Unterernährung – chronischer Hunger


Drohende Unterernährung Südsudan

Nur wenige von uns können sich vorstellen, was Hunger wirklich bedeutet. In der Regel bezeichnet der Begriff einen kurzfristigen Mangel an Essen. Wird der Hunger jedoch chronisch und wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, sein Körpergewicht zu halten und leichte Arbeit zu verrichten, spricht man von Unterernährung. Während Hunger auch in entwickelten Ländern vorkommt, findet man Unterernährung oft in Entwicklungsländern und bei Hungersnöten. Weltweit sind 795 Millionen Menschen von Unterernährung betroffen.
 

Essen unter dem EnergiebedarfUnterernährung trifft besonders schlimm die Kleinsten

Unterernährung tritt ein, wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum hinweg täglich nicht genügend Kalorien beziehungsweise Energie durch Nahrung aufnimmt, um den notwendigen Tagesbedarf zu decken und ein aktives Leben zu führen. Unterernährte Menschen haben nicht ausreichend Energie, um alltägliche Dinge zu verrichten, es fällt ihnen schwer zu lernen oder zu arbeiten. 

Das kann zwei Ursachen haben: 

  • es wird über Wochen oder sogar Monate zu wenig Nahrung gegessen, oder
  • der Körper nimmt die zugeführte Nahrung nur zu einem geringen Grad auf.

Der tatsächliche Kalorienbedarf eines jeden Menschen variiert je nach Alter, Geschlecht, Größe, körperlicher Aktivität und klimatischen Bedingungen. Im Durchschnitt liegt der Mindestbedarf für ein normales, gesundes Leben bei 2.100 Kilokalorien am Tag. Schwangere und stillende Mütter benötigen zusätzliche Energie. Nimmt eine Person langfristig weniger als 1.400 Kilokalorien zu sich, spricht man von extremer Unterernährung und chronischem Hunger.

Rund 795 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen - jeden Tag essen Millionen von Menschen nur das absolute Minimum an Nahrungsmitteln, um sich am Leben zu halten. Die Auswirkungen sind enorm.

 

 

Unterentwicklung durch Unterernährung    

Unterernährung bei Schwangeren hat schlimme FolgenUnterernährung geht oft mit Mangelernährung einher, die physischen und geistigen Folgen gehen weit über einen leeren Magen hinaus. Der Körper versucht, die fehlende Energie auszugleichen, indem er seine Leistungsfähigkeit reduziert. Fehlt es an Energie, wird körperliche Arbeit zur Qual, die geistige Leistungsfähigkeit sowie das Einkommen sinken. Auch das Immunsystem leidet, Unterernährung kann die Abwehrkräfte so sehr schwächen, dass sogar harmlose Krankheiten tödlich verlaufen. 

Bei Frauen kann Unterernährung eine Schwangerschaft gefährden und dazu führen, dass Kinder bereits im Mutterleib und noch nach der Geburt geschädigt sind. Oft werden Babys von unterernährten Frauen ebenfalls untergewichtig geboren.

Die ersten 1.000 Tage nach der Empfängnis sind entscheidend für die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes. Unterernährung während dieser Zeit verringert das Wachstum und macht die Kinder anfälliger für Krankheiten und Infektionen. Täglich sterben tausende Menschen an den Folgen von Unterernährung, mehr als die Hälfte von ihnen Kinder.

Hunger hat nicht nur Auswirkungen auf Individuen. Wo Hunger herrscht, sinken Produktivität und Wirtschaftskraft ganzer Länder. Für betroffene Länder wird es immer schwieriger, sich aus eigener Kraft vom Hunger zu befreien. 

 

Unterernährung bekämpfenSpezialnahrung gegen Unterernährung

Unter den Millenniumsentwicklungszielen, welche die UN für das 21 Jahrhundert festgelegt hat, rangiert die Bekämpfung des Hungers an erster Stelle. WFP bekämpft Hunger mit verschiedenen Mitteln. Auf Krisen, wie Naturkatastrophen oder Konflikte und in Flüchtlingssituationen reagiert WFP mit Nothilfe und hilft den unterernährten Menschen mit Notrationen. Diese enthalten wichtige Produkte wie Weizenmehl oder Reis; Linsen, Kichererbsen oder andere Hülsenfrüchte; Pflanzenöl (angereichert mit Vitamin A und D); Zucker und Jodsalz. 

Ein besonderes Augenmerk richtet WFP auf Mütter und Kinder, die besonders anfällig für Unterernährung sind. Bei Müttern und Kindern greift WFP oft auf Spezialnahrung zurück, wie z. B. eine mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Mais-Soja-Mischung, ein mikronährstoffhaltiges Pulver oder eine auf Erdnuss basierende Paste, die Speiseöl und Trockenmilch enthält.

Langfristige Programme wie „Food for Work“-Projekte oder Bargeld & Gutscheine unterstützen hungernde Menschen, damit sie sich regelmäßig und ausgewogen ernähren können und beugen Unterernährung vor. Und dank Schulspeisungen erhalten Kinder täglich eine Mahlzeit, denn ein Kind, dem der Magen nicht vor Hunger knurrt, kann sich besser auf den Unterricht konzentrieren.