Hunger und Nahrungsmittelpreise: 9 Fragen und Antworten

Veröffentlicht am 27 Januar 2014

Da die Preise ansteigen, können viele arme Familien sich weniger nährstoffreiche Nahrungsmittel leisten, und müssen beispielsweise auf frisches Gemüse verzichten. Foto: WFP/Martin Penner.

Die globalen Nahrungsmittelpreise haben einen starken Einfluss auf die Ernährungssicherheit in Schwellen- und Entwicklungsländern: Hohe Preise hindern nicht nur Arme daran, ausreichend Nahrung zu kaufen, sondern erschweren oftmals auch die Ernährungshilfe.

1. Wie hoch sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich?
Im Februar 2011 erreichte der globale Index für Nahrungsmittelpreise der Welternährungsorganisation (FAO) 229 Punkte und überschritt damit den Höchstwert der Ernährungskrise 2008 von 201.4 Punkten. 2014 sind die Preise im dritten Jahr in Folge leicht gesunken, der Wert lag bei durchschnittlich 202 Punkten und damit 3,7% unter dem von 2013.  

2. Warum werden Preisschwankungen andauern?
Ein Grund, warum Preisschwankungen in Zukunft andauern werden, ist, dass extreme Wetterbedingungen in den kommenden Jahren verstärkt auftreten werden. Dies hat große Auswirkungen auf die Ernten. Ein weiterer Grund ist, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den schnell wachsenden Volkswirtschaften stark ansteigen wird. Aus einem FAO-Expertenbericht geht auch hervor, dass die vermehrte Nutzung von Land zum Anbau für Biokraftstoff eine Rolle spielt. Natürlich ist ebenfalls die ansteigende Weltbevölkerung ein Faktor.

Achterbahnfahrt der Nahrungsmittelpreise
Diese Grafik zeigt Ihnen am Beispiel der Preisentwicklung von Januar 2008 bis Juni 2012, welche Auswirkungen steigende Preise für Familien in Entwicklungsländern haben.

Report von Oxfam

Der Bericht von Oxfam warnt davor, dass die Nahrungsmittel-preise sich bis 2030 verdoppeln. 
 

3. Welche Länder sind durch den Preisanstieg besonders gefährdet?
Hohe Nahrungsmittelpreise sind besonders für arme Länder problematisch, die einen Großteil ihrer Nahrungsmittel importieren – wie beispielsweise die große Mehrheit der afrikanischen Staaten. Wenn sich die Kosten für Importe erhöhen, wird es für diese Länder schwieriger, ihre Bevölkerung zu ernähren. Die Staaten, die ohnehin eine hohe Inflationsrate haben, trifft der Preisanstieg zusätzlich hart. 

4. Wer ist am stärksten von den steigenden Preisen betroffen?
Viele Haushalte in Entwicklungsländern geben einen Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus (60 bis 80 Prozent). Steigende Preise haben deshalb dramatische Konsequenzen. Wie der UN-Bericht „State of Food Insecurity in the World (SOFI)“ verdeutlicht, werden hohe Nahrungsmittelpreise wahrscheinlich andauern und Preisschwankungen könnten in den kommenden Jahren noch zunehmen. Bauern und Konsumenten wären dann noch anfälliger für Armut und ihre Ernährungslage noch unsicherer. 


5. Wie kommen Menschen in armen Ländern mit der Situation zurecht?
In einigen Ländern, in denen WFP hilft, gibt es Haushalte, die bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Hohe Nahrungsmittelpreise treffen diese Menschen deshalb sehr hart. Häufig müssen diese Familien ihre Nahrung rationieren oder auf Mahlzeiten verzichten. Außerdem kaufen sie billige und nährstoffarme Nahrungsmittel und ihnen steht weniger Geld für andere Dinge, wie zum Beispiel Medizin oder Schulbildung, zur Verfügung.

6.    Sind höhere Preise nicht eigentlich gut für Kleinbauern?
Hohe Nahrungsmittelpreise könnten theoretisch eine Chance für Kleinbauern sein, ihr Einkommen zu erhöhen. Praktisch können aber viele von ihnen nicht einmal ausreichend Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf produzieren. Viele von ihnen haben weder Zugang zu den oft weit entfernten Märkten, auf denen sie höhere Preise bekommen könnten, noch zu Krediten oder Düngemitteln, um ihre Erträge zu steigern. Erhalten sie aber die nötige Unterstützung und Beratung, können sie große Fortschritte erzielen.

7. Inwiefern treffen die hohen Preise WFP?

Purchase for Progress im Suedsudan
Im Südsudan hilft WFP Kleinbauern im Rahmen des Purchase-for-Progresse-prgrammes (P4P) ihre Erträge zu verbessern und schafft gleichzeitig einen Absatzmarkt für ihre Produkte. Foto: WFP/ Ahnna Gudmunds

WFP kauft den Großteil der Nahrungsmittel auf lokalen und regionalen Märkten. Höhere Preise betreffen WFP auf zweifache Weise: Die Kosten der Ernährungshilfe steigen, gleichzeitig benötigen zusätzliche Menschen Unterstützung. Steigen die Nahrungsmittelpreise für WFP-Hilfsgüter nur um 10 Prozent, benötigt WFP jährlich rund 160 Millionen US-Dollar mehr, um weiterhin mehr als 80 Millionen Hungernde weltweit unterstützen zu können.

8. Wie viele Nahrungsmittel kauft WFP?
2013 hat WFP Nahrungsmittel im Wert von 1,16 Milliarden US-Dollar gekauft, 918 Millionen US-Dollar davon in Entwicklungsländern. Rund 19 Prozent der eingekauften Nahrungsmittel waren Reis, 18 Prozent Mais. Die Getreidepreise sind seit 2010 um 8 Prozent gestiegen.

9. Wie können wir eine sichere Grundversorgung mit Nahrungsmitteln für die gefährdesten Menschen sicherstellen?
Es gibt mehrere Dinge, die Regierungen tun können. Sehr wichtig ist es, Nahrungsmittelreserven zu entwickeln. Ein anderer wichtiger Aspekt ist es, soziale Sicherheitsnetze aufzubauen. Ernährungsprogramme für Mütter und Kinder, sowie Schulmahlzeiten fallen unter diese Rubrik. Es ist auch äußerst wichtig, Kleinbauern zu unterstützen. Viele von ihnen sind Frauen.  Exportstops sollten ebenfalls ein Thema sein, da sie die humanitäre Arbeit nicht beinträchtigen dürfen.