Vom südsudanesischen Flüchtling zum Ingenieur

Veröffentlicht am 13 November 2012

20 Jahre nachdem er zum ersten Mal in einem Klassenzimmer saß, machte Chep Makur Chuot seinen Abschluss an der Universität. Copyright: WFP

Chep Makur Chuot war neun Jahre alt, als seine Familie und er aus dem Südsudan fliehen mussten. Die nächsten 12 Jahre lebte er in einem Flüchtlingscamp in Kenia, wo er während seiner Schulzeit Schulmahlzeiten von WFP erhielt. Jetzt lebt Chep in Australien, wo er vor kurzem seinen Universitätsabschluss als Ingenieur machte. Bald möchte er wieder zurück in den Südsudan, um beim Wiederaufbau seines Landes zu helfen.

Perth – Chep Makur Chout kann sich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen: Zum ersten Mal das völlig überfüllte Klassenzimmer im Kakuma Flüchtlingslager in Kenia betreten. Er war damals ein sehr verängstigter 9-jähriger Junge, der gerade seinen Vater und sein Zuhause im Südsudan verloren hatte.

Jeden Tag erhielt er eine Mahlzeit in der Schule. „Ich kann mich noch ganz genau an den Geruch des Haferbreis erinnern, den wir zum Mittagessen bekommen haben.“, erzählt Chep, der sehr geschwächt im Flüchtlingslager ankam. „Es hat nicht besonders lecker geschmeckt, aber es war eine warme Mahlzeit, die meinen Magen füllte. Darauf habe ich mich jeden Tag gefreut.

Seitdem ist viel Zeit vergangen.  Er lebt jetzt in Australien und hat erfolgreich ein Studium abgeschlossen. Noch bevor er überhaupt seinen Abschluss machte, hatte er bereits einen gut bezahlten Job, bei dem er Roboter in einem Labor in Perth programmiert.

„All das habe ich nur geschafft, weil ich die Möglichkeit hatte, die Schule zu besuchen und Schulspeisungen erhalten habe.“, sagt Chep.

Einen leeren Magen
Cheps Vater wurde während der gewaltsamen Konflikte im Südsudan getötet, bei denen Cheps Familie auch ihr Zuhause und ihre Viehherde verloren haben. Vollkommen mittellos musste Cheps Mutter ihre Kinder bei der Großmutter zurücklassen und war mehr als ein Jahr unterwegs, um einen sicheren Zufluchtsort für ihre Familie zu finden.

„Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht einmal, ob sie noch am Leben ist.“, sagt Chep. „Viele der Dorfbewohner wurden umgebracht, als sie versuchten, das Dorf zu verlassen. Viele von ihnen gaben auf und kehrten mit fürchterlichen Erfahrungen zurück.“

Anfangs mussten sie ihre täglichen Mahlzeiten von zwei auf eine reduzieren, bis auch die letzte Mahlzeit am Tag immer kleiner ausfiel. Manchmal hatten sie einen ganzen Tag nichts zu essen, bis irgendwann Cheps Mutter zurückkam, um mit ihren Kindern ins Kakuma Flüchtlingscamp in Kenia zu fliehen, wo sie die nächsten 12 Jahre lebten.

Lernen für die Zukunft
Chep war sich sicher, dass der einfachste Weg für ihn eine bessere Zukunft zu erhalten, durch Bildung sei – der Beginn dafür war das Klassenzimmer im Flüchtlingscamp in Kakuma. Er war ein Flüchtling, trotzdem lernte hart bis zum Schulabschluss und zeigte großes Interesse und Begabung für Physik und Chemie.

Heute ist Chep begeistert über seine neuen Möglichkeiten – deshalb plant er auch, in den Südsudan zurückzukehren, um dort selbst eine Familie zu gründen. „Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt und wir müssen vieles neu aufbauen. Es werden Straßen, Brücken und Schulen gebraucht. Es werden Ingenieure gebraucht!“