Zentralafrikanische Republik: Die internationale Gemeinschaft muss handeln

Veröffentlicht am 20 März 2014

WFP-Exekutivdirektorin Ertharin Cousin traf in der Zentralafrikanischen Republik Opfer des Bürgerkrieges, die vor der Gewalt im Land geflohen sind. Ohne die Nothilfe des WFP wären sie gezwungen, sich von Gras zu ernähren. Copyright: WFP/ Jonathan Dumont

Die Zentralafrikanische Republik benötigt dringend mehr internationale Hilfe, um der aktuellen humanitären Krise zu entkommen, erklärte Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des UN World Food Programme (WFP), während ihres Besuchs im Land. 

Ertharin Cousin war geschockt vom Leid, das sie heute in der nordwestlichen Stadt Bossangoa in der Zentralafrikanischen Republik erlebte: „Ich habe tausende Mütter, Kinder und Vertriebene gesehen, die sich in den Lagern drängen, Frauen, die darum kämpfen, ihre Familien zu ernähren.“

„Diese furchtbare Situation dauert nun schon Monate an. Es ist nicht hinnehmbar. Es muss mehr getan werden, um den Menschen zu helfen“, sagte Cousin. Die halbe Bevölkerung des Landes sei auf der Flucht, der Staat breche auseinander und die Wirtschaft um die Verbliebenen herum zusammen. „Nach dem, was ich heute gesehen habe, frage ich mich: Wie viel Gewalt und Leid braucht es noch, ehe die internationale humanitäre Gemeinschaft für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik aktiv wird?“

„Geberländer aus aller Welt helfen Millionen Syrern, für die das vierte Jahr des blutigen Konfliktes beginnt. Zudem benötigen auch hunderttausende Menschen im Südsudan dringend mehr Unterstützung.“, erklärt Cousin. „Doch wir können einem Kind in der Zentralafrikanischen Republik nicht einfach sagen, dass wir ihm nicht helfen können, weil es nicht so wichtig ist wie ein Kind an einem anderen Ort.“

„Wir dürfen diese vergessene Krise nicht zu einer verlorenen Krise werden lassen“, fügte sie hinzu.

Die dramatische Ernährungslage trifft die Kinder in der Zentralafrikanischen Republik besonders hart – die akute Mangelernährung, von der eine immer weiter steigende Zahl betroffen ist, kann lebenslange Folgen haben. Copyright: WFP/ Jonathan Dumont

Obwohl Logistik und Sicherheit große Herausforderungen darstellen, hat WFP seit Beginn des Jahres jeden Monat mehr als 250.000 Menschen in der Zentralafrikanischen Republik mit Ernährungshilfe unterstützt. Nichtsdestotrotz erfordert die immer schlimmer werdende humanitäre Krise mehr Hilfe seitens der internationalen Gemeinschaft.

Mit Beginn der Regensaison werden die Straßen des Landes innerhalb weniger Wochen unpassierbar sein. Die Zeit vor der nächsten Ernte, in der die Vorräte knapp werden, hat in diesem Jahr früher als gewöhnlich begonnen.  Die Nothilfe des WFP ist jedoch bis August nur zu 35 Prozent finanziert, was zur Folge hat, dass Nahrungsmittel nicht wie geplant vorbeugend in die Zentralafrikanische Republik gebracht werden konnten, bevor weite Teile des Landes durch den Regen von der Hilfe abgeschnitten sind.

Die schlechte Versorgungssituation trifft Kinder besonders stark, immer mehr leiden an akuter Mangelernährung – ihr Anteil lag bereits vor der Krise bei fast 40 Prozent. Die Zahl derer, die in Krankenhäusern versorgt werden müssen, hat sich verdrei- und vierfacht. WFP unterstützt deshalb Kleinkinder und stillende Mütter mit angereicherter Spezialnahrung.

Notrationen des WFP erreichen die Vertriebenen in der Zentralafrikanischen Republik. Trotz der unsicheren Straßen konnte WFP seit Beginn des Jahres jeden Monat 250.000 Menschen unterstützen. Copyright: WFP/ Alexis Masciarelli

Angesichts der unsicheren Lage auf der Straße von Kamerun nach Bangui war WFP gezwungen, mit einer Luftbrücke 1.800 Tonnen Reis nach Bangui zu transportieren. Nun bringen LKWs die Nahrungsmittel aus Kamerun ins Land, doch noch immer droht die Strecke von Konflikten oder Regenfällen unterbrochen zu werden. 

„Die Sicherheitslage macht uns große Sorgen. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Anstrengungen erhöhen, um die Regierung dabei zu unterstützen, die Gewalt zu beenden. Der Zugang für humanitäre Hilfe muss oberste Priorität haben.“, sagt Cousin.

Die Krise in der Zentralafrikanischen Republik hat enorme Auswirkungen auf die Nachbarländer. Mehr als 290.000 Menschen sind in die umliegenden Länder geflohen. WFP, andere humanitäre Organisationen und NGOs brauchen mehr Mittel, um auf diesen Flüchtlingsstrom zu reagieren.