Pakistan: Spezialnahrung hilft Flutopfern gegen die Mangelernährung

Veröffentlicht am 01 September 2010

Ghulam Sughram, eine Mutter von fünf Kindern, lernt wie sie mit Hilfe von Spezialnahrung, ihre Kinder am besten vor Mangelernährung schützt.
Copyright: WFP/Frances Kennedy
 

 

Angesichts der wachsenden Gefahr von Krankheiten und Mangelernährung von Millionen von Pakistanern, die durch die katastrophalen Überschwemmungen vertrieben worden sind, unterstützt WFP diese Menschen mit nährstoffreicher Fertignahrung. Diese wurde speziell dafür entwickelt, um Mangelernährung von Kindern einzudämmen. Die Menschen in der Provinz Sindh, in der die Ernährungssituation bereits vor der Katastrophe dramatisch war, sind besonders gefährdet.

LARKANA – Ghulam Sughram ist Mutter von fünf Kindern und lebt mit weiteren 350 vertriebenen Familien eingeengt im Gebäude einer Mädchenschule in Larkana, dem Geburtsort der früheren pakistanischen Präsidentin Benazir Bhutto. Der Regen hat den großen grünen Garten in einen Sumpf verwandelt und es gibt nur wenige Toiletten für die große Menge an Menschen.

Ghulam hat ihr Zuhause in ShahdadKot vor mittlerweile zehn Tagen verlassen, kurz bevor es von den Fluten verschluckt wurde. Sie hält ihren jüngsten Sohn, Ali Bux, auf dem Arm, der starke Anzeichen von Mangelernährung zeigt. Obwohl Ali Bux schon zwei Jahre alt ist, wirkt er viel jünger – untergewichtig und zu klein für sein Alter.

Arm schon vor der Katastrophe

„Wir waren sehr arm und hatten Probleme, unsere Kleinen mit Essen zu versorgen. Ich kann sie auch nicht länger stillen“, sagte sie. „Nach der Überschwemmung haben wir jetzt überhaupt nichts mehr – wenn uns keine Nahrungsmittel gegeben werden, können wir einfach nicht essen.“

Ghullam wartet geduldig in einer Schlange mit anderen besorgt aussehenden Frauen, die alle wunderschöne, bunte Gewänder tragen. Die Organisatoren des Camps hatten alle schwangeren Frauen und Mütter mit Kleinkindern zusammengerufen und verzehrfertige Zusatznahrung an sie verteilt. Diese erhalten sie zusätzlich zu der Monatsration an angereichertem Weizenmehl, 4,5 Litern Speiseöl und 4 kg angereicherter Energiekekse, die jede Familie bekommt.

„Ich mache mir Sorgen um Ali Bux. Er hat keine Kraft und weint sehr viel, seitdem wir vor den Fluten geflüchtet sind“, sagte sie, während sie sein winziges Bein streichelt.

Die Frauen bekommen auf ihrer einheimischen Sprache Sindhi kurz erklärt, wie die Spezialnahrung gebraucht werden muss. Es wird auch eine Anleitung dazu ausgeteilt, aber viele der Frauen können nicht lesen.

Plumpy Doz
ist eine verzehrfertige Zusatznahrung, die speziell an die Bedürfnisse junger und unterernährter Kinder angepasst ist. Es ist eine auf Erdnuss basierende Paste, die Speiseöl und Trockenmilch enthält.

Dunkle Aussichten

„Es ist wichtig, dass die Frauen genau verstehen, wie die Ernährungsprodukte verwendet werden  - oft müssen sie löffelweise und mehrmals am Tag eingenommen werden. Ihnen muss klar sein, dass nicht alles auf einmal gegeben werden darf, sondern über mehrere Tage verteilt,“ sagte die WFP-Ernährungsexpertin Humaria Sheikh.

Sie erzählt, dass die Auswirkungen der Flut auf die Menschen, die ohnehin schon mit Hunger zu kämpfen hatten, in vielen Lagern offensichtlich sei. Die eingeengten Verhältnisse beschleunigen zudem die Ausbreitung von Krankheiten.

Die Aussichten für die Hunderttausende Pakistaner, die im Freien neben den Schnellstraßen campieren, sind düster.

Die Gefahr von Mangelernährung für diejenigen, die in den Fluten alles verloren haben, ist besonders groß in der Provinz Sindh. Bereits vor der Monsunkatastrophe litten nach schockierenden Angaben 44,2% der Menschen unter Mangelernährung, im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 36,8%. In den ländlichen Gebieten, wo viele der Vertriebenen herkommen, ist Mangelernährung sogar noch ausgeprägter.

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