Syrien: Ernährungslage verschlechtert sich

Veröffentlicht am 04 Dezember 2012

Während in Syrien die Kämpfe andauern, steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln für tausende Flüchtlingsfamilien. Das UN World Food Programme (WFP) ist in Syrien und den Nachbarländern tätig, um diese Menschen vor Ort mit Ernährungshilfe zu unterstützen. Foto: WFP/Abeer Etefa 

Das UN World Food Programme (WFP) warnt vor zunehmendem Hunger in Syrien aufgrund eines Mangels an Grundnahrungsmitteln wie Brot und steigenden Nahrungsmittelpreisen in vielen Regionen sowie in den Nachbarstaaten, die syrische Flüchtlinge aufnehmen. Gleichzeitig erschwert die eskalierende Gewalt die Arbeit der humanitären Helfer in den am härtesten betroffenen Regionen.

 • Angesichts des verschärften Konflikts, der sich derzeit auf weitere Gebiete ausweitet, verschlechtert sich die Ernährungssicherheit für viele Syrer zusehends. Ein Mangel an Brot führt zu langen Schlangen vor Bäckereien. Auch fehlt es den Bäckereien an Treibstoffen. Die Nachfrage steigt aufgrund einer vermehrten Anzahl an Binnenvertriebenen.
 

Die meisten der Grundnahrungsmittel sind weiterhin auf den Märkten vorhanden, allerdings zu sehr hohen Preisen. In den umkämpften Gebieten sind Nahrungsmittelengpässe erkennbar, während sich die Preise fast verdoppelten. In diesen Regionen ist auch der Zugang zu den Märkten oftmals eingeschränkt. 
 
In Aleppo ist der Großteil der Bevölkerung momentan auf private Bäcker angewiesen, deren Preis liegt jedoch 40 bis 50 Prozent über dem Preis in anderen Regierungsbezirken. 
 
Die regulären Kontrollen durch die WFP-Mitarbeiter in verschiedenen Teilen des Landes haben außerdem aufgezeigt, dass Familien, die in öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Schulen Zuflucht suchen, besonders wenig Nahrung zu sich nehmen, da oftmals Kochmöglichkeiten fehlen. Binnenvertriebene in Mietshäusern, die Hilfe von WFP erhalten, berichten von ausreichenden Nahrungsmitteln. Ihnen gehen jedoch die Ersparnisse aus, da sie ihre Arbeitsmöglichkeiten verloren haben.
 
WFP fokussiert die Hilfe momentan auf Binnenvertriebene Syrer, die aus den Gebieten fliehen mussten, die am schwersten von den Kämpfen der vergangenen Monate betroffen waren – viele von ihnen sind bereits zum zweiten Mal auf der Flucht. Mehr als 85 Prozent der 1,5 Millionen Menschen, denen WFP hilft, sind Binnenvertriebene. Die Mehrheit von ihnen sucht Zuflucht in öffentlichen Gebäuden wie beispielsweise Schulen und Universitäten. In den Regierungsbezirken von Rural Damaskus, Aleppo und Al-Raqqa befinden sich die meisten dieser Familien.
 
Die monatliche Notration von WFP beinhaltet 50 kg verschiedener Nahrungsmittel, wie Reis, Hirse, Speiseöl, Zucker, getrocknete und konservierte Hülsenfrüchte, Nudeln und Salz. Aufgrund von mangelnder Finanzierung musste WFP kürzlich die Menge der Notrationen reduzieren.
 
Viele Syrer fliehen weiterhin in die angrenzenden Länder. Im Libanon, der Türkei und im Irak sind bereits 465.000 Syrer als Flüchtlinge registriert oder warten auf die Registrierung durch den UNHCR. Gemeinsame Bedarfsanalysen haben gezeigt, dass Nahrungsmittel hier besonders benötigt werden. WFP musste  im Oktober fast 160.000 syrische Flüchtlinge mit Ernährungshilfe unterstützen. 
 
Die Krise in Syrien hat auch negative Auswirkungen auf die Nachbarländer, die auf Nahrungsmittelimporte aus Syrien und grenzüberschreitenden Handel angewiesen sind. Die Nahrungsmittelpreise in Jordanien beispielsweise sind aufgrund der verringerten Importe und der steigenden Nachfrage durch zusätzliche syrische Flüchtlinge um fast 50 Prozent gestiegen. 
 
WFP ergreift alle notwendigen Maßnahmen, um weiterhin Hilfe leisten zu können und mithilfe von gepanzerten Wagen die Sicherheit und Kontrolle der Operationen aufrechtzuerhalten. 
 
Der Zugang über Straßen von und nach Damaskus ist gefährlicher geworden und erschwert den Nahrungsmitteltransport von WFP-Lagerhäusern in die anderen Landesteile – besonders in den Norden. Während der letzten Wochen haben Angriffe auf WFP-Lastwagen zugenommen haben. 
 
Im Einklang mit einer UN-Entscheidung, die Zahl der internationalen Mitarbeiter in Syrien zu reduzieren und als Resultat der zunehmenden Gewalt, wird WFP sieben Mitarbeiter nach Amman versetzen. 20 internationale und 100 nationale WFP-Mitarbeiter bleiben weiterhin im Land, um die Hilfsoperation für 1,5 Millionen gefährdete Syrer fortzusetzen. 

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Sie können die Nothilfe des WFP hier unterstützen.