Hungersnot


Hungersnot am Horn von Afrika
Abgemagerte Kinder mit großen Augen und runden Bäuchen oder eine aufgebrachte Menschenmenge, die verzweifelt ihr Recht auf Nahrungsmittel einfordert – diese erschreckenden Bilder hat vermutlich jeder von uns vor Augen, wenn wir das Wort Hungersnot hören. Doch wann genau wird eine Hungerkrise zur Katastrophe? Welche Wege gibt es, um eine Hungersnot zu verhindern und wie können im Ernstfall Menschenleben gerettet werden?

Derzeit leiden rund 795 Millionen Menschen auf der Erde unter Hunger. Das bedeutet, dass jeder neunte Mensch nicht genügend zu Essen hat, um ein gesundes und aktives Leben zu führen. An den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben jedes Jahr mehr Menschen als an HIV, Malaria und Tuberkulose zusammen. Der Kampf gegen den Hunger ist auch deshalb das zweite nachhaltige Entwicklungsziel (Sustainable Development Goal – SDG)..

Was sind die Ursachen für Hungersnöte?

Eine Hungersnot entsteht, wenn unterschiedliche Faktoren zusammentreffen. Dies können Dürre oder andere Wetterdesaster ebenso sein wie bewaffnete Konflikte, die ganze Bevölkerungen zur Flucht zwingen, lokale Märkte zerstören und Ernährungshilfe dort erschweren, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Bei vielen vergangenen Hungersnöten, wie in Somalia (2011) oder Südsudan (2008 und 2017) war es bereits vor den Konflikten schwierig für die Bevölkerung, sich selbst zu ernähren. Doch die Anzahl solcher menschengemachter Ernährungskrisen hat sich seit 1992 verdoppelt. Im Februar 2017 haben WFP, die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) eine Hungersnot für Teile des Südsudans ausgerufen.

Ab wann wird aus einer Krise eine Katastrophe?

Hungersnot in SomaliaDie Vereinten Nationen definieren die Ernährungssicherheit eines Landes oder einer Region – und damit eine Hungersnot – anhand verschiedener Indikatoren, die in der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) von Experten des UN World Food Programme (WFP), der FAO sowie Nichtregierungs- und Regierungsorganisationen festgelegt wurden. Diese internationale Klassifizierung umfasst 5 Stufen.

Auf Stufe 1 ist die Ernährung der Bevölkerung generell gesichert und weniger als drei Prozent der Menschen sind unterernährt. Stufe 2 definiert Gebiete mit moderater Ernährungssicherheit.

Unter Stufe 3 fallen Regionen, in denen sich die Menschen täglich um ihr Essen und ihre Lebensgrundlagen sorgen müssen und zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung akut unter- und mangelernährt sind. Momentan verorten die FAO und WFP etwa einige Regionen der Demokratischen Republik Kongo und Kenias auf dieser Stufe der Ernährungsunsicherheit. 

Stufe 4 beschreibt einen humanitären Notfall, das heißt mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sind akut unter- und mangelernährt und haben nur sehr eingeschränkten Zugang zu Nahrungsmitteln. Derzeit sind Hilfsorganisationen weltweit mit sechs sogenannten Hungerhotspots konfrontiert: in Syrien und den Nachbarländern, im Jemen, in Nigeria und Somalia, im Irak und im Südsudan.

Eine Hungersnot wird offiziell bei Stufe 5 ausgerufen. Eine solche humanitäre Katastrophe ist durch folgende Indikatoren definiert:

  • mindestens 30 Prozent der Bevölkerung sind akut unterernährt
  • pro Person stehen weniger als vier Liter Wasser am Tag zur Verfügung
  • die Menschen haben kaum Zugang zu Nahrungsmitteln und nehmen sehr viel weniger als die vom Körper benötigten 2.100 Kilokalorien am Tag zu sich
  • ein großer Teil der Bevölkerung hat die gesamte Lebensgrundlage verloren und sieht keine Möglichkeit, ein Einkommen zu erwirtschaften
  • mindestens zwei von 10.000 Menschen sterben täglich an Nahrungsmittelmangel
Unterernährung und Hungersnot

 

Im Februar musste nach diesen Kriterien in zwei Teilen des Südsudans eine Hungersnot ausgerufen werden, die nur durch einen massiven Ausbau humanitärer Hilfe zurückgedrängt werden konnte - die Bezirke Leer und Mayandit sind nicht länger betroffen. Dennoch bleibt die Situation im jüngsten Staat der Welt dramatisch, denn die Zahl der Hungernden steigt weiter: 6 Millionen Menschen können sich nicht ausreichend ernähren. 

Wie kann die internationale Gemeinschaft Hungersnöte verhindern oder beenden?

Infografik

Erfahren Sie in unserer Infografik, wie WFP in Notsituationen reagiert. 

Die Weltgemeinschaft hat aus vergangenen Hungersnöten gelernt und ein System der Not- und Katastrophenhilfe aufgebaut. Es ist möglich, mit einer Vielzahl an Instrumenten schlechte Ernten aber auch Nahrungsmittelmangel aufgrund von Kriegen oder Konflikten vorherzusagen. WFP hat eines der umfassendsten Frühwarnsysteme, bei dem Daten zu Klimaveränderungen und menschlich verursachten Krisen gesammelt und analysiert werden.

Mehr zu Vorbereitung des WFP auf Krisenfälle erfahren Sie auf der englischsprachigen Webseite. 

In der Hungerkrise am Horn von Afrika 2011, schlug das Frühwarnsystem wegen mangelnden Regens und hohen Hungerraten Alarm. Dank dieser Warnung konnten sich die Regierungen in Äthiopien und Kenia vorbereiten und Hungersnöte in den betroffenen Regionen vermeiden.

WFP kann Hungersnöte vermeiden, indem die Organisation Mangel- und Unterernährung langfristig bekämpft und verhindert. WFP ist die weltweit größte humanitäre Organisation und reagiert in Katastrophenfällen mit Nothilfe, unterstützt aber auch mit Entwicklungsprogrammen, damit die Bevölkerung ihre Ernährung langfristig selbst sichern und Hunger vermeiden kann.

Wo gab es in der nahen Vergangenheit Hungersnöte?

Die zuletzt von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen Hungersnöte waren:

  • 2017 für Teile des Südsudans infolge des Konflikts und der zusammengebrochenen Wirtschaft
  • Im Süden Somalias 2011 aufgrund von Dürre und bewaffnetem Konflikt
  • mehrere Gegenden im Südsudan, aufgrund von Dürre und bewaffnetem Konflikt (2008)
  • Gode in der Somali Region von Äthiopien (2000) 
  • Demokratische Volksrepublik Korea aufgrund von Ernteausfällen und politischen Spannungen (1996) 
  • Somalia aufgrund von Dürre und Krieg (1991-1992)
  • Äthiopien und Eritrea aufgrund von Ernteausfällen und politischen Konflikten (1984-1985)

Spenden Sie für die Nothilfe des WFP und helfen Sie, im Katastrophenfall Leben zu retten: de.wfp.org/nothilfe