WFP-Hilfe in den Nachbarländern Syriens


Mehr als 4,9 Millionen Menschen sind seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges in die Nachbarländern Libanon, Türkei, Jordanien, Irak und Ägypten geflohen –  auf der Suche nach Schutz und Sicherheit. Fast die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder. Nach sechs Konfliktjahren sind die Ersparnisse tausender syrischer Familien aufgebraucht. Sie benötigen dringend überlebenswichtige Unterstützung. 

Ernährungshilfe für syrische Flüchtlinge
 

  • 90 Prozent aller syrischen Flüchtlinge leben in den Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak, Ägypten und Türkei. Die Mehrheit der Geflüchteten lebt nicht in Flüchtlingscamps, sondern in lokalen Gemeinden – bei Verwandten und Bekannten, zur Miete oder in unbewohnten Notbehausungen.WFP unterstützt in Syriens Nachbarländern monatlich mehr als 1,6 Millionen Menschen fast vollständig über elektronische Nahrungsmittelgutscheine
  • Elektronische Gutscheine sind ein besonders sinnvolles Mittel, wenn Nahrungsmittel auf den Märkten vorhanden sind, die Menschen sich diese jedoch nicht leisten können. Im Vergleich zu Notrationen haben Gutscheine den Vorteil, dass Flüchtlinge selbst entscheiden können, was sie essen wollen.
  • Über die Gutscheinprogramme flossen bereits mehr als 2,1 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft der aufnehmenden Nachbarländer. Seit Februar 2016 arbeitet WFP in jordanischen Flüchtlingscamps  mit einem innovativen Bezahlungssystem: Flüchtlinge können dort ohne Gutscheinkarte bezahlen, indem ihre Iris per Scanner erfasst werden.
  • In den vergangenen beiden Jahren war WFP mehrfach gezwungen, den Wert der elektronischen Nahrungsmittelgutscheine aufgrund mangelnder finanzieller Mittel zu reduzieren. Im Sommer 2015 musste der Wert zum Teil sogar halbiert werden. Die Kürzungen hatten für viele Familien drastische Konsequenzen: Sie mussten ihre Kinder aus der Schule nehmen, damit sie arbeiten gehen können, ließen Mahlzeiten aus oder verschuldeten sich noch weiter. Dank einer beispiellosen Zuwendung der deutschen Bundesregierung vom Februar 2016 konnte WFP die Ernährungshilfe in den Nachbarländern ab März vollständig wiederherstellen und bis Ende 2016 gewährleisten. 
  • WFP unterstützt syrische Flüchtlingskinder mit Schulmahlzeiten, damit diese weiterhin die Schule besuchen können und nicht für ihre Mahlzeiten arbeiten gehen müssen. Alleine in Jordanienerreicht WFP so über 20.000 Schulkinder mit nahrhaften Schulmahlzeiten.
  • Im August 2016 konnte WFP 75.000 syrische Flüchtlinge, die an der geschlossenen syrisch-jordanischen Grenze ohne Hilfe gestrandet sind auf ungewöhnliche Weise erreichen: Ein 75-Meter hoher Kran hob Nahrungsmittel und andere dringend benötigte Hilfsgüter von Jordanien aus zu den Menschen auf die andere Seite des sogenannten "Berm"

Innovative Programme für Perspektiven und Beschäftigungsmöglichkeiten
 

  • In Jordanien unterstützt WFP gemeinsam mit UNDP sowohl Syrer als auch Einheimische in den Regionen, die besonders viele Flüchtlinge aufgenommen haben: Ausgebildete syrische Flüchtlinge geben im Rahmen von „Skill-Transfer“-Programmen ihre technischen Fertigkeiten an arbeitslose Jordanier weiter, damit sie im Anschluss leichter einen Beruf finden können. 
  • In der Bekaa-Region, in der die meisten Flüchtlinge im Libanon leben, unterstützt WFP in Zusammenarbeit mit der NGO Mercy Corps libanesische und syrische Kleinbauern, sich gegen Risiken wie z.B. Dürren zu schützen, die ihre Ernten zerstören.  
  • In Kooperation mit UN Women unterstützt WFP Frauen in den jordanischen Flüchtlingscamps Zaatari und Azrak durch Cash for Work-Programme. Sie nähen Kleidung oder kochen frische und nahrhafte Mahlzeiten für die Schulkinder im Camp. Ihren Lohn dafür investieren die Frauen zum größten Teil wieder in die Ernährung ihrer Familien. Sie kaufen frisches Gemüse, Obst und Fleisch. Die Frauen haben zusätzlich die Möglichkeit, an Sprachkursen teilzunehmen oder in Handarbeitsgruppen neue Fertigkeiten zu erlernen. Das Programm fördert die Eigenständigkeit der Frauen und ermöglicht ihnen Mitsprache und eine gleichberechtigte Stellung in den Camps.
  • Ein riesiger Fortschritt für syrische Flüchtlinge in der Türkei ist das sogenannte ESSN „Emergency Social Safety Net“, ein Programm zur sozialen Absicherung in Notfällen. Die enge Kooperation zwischen WFP, dem Türkischen Roten Halbmond, dem Türkischen Ministerium für Familie und Sozialpolitik und anderen Partnern wird von der Disasters and Emergency Management Presidency (AFAD) koordiniert und baut so auf bestehende nationale Sicherheitsnetze im Land auf. Diese starke Partnerschaft ermöglicht es, das syrische Flüchtlinge ab sofort das Nötigste mit nur einer einzigen elektronischen Karte bezahlen können – Nahrungsmittel, Kleidung, Unterkunft und Medikamente. Bis Ende 2017 soll dieses Hilfsprogramm 1 Million syrische Flüchtlinge erreichen. Die Karten werden durch die großzügige Unterstützung der Humanitären Hilfe der EU pro Monat mit 100 Türkischen Lira (ca. 28€) pro Familienmitglied aufgeladen.
  •  Im Libanon wird zurzeit das Programm für „Digitale Beschäftigungsmöglichkeiten“ ausgebaut. In der Pilotphase nahmen 100 syrische Flüchtlinge und bedürftige Libanesen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren Teil – 60 Prozent von ihnen waren Frauen. Als Reaktion auf den hohen internationalen Bedarf an Arbeitskräften mit Fähigkeiten in der Informationstechnik, werden die Teilnehmer vor allem in den Bereichen der arbeitsintensiven Datenverarbeitung ausgebildet. Das Programm war so erfolgreich, dass es nun in der ganzen Region umgesetzt werden soll.

Anfang Oktober traf Bundesentwicklungsminister Gerd Müller syrische Familien in einem Supermarkt im Libanon. Flüchtlinge können dort mit elektronischen Gutscheinen Reis und Speiseöl sowie frisches Obst und Gemüse kaufen.