Da die Preise ansteigen, können viele arme Familien sich weniger nährstoffreiche Nahrungsmittel leisten, und müssen beispielsweise auf frisches Gemüse verzichten. Foto: WFP/Martin Penner.
1. Wie hoch sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich?
Im Februar 2011 erreichte der globale Index für Nahrungsmittelpreise der Welternährungsorganisation (FAO) 238 Punkte und überschritt damit den Höchstwert der Ernährungskrise 2008 von 213.5 Punkten. Im letzten Jahr sind die Preise dann minimal gesunken. Aktuell zeichnet sich ein erneuter Ansteig ab, momentan liegt der Wert bei 213 Punkten.
2. Wodurch wurde der Anstieg im Juli verursacht?
Zurzeit steigen die Preise. Das US-Landwirtschaftsministerium geht nach neuesten Prognosen von drastischen US-Ernteausfällen aus aufgrund der Rekorddürre in den USA. Insbesondere die Maisernte wird um 17% niedriger ausfallen. Die USA sind der größte Produzent und Exporteur von Mais. Nach Angaben der Weltbank ist der Maispreis bereits um 45% gestiegen seit Juni diesen Jahres.
3. Warum werden Preisschwankungen andauern?
Ein Grund, warum Preisschwankungen in Zukunft andauern, ist, dass extreme Wetterbedingungen in den kommenden Jahren verstärkt auftreten werden. Dies hat große Auswirkungen auf die Ernten. Ein weiterer Grund ist, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den schnell wachsenden Volkswirtschaften stark ansteigen wird. Aus dem FAO-Bericht geht auch hervor, dass die vermehrte Nutzung von Land zum Anbau für Biokraftstoff eine Rolle spielt. Natürlich ist ebenfalls die ansteigende Weltbevölkerung ein Faktor. Hier erfahren Sie mehr.
Diese neue Grafik zeigt Ihnen, welche Auswirkungen steigende Preise für Familien in Entwicklungsländern haben.
4. Welche Länder sind durch den Preisanstieg besonders gefährdet?
Hohe Nahrungsmittelpreise sind besonders für arme Länder problematisch, die einen Großteil ihrer Nahrungsmittel importieren, wie die große Mehrheit der afrikanischen Staaten. Wenn sich die Kosten für Importe erhöhen, wird es für diese Länder schwieriger, ihre Bevölkerung zu ernähren. Die Staaten, die ohnehin eine hohe Inflationsrate haben, trifft der Preisanstieg zusätzlich hart.
5. Wer ist am stärksten von den steigenden Preisen betroffen?
Viele Haushalte in Entwicklungsländern geben einen Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus (60 bis 80 Prozent). Steigende Preise haben deshalb dramatische Konsequenzen. Wie der UN-Bericht „State of Food Insecurity in the World (SOFI)“ verdeutlicht, werden hohe Nahrungsmittelpreise wahrscheinlich andauern und Preisschwankungen könnten in den kommenden Jahren noch zunehmen. Bauern und Konsumenten wären dann noch anfälliger für Armut und ihre Ernährungslage noch unsicherer. Hier erfahren Sie mehr.
6. Wie kommen Menschen in armen Ländern mit der Situation zurecht?
In einigen Ländern, in denen WFP arbeitet, gibt es Haushalte, die bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Hohe Nahrungsmittelpreise treffen diese Menschen deshalb sehr hart. Häufig müssen diese Familien ihre Nahrung rationieren oder auf Mahlzeiten verzichten. Außerdem kaufen sie billige und nährstoffarme Nahrungsmittel und ihnen steht weniger Geld für andere Dinge, wie zum Beispiel Medizin oder Schulbildung, zur Verfügung.
7. Sind höhere Preise nicht eigentlich gut für Kleinbauern?
Hohe Nahrungsmittelpreise könnten theoretisch eine Chance für Kleinbauern sein, die von der Landwirtschaft leben. Praktisch können aber viele von ihnen nicht einmal ausreichend Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf produzieren. Viele von ihnen haben weder Zugang zu den oft weit entfernten Märkten, auf denen sie höhere Preise bekommen könnten, noch zu Krediten oder Düngemitteln, um ihre Erträge zu steigern. Erhalten sie aber die nötige Unterstützung und Beratung, können sie große Fortschritte erzielen. Erfahren Sie mehr.
8. Inwiefern treffen die hohen Preise WFP?
Die große Mehrheit der von WFP eingekauften Nahrungsmittel wird auf den lokalen und regionalen Märkten erworben. Höhere Preise betreffen WFP auf zweifache Weise: Es kostet mehr, Nahrungsmittel für die Hungernden zu beschaffen. Gleichzeitig benötigen zusätzliche Menschen Ernährungshilfe. Steigen die Nahrungsmittelpreise für WFP-Hilfsgüter nur um 10 Prozent, benötigt WFP rund 200Millionen US-Dollar mehr, um weiterhin die rund 100 Millionen am schlimmsten hungernden Menschen weltweit unterstützen zu können.
9. Wie viele Nahrungsmittel kauft WFP?
2010 hat WFP Nahrungsmittel im Wert von 1,25 Milliarden US-Dollar gekauft, 975 Millionen US-Dollar davon in Entwicklungsländern. Rund 39 Prozent der eingekauften Nahrungsmittel waren Weizen, 18 Prozent Mais. Die Getreidepreise sind seit Juli 2010 um 50 Prozent gestiegen. Hier erfahren Sie mehr zum Thema lokaler Einkauf.
10. Wie können wir eine sichere Grundversorgung mit Nahrungsmitteln für die am stärksten betroffenen Menschen sicherstellen?
Es gibt mehrere Dinge, die Regierungen tun können. Sehr wichtig ist es, Nahrungsmittelreserven zu entwickeln. Ein anderer wichtiger Aspekt ist es, soziale Sicherheitsnetze aufzubauen. Ernährungsprogramme für Mütter und Kinder, sowie Schulmahlzeiten fallen unter diese Rubrik. Es ist auch äußerst wichtig, Kleinbauern zu unterstützen. Viele von ihnen sind Frauen. Exportstops sollten ebenfalls ein Thema sein, da sie die humanitäre Arbeit nicht beinträchtigen dürfen. Lesen Sie mehr.