WFP warnt vor humanitärer Krise in Demokratischer Republik Kongo

Veröffentlicht am 31 Oktober 2017

WFP-Exekutivdirektor David Beasley bei einer Nahrungsmittelverteilung in der Nähe von Kinshasa/Kongo.

Kinshasa – Bei seinem viertägigen Besuch in der Demoratischen Republik Kongo (DRC) warnt WFP-Exekutivdirektor David Beasley vor einer bevorstehenden humanitären Krise im Land. Etwa 3,2 Millionen Menschen in der Region leiden an Hunger und brauchen Hilfe.

Besonders schlimm ist die Lage in der Provinz Kasai. Viele wissen nicht, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen. „Bis zu 250.000 Kinder könnten in den kommenden Monaten zu Tode kommen, wenn sie nicht schnellstmöglich mit nahrhaftem Essen versorgt werden“, befürchtet Beasley. „Wir brauchen Zugang zu diesen Kindern. Und wir brauchen Geld – dringend.“ In der Provinz Kasai sind bereits seit Jahren zahlreiche Menschen mangelernährt. Durch ethnische Konflikte hat sich die Ernährungslage seit letztem Jahr rapide verschlechtert als Gewalt ausbrach und viele Menschen starben. Innerhalb der Auseinandersetzung wurden Dörfer, Krankenhäuser, Schulen und Ernten zerstört, so dass nun 40 Prozent der 7,7, Millionen Kongolesen in der Region an den Folgen leiden und nicht genug zu essen haben.

WFP hat sein Nothilfe-Programm bereits auf den Weg gebracht und will bis Ende Dezember 500.000 Menschen versorgen, die besonders betroffen sind. Weitere sollen mit Beginn des neuen Jahres folgen. Einige dutzend WFP-Mitarbeiter stehen bereit, ebenso 80 Off-Road-Trucks, um die Nahrungsmittel in die entlegenen Gebiete zu schaffen. Mit Unterstützung des humanitären Flugdienstes der Vereinten Nationen (UNHAS) werden Hilfsgüter und Mitarbeiter in die sieben Standorte eingeflogen. Auch hier sollen die Einsätze ausgeweitet werden.

Die Nothilfe-Versorgung durch WFP hat bereits im August begonnen. Von den dringend benötigten 135 Millionen US-Dollar bis Mitte 2018 ist erst ein Prozent von der Internationalen Staatengemeinschaft bestätigt worden.

Zwar hat die Gewalt in der Region stark nachgelassen, Plünderungen und Erpressungen sind jedoch allgegenwärtig. Kasai ist von der Fläche etwa so groß wie Deutschland. Die Zufahrtswege sind wegen der Regensaison unpassierbar. Bewaffnete Gruppen stellen die Helfer vor besondere Herausforderungen.

Auch die Nothilfe in der Provinz Nord Kivu ist mangels fehlendem Zugang und finanziellen Mittel eingeschränkt. Von einer Million Menschen, die der Konflikt vor 20 Jahren vertrieben hat, erhalten lediglich 250.000 Menschen Notrationen – allerdings um die Hälfte reduziert. Ein Großteil der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo versorgt sich in der Regel selbst. Deshalb ist gerade der Konkurrenzkampf um Grund und Boden ein Grund für Gewalt. Viele vertriebene Familien, die wieder nach Nord Kivu und Kasai zurückgekehrt sind, berichteten, dass ihre Angst zu groß sei, wieder ihre Felder zu bestellen. 

"Viel zu viele Frauen und Kinder kennen nur noch den verzweifelten Kampf ums Überleben", sagte Beasley. "So etwas in einem ressourcenreichen Land sehen zu müssen, bricht mir das Herz. Und es ist inakzeptabel." Beasley zeigte dennoch Verständnis für die Bedenken von Geberländern, die in nächster Zeit wenig positive Entwicklungen für die kongolesische Bevölkerung erwarten. Einige Regierungen hätten bereits damit gedroht, Gelder in Länder umzuleiten, in denen es mehr auswirken kann. „Ich kann das nachvollziehen“, sagte er. "Doch wir dürfen unschuldige Frauen und Kinder nicht für das Versagen anderer verantwortlich machen."

"Was die tapferen Menschen, denen ich in den letzten Tagen begegnet bin, am meisten wollen, ist Frieden - Frieden, um ihr eigenes Essen anzubauen, ihr Leben wiederaufzubauen und für ihre Kinder eine bessere Zukunft zu gestalten. Eine einfache, aber starke Botschaft. Ich habe es Präsident Kabila und seiner Regierung übermittelt und sie aufgefordert, mehr dazu beizutragen. "