Was sind die Ursachen von Hunger?

Veröffentlicht am 07 November 2013

In Bangladesch offenbart der Armumfang dieses Jungen, dass er mangelernährt ist und nicht die Nahrung erhält, die er braucht, um gesund aufzuwachsen. In Entwicklungsländern ist eines von drei Kindern untergewichtig. Copyright: WFP/Rein Skullerud

Weltweit werden genug Nahrungsmittel produziert, um die gesamte Weltbevölkerung von mehr als 7 Milliarden Menschen zu ernähren. Und doch geht jeder neunte Mensch auf diesem Planeten hungrig schlafen. In einigen Ländern ist jedes dritte Kind untergewichtig. Warum hungern Menschen? Was sind die Ursachen von Hunger? 


Es gibt in der Welt viele Gründe für die Existenz von Hunger und häufig hängen sie eng mit einander zusammen. Hier sind sechs, die aus unserer Sicht besonders wichtig sind.

Armut

Wenn Menschen in Armut leben, können sie sich kein nahrhaftes Essen für sich und ihre Familien leisten. Das macht sie schwächer und sie sind weniger dazu in der Lage, ausreichend Geld zu verdienen, um Armut und Hunger zu entfliehen. Das ist nicht nur ein gegenwärtiges Problem: Wenn Kinder chronisch mangelernährt sind, kann das ihr zukünftiges Einkommen beeinflussen und sie zu einem Leben in Armut und Hunger verdammen.

In Entwicklungsländern haben Bauern häufig nicht genug Geld für Saatgut, sodass sie die Nahrungsmittel, die ihre Familie versorgen könnten, nicht anbauen können. Außerdem verfügen sie nicht immer über die Werkzeuge und Dünger, die sie zum Anbau der Pflanzen benötigen. Andere haben kein Land, Wasser oder Bildung. Kurzum: Die Armen hungern und ihr Hunger hält sie in der Armutsfalle gefangen.

Klima und Wetter

Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Tropenstürme und lange Dürreperioden nehmen immer mehr zu – mit verheerenden Folgen für die arme und hungernde Bevölkerung in Entwicklungsländern.

Dürren sind weltweit die häufigste Ursache für einen Mangel an Nahrungsmitteln. Wiederkehrende Dürren führten 2011 zu Missernten in Teilen von Äthiopien, Somalia und Kenia, viele Bauern verloren ihre Herden. 2012 kam es in der Sahelregion in Westafrika zu einer ähnlichen Situation. In beiden Regionen waren mehrere Millionen Menschen von Hunger bedroht.
In vielen Ländern verschlimmert der Klimawandel die ohnehin bereits ungünstigen klimatischen Verhältnisse. Immer mehr fruchtbares Ackerland ist durch Erosion, Versalzung und Wüstenbildung bedroht. Waldrodungen von Menschenhand beschleunigen die Erosion von Ackerflächen, die für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten.

Krieg und Vertreibung

Auf der ganzen Welt beeinträchtigen Konflikte dauerhaft die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion. Kämpfe zwingen darüber hinaus Millionen von Menschen, ihre Heimat zu verlassen, was zu Hungerkrisen führt, da die Vertriebenen nicht die Möglichkeit haben, sich selbst zu ernähren. Der Konflikt in und um Syrien ist ein aktuelles Beispiel.

Anhaltende Kämpfe in Somalia und der Demokratischen Republik Kongo haben beispielsweise stark zu dem hohen Anteil hungernder Menschen in beiden Ländern beigetragen. Zum Vergleich ist Hunger in friedlicheren Teilen Afrikas wie Ghana und Ruanda auf dem Rückzug.

Instabile Märkte

In den vergangenen Jahren waren die Nahrungsmittelpreise sehr instabil. Schwankende Preise machen es für die ärmsten Teile der Bevölkerung sehr schwierig, dauerhaft Zugang zu nahrhaftem Essen zu haben. Preisspitzen können dazu führen, dass eine ausgewogene Ernährung zeitweise unbezahlbar wird, was bleibende Schäden vor allem für kleine Kinder bedeuten kann.

Wenn die Preise steigen, gehen Verbraucher häufig zu günstigeren, aber auch weniger nahrhaften, Nahrungsmitteln über, was das Risiko von Mikronährstoffmangel und anderen Formen von Mangelernährung erhöht.

Fehlende Investitionen in die Landwirtschaft

In zu vielen Entwicklungsländern fehlt landwirtschaftliche Infrastruktur, wie Straßen, Langerhäuser und Bewässerungssysteme. Dies führt zu hohen Transportkosten, einer unzuverlässigen Versorgung mit Wasser und fehlenden Lagerungsmöglichkeiten für die Ernte. Dadurch werden die landwirtschaftlichen Erträge knapper und der Zugang zu Nahrungsmitteln schlechter.

Investitionen, die die Bodenbewirtschaftung verbessern, einen effizienteren Umgang mit Wasser fördern und resistenteres Saatgut verfügbar machen, können eine große Wirkung erzielen. Untersuchungen der UN Welternährungsorganisation FAO zeigen, dass Investitionen in die Landwirtschaft für die Reduzierung von Armut und Hungerfünf Mal effizienter sind als Investitionen in jedem anderen Sektor.

Nahrungsmittelverschwendung

Ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel (1,3 Milliarden Tonnen) wird nicht verzehrt. Diese Verschwendung ist eine vertane Chance, die Ernährungssicherheit in einer Welt zu verbessern, in der jeder Neunte hungert.

Um diese Nahrungsmittel zu produzieren werden kostbare natürliche Ressourcen verbraucht, auf die wir angewiesen sind, um den Planeten zu ernähren: Jedes Jahr schlucken Nahrungsmittel, die produziert aber nicht gegessen werden, so viel Wasser, wie jährlich den russischen Fluss Wolga herunterfließt. Darüber hinaus werden durch die Produktion dieses Essens 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre ausgestoßen - mit verehrenden Folgen für das Klima und somit letzten Endes auch die Nahrungsmittelproduktion.

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