WFP fordert starke Reaktion nach Aufdeckung des Missbrauchs von Nahrungsmittelhilfe für hungernde Menschen im Jemen

Veröffentlicht am 31 Dezember 2018

Monatliche Nahrungsmittelverteilung von WFP im Distrikt Al Misrakh, Jemen

Foto: WFP/Ahmed Basha

ROM – Das UN World Food Programme (WFP) fordert ein sofortiges Ende der missbräuchlichen Verwendung der humanitären Nahrungsmittelhilfe im Jemen, nachdem WFP Beweise dafür in der Hauptstadt Sana'a und anderen Teilen des Landes aufgedeckt hat, die von der Ansarullah Bewegung (Houthi) kontrolliert werden.

Eine WFP-Überprüfung unter registrierten Empfängern der Ernährungshilfe hat ergeben, dass viele in der Hauptstadt nicht die Notrationen erhalten haben, die ihnen zustehen. In anderen Gebieten wurde Hungernden die volle Notration verweigert. Millionen von Menschen im Jemen sind zum Überleben auf Ernährungshilfe angewiesen, nachdem das Land durch einen bitteren Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Houthi-Rebellen zerstört wurde.

Die Zweckentfremdung der Nahrungsmittelhilfe wurde während einer WFP-Überprüfung in den letzten Monaten deutlich. Der Anlass waren vermehrte Berichte über den Verkauf humanitärer Nahrungsmittel auf dem freien Markt in der Hauptstadt. Bei den Kontrollen wurde der Betrug durch mindestens eine lokale Partnerorganisation aufgedeckt. Diese war von WFP mit der Abwicklung und Verteilung der Nahrungsmittelhilfe beauftragt worden. Die lokale Organisation ist defacto dem Bildungsministerium in der von der Houthi-kontrollierten Hauptstadt Sana'a angeschlossen.

"Dieses Verhalten ist nichts anderes als der Diebstahl von Essen aus hungrigen Mündern", sagt WFP-Exekutivdirektor David Beasley. "In einer Zeit, in der Kinder im Jemen sterben, weil sie nicht genug zu essen haben, ist das eine Schande. Dieses kriminelle Verhalten muss sofort eingestellt werden."

Während ihrer Kontrollen sammelten die WFP-Prüfer fotografische und andere Beweise dafür, dass Lastwagen illegal Nahrungsmittel aus den ausgewiesenen Verteilzentren abtransportierten. Sie stellten auch fest, dass die Auswahl der Bedürftigen von lokalen Funktionären manipuliert wurde und dass Aufzeichnungen über die Verteilung von Nahrungsmitteln gefälscht wurden. Einige Menschen erhalten Nahrungsmittelhilfe obwohl sie keinen Anspruch darauf haben und einige Nahrungsmittel werden mit Gewinnabsicht auf den Märkten der Hauptstadt verkauft.

WFP erweitert derzeit seine Ernährungshilfe auf bis zu 12 Millionen Menschen im Jemen, die stark Hunger leiden. Ohne Hilfe wären bis zu 20 Millionen Menschen im Jemen von einer Hungerkrise betroffen. Das Land wurde in den letzten Jahren durch einen erbitterten Bürgerkrieg zerrissen. Dank der WFP-Ernährungshilfe konnte eine Hungersnot im Jemen abgewendet werden. Doch da sich die Ernährungssituation der Menschen in Not weiter verschlechtert, wird die Hilfe drastisch aufgestockt.

"Ich ersuche die Houthi-Behörden in Sana'a, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um den Missbrauch der Nahrungsmittelhilfe zu beenden und sicherzustellen, dass sie die Menschen erreicht, die sie zum Überleben benötigen", sagt Beasley. "Wenn dies nicht geschieht, werden wir keine andere Wahl haben, als die Arbeit mit denjenigen einzustellen, die unzähligen Bedürftigen die Nahrung entziehen, auf die sie angewiesen sind. Indessen setzen wir unsere Untersuchungen fort und beheben die Mängel, die zu diesem Missbrauch der Hilfe geführt haben."

In Gebieten, die anfällig für Missbrauch sind, drängt WFP auf eine Überarbeitung des Hilfssystems. Dazu gehören unter anderem Bemühungen für eine bessere Überwachung, eine Reform des Auswahlverfahrens der Begünstigten, damit die Nahrungsmittel zu den Bedürftigsten gelangen, und die landesweite Einführung der biometrischen Registrierung aller Begünstigten. Diesen Veränderungen haben sich die defacto Behörden in den Houthi-kontrollierten Gebieten wiederholt widersetzt.

In letzter Zeit fanden Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien statt, die bald wieder aufgenommen werden sollen. Es besteht die echte Hoffnung, dass das neue Jahr zu einem dauerhaften Frieden im Jemen führen wird, mehr Nahrungsmittel über den Hafen einlaufen können und humanitären Organisationen besserer Zugang zu Gebieten erhalten, die aufgrund von Kämpfen und bürokratischen Hindernissen schwer erreichbar waren. In der Zwischenzeit ist es wichtig, dass die humanitäre Ernährungshilfe diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.

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Das UN World Food Programme (WFP) rettet Leben in Notfällen und hilft Millionen Menschen durch nachhaltige Entwicklung. WFP arbeitet in über 80 Ländern weltweit, ernährt Menschen, die von Konflikten und Katastrophen betroffen sind, und schafft Grundlagen für eine bessere Zukunft.

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Bettina Luescher | WFP-Chefsprecherin Berlin | +4916099261730 | bettina.luescher@wfp.org