Steigende Nahrungsmittelpreise haben oft dramatische Folgen für Familien, die bereits 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Copyright: WFP/Rein Skullerud
Wenn die Nahrungsmittelpreise steigen, merkt es jeder. Aber für arme Familien in Entwicklungsländern, die auch so schon kaum genug zum Überleben haben, können hohe Nahrungsmittelpreise katastrophale Auswirkungen haben.
Dies liegt nicht nur daran, dass die Familien oft geringe Einkommen haben. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle: Wenn zum Beispiel ein Europäer einen Euro für einen Laib Brot im Supermarkt bezahlt, zahlt er im Durchschnitt nur rund 14 Cent für das tatsächliche Nahrungsmittel. Der Rest der Kosten wird für Verpackung, Transport, Werbung und Fixkosten verwendet. Wenn sich der Preis von Getreide verdoppeln würde, dann kostet das Brot lediglich 14 Cent mehr – ein überschaubarer Anstieg.
Ärmere Menschen in Entwicklungsländern kaufen selten einen Laib Brot. Sie kaufen einen Sack Mehl. Wenn sich also der Maispreis verdoppelt, verdoppelt sich für sie auch der Mehlpreis. Dieser Preisanstieg ist für die Familien kaum zu bewältigen, da sie ohnehin bereits den Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.
Diese neue Grafik zeigt Ihnen, welche Auswirkungen steigende Preise für Familien in Entwicklungsländern haben.
Die ärmsten Haushalte in Entwicklungsländern geben rund 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Wenn also die Nahrungsmittelpreise steigen, müssen sie noch mehr von ihrem bereits geringen Einkommen für Essen ausgeben und haben noch weniger Geld für Kleidung, Unterkunft, medizinische Versorgung und Bildung für ihre Kinder zur Verfügung. Schritt für Schritt werden diese Ausgaben reduziert.
Oftmals verringern die Familien zuerst die Qualität ihrer Nahrungsmittel: weniger frische Früchte und Gemüse, weniger Fleisch. Die Menschen kaufen meist nur noch Grundnahrungsmittel, wie Getreide, Mais oder Reis. Dadurch verringert sich automatisch die Einnahme von wichtigen Vitaminen und Proteinen, was katastrophale Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, vor allem bei unter 2-Jährigen.
Im nächsten Schritt reduzieren Familien oft die Anzahl ihrer Mahlzeiten pro Tag, von ursprünglichen drei Mahlzeiten nehmen sie nur noch zwei pro Tag zu sich, bis unter Umständen nur noch genügend Geld für eine übrig ist. Wenn Familien ein paar Ziegen oder Hühner haben, werden auch oft die Tiere verkauft. Das bringt zwar auf den ersten Blick mehr Geld, hat aber katastrophale Auswirkungen, denn die Familien müssen in Zukunft auf frische Ziegenmilch, Eier und Einkünfte durch die Tiere verzichten. Wenn die Menschen auf diese Art ihr letztes Eigentum verlieren, sind sie noch unmittelbarer von Armut bedroht.
An diesem Punkt scheint für betroffene Familien auch die Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr als essentiell wichtig. Deshalb nehmen viele Eltern ihre Kinder aus der Schule, so dass diese helfen, die Felder zu bewirtschaften oder anderweitig arbeiten müssen. Jedoch können die Langzeitfolgen von einer abgebrochenen Ausbildung für die Familien verheerend sein. Die Kinder besuchen nach einem ersten Abbruch oft nie wieder eine Schule. Wenn das der Fall ist, schaffen es die Kinder selten, sich selbst und ihre Familien aus der Armutsspirale zu befreien.
Das UN World Food Programme (WFP) ruft jetzt zusammen mit der UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (IFAD) und dem UN Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) zu einem raschen international koordinierten Handeln auf, um ein erneutes Szenario wie 2008 zu verhindern. „Wir müssen schnell reagieren, um sicherzustellen, dass diese Preisschocks bei Nahrungsmitteln nicht zu einer Katastrophe führen und somit über zehn Millionen Menschen in den nächsten Monaten betroffen sind.“, sagen die Leiter von WFP, FAO und IFAD. Lesen Sie den aktuellen Bericht der Leiter hier.
Einer der besten Wege, um sicherzustellen, dass den Ärmsten die verherrenden Auswirkungen von den hohen Nahrungsmittelpreisen erspart bleiben, sind sogenannte Sicherheitsnetze – zuverlässige Systeme, die Nahrungsmittel für die Schwächsten in den herausforderndsten Zeiten garantieren. Das können Schulmahlzeiten, aber auch Unterstützung von Kleinbauern und nährstoffreiche Zusatznahrung für Mütter und Kinder sein.
WFP arbeitet bereits intensiv mit lokalen Regierungen zusammen und hat dadurch viele solcher Programme in ärmeren Ländern weltweit etabliert. In den kommenden Monaten, wenn die Preise weiter steigen, können diese Programme lebensrettend für Millionen Menschen sein.