Vier Millionen Syrer können weder ausreichend Nahrung produzieren noch erwerben

Veröffentlicht am 08 Juli 2013

4 Mio. Menschen in Syrien und weitere 2,7 Mio. Flüchtlinge in den umliegenden Ländern benötigen dringend Ernährungshilfe

© WFP/ Abeer Etefa

Die Ernährungslage in Syrien hat sich drastisch verschlechtert und die einheimische Agrarproduktion wird innerhalb der nächsten zwölf Monate weiter zurückgehen, sollte der Konflikt im Land weiter andauern. So lautet das Fazit eines neuen Berichts, den das UN World Food Programme (WFP) und die Food and Agriculture Organisation (FAO) heute veröffentlicht haben.

5. Juli 2013 (Rom). „Land- und Viehwirtschaft, die Verfügbarkeit und der Zugang zu Nahrung haben sich im Verlauf der letzten 12 Monate mehr und mehr verschlechtert“, urteilt der FAO/WFP- Bericht, welcher auf Grundlage einer Mission zur Einschätzung der Landwirtschafts- und Ernährungssicherheit in Syrien herausgegeben wurde.
Wenn der Syrien-Konflikt anhalten sollte, werden sich die Aussichten für die Ernährungssituation in 2014 noch verschlechtern, erklärt der Bericht. „Angesichts der zahlreichen negativen Faktoren, die Land- und Viehwirtschaft bedrohen, wird die inländische Produktion während der nächsten zwölf Monate ernsthaft gefährdet sein, wenn die Krise ungelöst bleibt.“

Wenig Spielraum
„Das Zeitfenster ist nur noch sehr klein, in dem wir sicherstellen können, dass die von der Krise betroffenen Familien nicht ihre lebensnotwendigen Nahrungs- und Einkommensquellen verlieren“, erklären die zwei Organisationen.
Die Mission von FAO und WFP hat einen Importbedarf von annähernd 1,5 Millionen Tonnen Weizen in der aktuellen Saison 2013/2014 ermittelt. Die momentane Weizenproduktion beläuft sich auf 2,4 Millionen Tonnen, das sind 40 Prozent weniger als die jährliche Durchschnittsernte des Landes von 4 Millionen Tonnen vor der Krise.
Der Nutztiersektor „wurde vom anhaltenden Konflikt erheblich vermindert”, so der Bericht. Die Geflügelproduktion sank im Vergleich zu 2011 um geschätzte 50 Prozent. Die Zahl der Schafe und Rinder hat ebenfalls stark abgenommen.

Hohe Kosten

Die Ursachen der Ernährungsunsicherheit sind die große Zahl der Menschen auf der Flucht, die gestörte landwirtschaftliche Produktion, die hohe Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Sanktionen, die Abwertung der Währung sowie hohe Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise. Der durchschnittliche Monatspreis für Weizenmehl hat sich zwischen Mai 2011 und Mai 2013 mancherorts verdoppelt. Wegen erheblichem Brotmangel im ganzen Land hat WFP begonnen, Weizenmehl auszugeben.
Die Nahrungsmittelproduktion wird durch die hohen Kosten und deutlich weniger verfügbare Zutaten, zerstörte landwirtschaftliche Maschinen und Lagerräume, die ständig drohende Gewalt und die Flucht der Bauern behindert. Ein Teil der verbliebenen Ernte kann nicht eingefahren werden, warnt der Bericht.
Bewässerungskanäle und Baumwollspinnereien sowie andere Infrastruktur erlitten Schäden. Mühlen und Bäckereien sind außer Betrieb oder produzieren sehr kleine Mengen. Zusätzlich führen Sanktionen zu einem großen Mangel an landwirtschaftlichen Produkten, Pflanzenschutzmitteln, Dieselkraftstoff und Reserveteilen.

In den vergangenen 18 Monaten fand ein rasanter Exodus aus Syrien statt, darunter befinden sich 1,6 Millionen bereits registrierte Flüchtlinge und weitere Menschen, die auf ihre Registrierung warten.

2,5 Millionen Menschen in Syrien erreicht Ernährungshilfe

In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Syrien war WFP im Juni in der Lage 2,5 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe zu erreichen. WFP plant, diese Zahl im Juli auf drei Millionen Menschen zu erhöhen und durch Ausweitung der Kapazitäten vor allem im Bereich Logistik bis Oktober vier Millionen Menschen erreichen zu können.
Zusätzlich stellt WFP Ernährungshilfe für fast eine Million Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens bereit.
Die FAO hat einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit gerichtet, dass noch 41,7 Millionen USD benötigt werden um 768.000 Menschen zu unterstützen. Bis jetzt hat sie nur 3,3 Millionen USD, weniger als 10 Prozent der benötigten Summe erhalten.
Diese Mittel werden dringend für Pflanzensamen, Dünger und Veterinärbedarf benötigt, so wie für Cash-for-Work Programme. Die Unterstützung der kommenden Pflanzzeit ist entscheidend. Die Mittel müssen bis August bereit gestellt sein um Bäuerinnen und Bauern mit Dünger und Samen zu versorgen, die im Oktober gepflanzt werden sollen. Ohne die Unterstützung werden viele Bauern bis Mitte 2015 nicht mehr in der Lage sein Weizen zu ernten.
WFP benötigt mehr als 27 Millionen USD wöchentlich, um die Ernährung der Menschen in Syrien sicherzustellen und die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten zu ernähren. Laut aktuellen Schätzungen benötigt WFP allein für die Operationen innerhalb Syriens bis Ende 2013 noch 490 Millionen USD. Bereits für die aktuellen Hilfsprogramme von Juli bis September sind für die Operation in Syrien nur 48 Prozent der benötigten Mittel vorhanden.