UN-Report: Konflikte und Klimawandel lassen Zahl der Hungernden weltweit ansteigen

Veröffentlicht am 15 September 2017

Vom Konfikt geplagt: Eine Mutter mit ihrem unterernährten Kind in Somalia. Foto: WFP/Karel Prinsl

Nach mehr als zehn Jahren steigt die Zahl der weltweit Hungernden erstmals wieder an. Das berichtet der heute erscheinende UN-Report ‚The State of Food Security and Nutrition in the World 2017‘. Somit waren letztes Jahr 815 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Das sind elf Prozent der weltweiten Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig wirken sich zahlreiche Formen von Mangelernährung auf den Gesundheitszustand von Millionen Kindern weltweit aus.

ROM – Die starke Zunahme von 38 Millionen Hungernden binnen eines Jahres ist primär in der anhaltenden Gewalt in vielen Konfliktregionen begründet. Auch der Klimawandel hat Anteil. „Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl weltweiter komplexer und schwer lösbarer Konflikte dramatisch angestiegen“, sind sich die UN-Organisationen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), des UN World Food Programmes (WFP), des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), des Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einig. Daneben stellen sie fest, dass ein Großteil der Hungernden in Krisenregionen zu finden ist, wo viele sich nicht selbst versorgen können und Kinder an Mangelernährung leiden.

Rund 155 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind durch Mangelernährung zu klein für ihr Alter, 52 Millionen sind zu schwach, das heißt, das Gewicht und die Körpergröße der Kinder stehen in einem starken Missverhältnis zu einander, so die Studie. Auf der anderen Seite sind rund 41 Millionen Kinder weltweit übergewichtig. Blutarmut unter Frauen und Fettleibigkeit von Erwachsenen geben des weiteren Anlass zur Sorge. Damit sind auch Veränderungen im Ernährungsverhalten ganzer Generationen und globale Konjunktureinbrüche für die Entwicklungen mitverantwortlich.

Der UN-Report ist die erste Untersuchung der Ernährungssituation weltweit und mit Blick auf die Agenda der Nachhaltigen Entwicklungsziele 2030. Mit dieser Vereinbarung hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, Hunger und alle Formen von Mangelernährung bis Ende 2030 zu beenden. 
Besonders bedroht von Hunger sind derzeit Südsudan, Somalia, Jemen und der Nordosten von Nigeria. Aber auch in friedlicheren Regionen haben Dürren und Überschwemmungen, zum Teil in Zusammenhang mit dem Wetterphänomen El Niño sowie globale Konjunktureinbrüche Effekte auf die steigende Zahl von Hungernden weltweit.

Hunger und Ernährungssituation

- Gesamtzahl der Hungernden steigt auf 815 Millionen weltweit an, davon 520 Millionen in Asien (11,7% der Gesamtbevölkerung), 243 Millionen in Afrika (20%, östliches Afrika 33,9%), 42 Millionen in Lateinamerika und Karibik (6,6%).

Verschiedene Formen der Mangelernährung

- Von insgesamt 155 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die verschiedene Formen der Mangelernährung aufweisen, leben 122 Millionen in Konfliktgebieten.

- 52 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind körperlich zu schwach, das heißt ihr Gewicht und ihre Größe stehen in einem starken Missverhältnis zueinander.

- 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind übergewichtig.

- 613 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter weisen Blutarmut auf.

Auswirkungen von Kriegen und Konflikten

- Von 815 Millionen Hungernden leben 489 Millionen in Konfliktgebieten. 

Die Studie im Original

The State of Food Security and Nutrition in the World 2017

Weitere Informationen

- WFP-Pressesprecher: Rouven Brunnert