Ehemaliger Kindersoldat ermöglicht Ernährungshilfe im Süd-Sudan

Veröffentlicht am 27 April 2011

Mark mit einem jungen Mädchen aus der Jikany Nuer Gemeinde.
Copyright: WFP/Henry Chamberlain

Vor nicht allzu langer Zeit war Mark noch ein Kindersoldat im Südsudan. Glücklicherweise konnte er dieses Leben hinter sich lassen und arbeitet jetzt bei WFP als Sicherheitsassistent. Im März bekam er eine besondere Auszeichnung für seine tragende Rolle bei den Verhandlungen um einen sicheren Zugang für die dringende Ernährungshilfe entlang der gefährlichen Flussroute.

Im Juni 2009 machte sich ein WFP-Nahrungsmittel-Konvoi auf dem Fluss Sobat auf den Weg in den Süd-Sudan. Als die 27 Bote den Flussteil nahe der äthiopischen Grenze erreichten, wurden sie von lokalen Streitkräften angehalten. Die Streitkräfte bestanden größtenteils aus Jungen und jungen Männern. Sie nannten sich die White Army, die weiße Armee, und schwenkten Gewehre, die sie für Vieh-Raubzüge verwendeten.

WFP-Auszeichnung
Für seine Bemühungen für die Wiedereröffnung der gefährlichen Flusspassage des Sobat erhielt Mark Diang 2010 die WFP-Auszeichnung Award of Merit.

Auf diesem Foto ist Mark mit WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran zu sehen, die ihm auf einer Zeremonie in der römischen WFP-Zentrale die Auszeichnung überreicht.

Copyright: WFP/Rein Skullerud

Die weiße Armee war misstrauisch. Dutzende Soldaten der Sudan People’s Liberation Army (SPLA) begleiteten den Transport, aber kein WFP-Mitarbeiter. Die Lage verschlechterte sich weiter, als die Miliz erfuhr, dass der Transport für den Luo Nuer bestimmt war, genau den Stamm, der sie vor einigen Wochen überfallen hatte.

Einige Boote wurden inspiziert, man fand nur Hirse und andere Nahrungsmittel. Aber der Konvoi durfte nicht weiterfahren. Für die Miliz war ein Transport von Nahrungsmitteln für ihre Feinde ein großes Problem. Der Fluss Sobat stellt die Grenze zwischen den kriegerischen Stämmen dar.

Unter Beschuss

Der Konvoi geriet unter Beschuss. Nach der Schießerei gab es etwa 100 Tote – nicht nur dutzende SPLA Soldaten, sondern auch Zivilisten waren unter den Opfern. Einige Bote sanken, andere kehrten um, und jeglicher kommerzieller und humanitärer Verkehr auf dem Fluss wurde eingestellt.

Um weiterhin Nahrungsmittel transportieren zu können, musste WFP auf den teureren Luftverkehr ausweichen. Doch auch so konnte die Organisation nur einen Teil der Nahrungsmittel transportieren.

Ohne die Unterstützung von Mark Diang, einem ehemaligen Kindersoldaten, der jetzt für WFP als Sicherheitsassistent in Malakal arbeitet, hätte der Lufttransport noch sehr viel länger anhalten müssen.

Drei Monate nach dem tödlichen Überfall auf dem Fluss Sobat und während WFP versuchte, die Sicherheitslage auf dem Fluss einzuschätzen, entwickelte Mark einen Plan. Der Sicherheitsdienst zögerte zunächst, aber „wir haben daran geglaubt, dass es funktionieren kann“, so Henry Chamberlain, Sicherheitskoordinator im Süd-Sudan. Für eine erste Einschätzung „fuhren wir den ganzen Weg da runter – Mark, ich und einige UN-Sicherheitsoffiziere. Wir haben den Stammesführer der Jikany Nuer mitgenommen“.

Angespannte Situation

Der Fluss war noch nicht wieder zugänglich und die Situation sehr angespannt. Die Gruppen, die in den Konflikt verwickelt sind, sind alle Teil des Volkes der Nuer, genau wie Mark. Dies würde in den folgenden Wochen von großer Bedeutung sein.
 

Mark Diang wurde 1981 in Bentiu im Süd-Sudan geboren und noch im Kindesalter für die SPLA rekrutiert. Nachdem er es geschafft hatte, die Armee zu verlassen, arbeitete er zunächst für Ärzte ohne Grenzen und UNHCR, bis er Ende des Jahres 2008 zu WFP wechselte.

Da Mark die Gruppen kannte, konnte er vieles vereinfachen. „Mark
hatte ein gutes Verhältnis zu dem Stammesführer – das erleichterte
die Kommunikation“, sagt Henry. „Das genügte, um Zugang zu den Gemeinden entlang des Flusses zu erhalten. Mark ist zu ihnen
gegangen und hat mit ihnen gesprochen, nur so konnten wir sie überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten“.

Mark erklärte, dass WFP keine Rolle in dem ausgetragenen
Konflikt spiele, und nur die Menschen in Not unterstützen wolle.
Er war den jungen Männern gegenüber sehr höflich und nannte
sie ‘quor’, was soviel wie Chef bedeutet. Er bot an, selbst mit den
Konvois zu fahren, da die Menschen ihm vertrauten.

Wiedereröffnung des Flussweges
“Wenn wir jetzt Konvois schicken, ist immer jemand von WFP mit an Bord. Ich gebe den Gemeinden [entlang des Flusses] eine Telefonnummer, die sie anrufen können, um zu erfahren wann wir kommen“, sagt Mark.

Meistens ist Mark die Person, die mit dem Konvoi reist. „Mark fährt auch alleine mit den WFP-Booten und dem Stammesführer und er sichert so den Gemeinden zu, dass es keine Probleme beim Transport der Nahrungsmittel gibt“, sagt Henry Chamberlain.

Sobald die Konvois den Fluss sicher passieren konnten, war dieser wieder für den Verkehr geöffnet. Im September konnte der Lufttransport eingestellt werden. Seitdem war der Seeverkehr durchgängig möglich.

Mark hat außerdem herausgefunden, dass „die Gemeinden der Miliz keine Nahrungsmittel erhalten haben“, sagt Henry. Durch sein gutes Verhältnis zu den Stämmen und Gemeinden konnte Mark die Situation vor Ort viel besser einschätzen. Er arbeitet nach wie vor als Sicherheitsassistent im Malakal-Büro. Obwohl die Stimmung sich nach dem Referendum im Januar geändert hat, halten die Stammeskonflikte weiter an. Solange ist Marks Gegenwart von unschätzbarem Wert.

Erfahren Sie mehr über die Ernährungssicherheit im Süd-Sudan, und die Arbeit des WFP im Süd-Sudan.