WFP warnt: Eskalierender Konflikt im Jemen schneidet Millionenstadt Taiz von lebensrettender Hilfe ab
Die Bezirke von Taiz, der drittgrößten Stadt des Landes, haben seit Beginn der Krise die meisten Binnenvertriebenen aufgenommen. Viele dieser Gebiete sind aufgrund anhaltender Kämpfe und drohender Straßensperrungen in der bevölkerungsreichsten Provinz des Jemen mittlerweile nicht mehr erreichbar.
Der Verlust des Zugangs ist besonders besorgniserregend, da Taiz zu den Regionen mit der höchsten Ernährungsunsicherheit des Landes gehört. Zehn der 16 Bezirke wurden zuvor als Gebiete mit einer Ernährungsnotlage (IPC-Stufe 4) eingestuft. Nach aktuellen WFP-Erhebungen sind die Weizenmehlvorräte nahezu aufgebraucht. Die verbleibenden Lebensmittelbestände auf den lokalen Märkten könnten nur noch kurze Zeit ausreichen, wenn die Zugangsbeschränkungen weiter bestehen.
„Wir sind zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts, aber noch mehr über die wachsende Zahl von Menschen, die wir deshalb nicht mehr erreichen können“, sagte El-Khidir Daloum, WFP-Landesdirektor im Jemen. „Viele der betroffenen Familien wurden bereits mehrfach vertrieben und hatten schon zuvor Schwierigkeiten, selbst grundlegende Lebensmittel zu bezahlen. Eine Situation wie diese kann sich sehr schnell zu einer humanitären Katastrophe entwickeln, wenn Hilfsgüter nicht sicher transportiert und die Bedürftigsten nicht erreicht werden können.“
WFP und seine Partner können derzeit mehr als 600.000 Menschen in Taiz nicht erreichen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, darunter über 200.000 Frauen und Kinder. Zusammen mit den Gemeinden an der Westküste des Jemen, die bereits Anfang September vom Verlust des Zugangs betroffen waren, befinden sich nun insgesamt 800.000 Menschen außerhalb der Reichweite von WFP.
Im gesamten Jemen sind mehr als 18 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen. Rund 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter Mangelernährung, darunter 500.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, der lebensbedrohlichsten Form von Mangelernährung.
Jüngste WFP-Erhebungen in erreichbaren Gebieten des Jemen zeigen, dass 74 Prozent der Haushalte ihren grundlegenden Nahrungsmittelbedarf nicht decken können. Dies ist der höchste Wert des laufenden Jahres und ein deutlicher Hinweis auf eine weitere Verschlechterung der Ernährungslage.
Matthew Hollingworth, stellvertretender Exekutivdirektor für Programmeinsätze bei WFP, erklärte kürzlich vor Journalistinnen und Journalisten in Genf: „Der Hunger im Jemen nimmt derzeit vor unseren Augen immer schneller zu. Die Auswirkungen der jüngsten Gewalteskalation auf die Ernährungssicherheit im Land könnten verheerend sein.“
Die Eskalation hat zudem die Arbeit von WFP massiv beeinträchtigt. Büros wurden beschädigt, Hilfsgüter und Vorräte gingen verloren, und wichtige Versorgungsrouten wurden unterbrochen. Dadurch werden humanitäre Hilfsmaßnahmen in einer Zeit wachsender Not zusätzlich erschwert.
Gleichzeitig werden weiterhin 72 Mitarbeitende der Vereinten Nationen von den De-facto-Behörden der Huthi festgehalten, darunter 37 WFP-Kolleginnen und -Kollegen. WFP schließt sich der Forderung des UN-Generalsekretärs nach ihrer sofortigen und bedingungslosen Freilassung an.
Obwohl einige der am stärksten betroffenen Gebiete weiterhin unzugänglich sind, hat WFP bereits mehr als 115.000 Menschen unterstützt, die durch die Kämpfe neu vertrieben wurden und sich in noch erreichbaren Regionen aufhalten. Angesichts zunehmender Vertreibung und wachsender humanitärer Bedarfe ist WFP bereit, die Hilfe auszuweiten und bis zu 1,5 Millionen Menschen zu unterstützen, sobald der Zugang dies zulässt.
Sicherer und dauerhafter humanitärer Zugang sowie zusätzliche Finanzierung sind entscheidend, damit Hilfsgüter schnell bereitgestellt werden können, sobald die Bedingungen dies erlauben. Ohne neue Mittel wird WFP gezwungen sein, die Unterstützung ab November erheblich zu reduzieren – genau zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Familien fliehen müssen und zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
WFP benötigt bis Ende 2027 insgesamt 268 Millionen US-Dollar, um Nothilfeprogramme für Ernährungssicherheit und Ernährung, Schulmahlzeiten, Resilienzmaßnahmen sowie lebenswichtige humanitäre Logistikdienste im Jemen aufrechtzuerhalten.
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