Mangelernährung in Kambodscha: Ein verstecktes Problem, das jährlich bis zu 400 Millionen US-Dollar kostet

Veröffentlicht am 21 Juli 2014

Das Schulspeisungsprogramm von WFP sorgt dafür, dass mehr als 500.000 Schulkinder täglich eine gesunde Mahlzeit zu sich nehmen und verhindert, dass Kinder für ihr Essen arbeiten müssen. Copyright: WFP/ Salvador Bustamente

Momentan gibt es fünf Millionen mangelernährte Kambodschaner. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Mangelernährung jährlich bis zu 400 Millionen US-Dollar oder 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kostet. 

Was ist Mangelernährung und warum ist es so wichtig sie vorzubeugen?
 

Wenn ein Mensch nicht ausreichend oder nicht die richtige Nahrung zu sich nimmt und keine angemessene Gesundheitsversorgung hat, ist es bis zur Mangelernährung nicht mehr weit. Sie kann viele Formen annehmen, je nachdem, welche Nährstoffe in der Ernährung wie lange und in welchem Alter fehlen.

In Kambodscha ist die größte Herausforderung stunting, eine Wachstumshemmung oder chronische Mangelernährung, die dadurch verursacht wird, dass Kleinkinder zu wenige lebenswichtige Nährstoffe zu sich nehmen. In den ersten 1.000 Tagen eines Kindes wachsen die wichtigsten Bausteine für das Erwachsenenleben. Das Gehirn entwickelt sich zu 80 Prozent in den ersten zwei Lebensjahren. Ohne die richtige Nahrung kann sich ein Kind geistig und körperlich nicht vollständig entwickeln, und die Risiken für Krankheiten und Sterblichkeit sind höher. Diese Effekte sind nicht nur dauerhaft für das Kind, sondern übertragen sich auch auf die nächste Generation. 

Schulmädchen in KambodschaWas ist der Einfluss von Mangelernährung in Kambodscha?
 

Mangelernährung ist in Kambodscha für etwa ein Drittel der Todesfälle von Kindern verantwortlich. In dem Land sind laut der letzten Untersuchung von 2010 40 Prozent der Kinder mangelernährt. Es ist der einzige gesundheitliche Faktor, der sich in den letzten Jahren nicht verbessert hat und das Land schneidet damit im Vergleich zu Ländern mit einem ähnlichen Einkommen sehr schlecht ab. Mangelernährung verringert die Lernfähigkeit, senkt die Produktivität und die Einkünfte. 

Die Auswirkungen von Mangelernährung führen in Kambodscha zu enormen finanziellen Verlusten von jährlich 250 bis 400 Millionen US-Dollar. Wenn diese Zahlen betrachtet werden, wird deutlich, dass ein Kampf gegen Mangelernährung eine Investition in die Menschen des Landes ist –  besonders für diejenigen, die in Armut leben. Vor allem Schwangere, stillende Mütter und Kleinkinder müssen die richtige Art und Menge der Nahrung bekommen, um sich gesund zu ernähren. 

Warum ist Mangelernährung in Kambodscha so weit verbreitet?
 

Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass die lokale, günstige Ernährungsweise nicht ausreichend Mikronährstoffe wie Eisen, Kalzium und Zink enthält. Dies trifft besonders auf die ärmsten Teile der Bevölkerung in ländlichen Gegenden zu, wo auch der Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen und Gesundheitsversorgung fehlt. 

Leider mangelt es auch an dem richtigen Wissen zu gesunder Ernährung. Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe für ein Baby und ist die beste Nahrungsquelle. Viele Kambodschanerinnen stillen ihre Kinder nur in den ersten sechs Monaten. Kleinkinder, die älter als sechs Monate sind, bekommen kaum die richtige Nahrungsergänzung, da viele Eltern nicht wissen, was ihre Kinder brauchen oder es sich nicht leisten können. Der versteckte Hunger bleibt ein Problem in allen Gesellschaftsschichten Kambodschas. 

Mütter und Kinder stehen im Fokus

Wie bekämpft WFP Mangelernährung?

WFP Kambodscha arbeitet im Kampf gegen Mangelernährung besonders mit Frauen zusammen und betont dabei, wie wichtig es ist, dass sie ihre Kinder möglichst lange stillen, und erklärt, welche Zusatznahrung ihre kleinen Kinder benötigen. Wir arbeiten mit Partnern zusammen, um über eine gesunde ausgewogene Ernährung zu informieren und diese Studie verdeutlicht der Regierung, wie wichtig es ist, mehr gegen die weit verbreitete Mangelernährung zu tun.
 

Außerdem arbeitet WFP gerade an der ersten lokal in Kambodscha produzierten Zusatznahrung für Kleinkinder. Die Paste befindet sich in der Testphase und kann danach an die ärmsten Familien ausgegeben werden. Auf lange Sicht möchten wir mit privaten Partnern zusammen arbeiten, um landesweit ein nachhaltiges Verteilungssystem zu realisieren. 

Hier können Sie die gesamte Studie (auf Englisch) herunterladen.