungsmitteln ermöglichen. Dazu zählen Schulspeisungen, Nahrungsmittelgutscheine, Transferzahlungen und die Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kleinkindern.

Eine wichtige Aufgabe des WFP ist es, mit nationalen Regierungen zusammenzuarbeiten, um Netze zur Ernährungssicherung zu entwickeln – flexible Systeme, die in Krisenzeiten erweitert werden können.

Die Grundsteine legen

Schulmahlzeiten sind nicht nur eine sinnvolle Maßnahme, hungernde Schulkinder in der Gegenwart zu unterstützen. Ebenso sind sie die Basis für eine Zukunft ohne Hunger. Schulmahlzeiten tragen dazu bei, dass Kinder zur Schule gehen können und ermöglichen ihnen den Zugang zu Bildung. Sie lassen sie zu stärkeren und intelligenteren Menschen heranwachsen, die später einen Beitrag zur Zukunft ihrer eigenen Familie und Entwicklung ihres Landes leisten können.


Studien der Weltbank zeigen, dass 60 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern ohne eine Form von sozialen Schutzmechanismen leben. In den ärmsten Ländern steigt diese Zahl bis auf 80 Prozent. Der UN-Hungerbericht empfiehlt ausdrücklich koordinierte Anstrengungen vorzunehmen, um mehr solcher Schutzsysteme, wie zum Beispiel Schulspeisungsprogrammen, aufzubauen.