Ein Jahr nach der Krise in Westafrika: „Humanitäre Katastrophe verhindert“

Veröffentlicht am 20 Februar 2013

Diese Frauen können wieder lachen. Eine humanitäre Katastrophe in der Sahelzone konnte dank der schnellen Reaktion der Internationalen Gemeinschaft verhindert werden. Copyright: WFP/Rein Skullerud

ROM - Ein Jahr, nachdem die internationale Gemeinschaft mit einer großen, humanitären Hilfsaktion auf die Ernährungskrise in Westafrika reagiert hat, haben sich am 20. Februar hochrangige Vertreter der humanitären Organisationen, der Regierungen der betroffenen Länder und die wichtigsten Geldgeber getroffen, um rückblickend auf die Wirksamkeit ihrer Hilfe zu schauen.

Sie bilanzierten, dass die umfassende Hilfsaktion – für die 1,2 Milliarden US $ zur Verfügung gestellt wurden, wodurch rund zehn Millionen bedürftige Menschen in acht Ländern unterstützt werden konnten – eine humanitäre Katastrophe verhindert hat.

Allerdings sind noch immer Millionen von Menschen in der Region von der Dürre betroffen. Darunter befinden sich knapp 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die von schwerer Mangelernährung bedroht sind.

Das Risiko zukünftiger Krisen bleibt hoch

„In diesem Jahr werden etwa neun Millionen Menschen in der Sahelzone Ernährungshilfe von WFP benötigen, in Form von Notrationen sowie in Programmen zur ländlichen Entwicklung und Bildung", sagte WFP-Exekutivdirektorin Ertharin Cousin, Gastgeberin der hochrangigen Veranstaltung. „Ernährungssicherheit und Widerstandsfähigkeit gegen Krisen zu fördern steht im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Arbeit, um den Teufelskreis der wiederkehrenden Dürren zu durchbrechen und den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen."

Trotz positiver Ernteaussichten ist das Risiko von zukünftigen Krisen in der Region hoch. Die Gründe dafür sind zunehmende Armut und Unterernährung, extreme Wetterumschwünge, zu geringe Investitionen in die Landwirtschaft, hohe Nahrungsmittelpreise und große Preisschwankungen. Der Konflikt in Mali hat zudem eine Flüchtlingswelle in der Region verursacht,die die Bevölkerungen belastet, die sich immer noch von der Dürre erholen.

Vorsorge statt Nothilfe

“Auch wenn die internationale Hilfsaktion im vergangenen Jahr sehr effizient war, müssen wir unseren Fokus langfristig darauf legen, die Fähigkeiten der betroffenen Gemeinden und Länder zu stärken, sich gegen solche Krisen zu wappnen“ sagte Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für internationale Kooperation und humanitäre Hilfe. Sie unterstrich vier Schlüsselelemente, um Krisen zu bewältigen: frühzeitige Maßnahmen durch die lokalen Regierungen, Hilfsorganisationen und Geberstaaten; eine umfassende, multisektorale Reaktion; ein Fokus auf die Hilfsbedürftigsten; die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Betroffenen.

„Der Schwerpunkt der Strategie der Vereinten Nationen für die Sahelzone ist, den Menschen zu helfen, die Ursachen des Hungers zu bekämpfen, und sich dabei auf die gefährdetsten Gruppen zu konzentrieren“, sagte Romano Prodi, UN-Sonderbeauftragter für die Sahelzone. „Meine Rolle ist es, die schlauesten Köpfe und alle verfügbaren Ressourcen auf die langfristigen Entwicklungsaspekte in der Region auszurichten“.

Dokumentarfilm "The Human Chain"

Der Dokumentarfilm „The Human Chain", produziert von WFP und ECHO, wurde bei dem Sahel-Gipfel in Rom erstmals vorgestellt. Der Film, der die humanitäre Antwort auf die Sahelkrise dokumentiert, zeigt die verschiedenen innovativen Formen der Unterstützung. Zu diesen gehörten unter anderem Bargeld und Gutscheine, aber auch Spezialnahrungsprogramme sowie die Förderung von Kleinbauern, um sie gegen die schwierigen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Sahelzone zu wappnen.