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Eine Generation in Gefahr: Hunger und Mangelernährung in Afghanistan

WFP warnt: Kürzungen der Hilfsgelder, Konflikte, Armut und Hunger führen zu alarmierend hohen Mangelernährungsraten bei Kindern und Müttern in Afghanistan.
, Ziauddin Safi und Isheeta Sumra
A woman wearing a light blue burka sits in a waiting room with two small children. Photo: WFP/Isheeta Sumra
Sediqa's two young girls count among nearly 3.7 million Afghan children projected to suffer from malnutrition this year. Her impoverished family often lives on a diet of bread and tea. Photo: WFP/Isheeta Sumra

Die gelb-weißen Pakete, mit denen die kleinen Töchter von Sediqa verspielt hantieren, sind weit mehr als nur Nahrungsergänzungsmittel. Sie liefern wichtige Nährstoffe und sind für die Familie ein Rettungsanker, denn ihre tägliche Ernährung besteht meist nur aus Brot und Tee.

„Es gibt nichts anderes zu essen“, sagt Sediqa, während sie in einem Gesundheitszentrum im Süden Afghanistans Nahrungsergänzungsmittel von WFP für ihre beiden mangelernährten Töchter im Alter von drei Jahren und 18 Monaten abholt.

„Wir können uns keine nahrhaften Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis, Bohnen oder Hülsenfrüchte leisten“, sagt die Mutter von sieben Kindern. „Dafür sind wir zu arm.“

So geht es vielen Familien in Afghanistan. Mehrere Krisen treffen gleichzeitig aufeinander: Konflikte, Arbeitslosigkeit, hohe Lebensmittelpreise, unterbrochene Lieferketten und sinkende humanitäre Hilfe verschärfen Hunger und Mangelernährung im ganzen Land.

„Ein Besuch in einem Gesundheitszentrum in Afghanistan ist eine äußerst erschütternde Erfahrung, bei der wir praktisch mitansehen müssen, wie die nächste Generation dahinsiecht.“ – John Aylieff, WFP-Länderdirektor in Afghanistan

Heute befindet sich Afghanistan mitten in einer schweren Krise der Kinderernährung, warnt WFP. Akute Mangelernährung, bei der Kinder im Verhältnis zu ihrer Körpergröße gefährlich untergewichtig sind, hat bereits in einem Drittel der Provinzen kritische und bislang beispiellose Ausmaße erreicht. Experten rechnen damit, dass sich die Lage weiter verschlechtert.

„Ein Besuch in einem Gesundheitszentrum in Afghanistan ist zutiefst erschütternd. Dort erleben wir praktisch mit, wie die nächste Generation von Kindern vor unseren Augen immer schwächer wird“, sagt John Aylieff, WFP-Landesdirektor in Afghanistan. „Das ist nicht nur herzzerreißend, sondern inakzeptabel.“

Millionen sind von einer Unterernährungskrise betroffen

Packages of WFP's specialized nutritional products on tops of boxes. Photo: WFP/Ziauddin Safi
Hilfskürzungen und logistische Engpässe gefährden die Lieferung der speziellen Ernährungsprodukte des WFP an afghanische Gesundheitszentren, wo sie dringend benötigt werden. Foto: WFP/Ziauddin Safi

Ohne sofortige zusätzliche Unterstützung sieht die Zukunft für Afghanistans jüngste Generation düster aus, warnen WFP und andere Expertinnen und Experten. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2026 rund 3,7 Millionen Kinder von Mangelernährung betroffen sein. Weitere 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen werden voraussichtlich ebenfalls mangelernährt sein. Dies trägt auch zur Ausbreitung übertragbarer Krankheiten bei.

„Afghanistan leidet bereits unter einer der schwersten und hartnäckigsten Ernährungskrisen der Welt“, sagt Aylieff. „Die jüngsten Entwicklungen drohen diese bereits erschütternden Zahlen noch weiter nach oben zu treiben. Es besteht die beängstigende Gefahr, dass die Krise alle bisherigen Prognosen übertrifft und unzählige weitere Kinder und Mütter an vermeidbaren Ursachen sterben.“

Im Gesundheitszentrum schildert Sediqa die vielen Hindernisse, die ihre Kinder daran hindern, gesund aufzuwachsen. Ihr Mann arbeitet als Tagelöhner und leidet an Nierenproblemen. Wenn Arbeit verfügbar ist und er gesundheitlich dazu in der Lage ist, verdient er umgerechnet etwa drei US-Dollar pro Tag. Die Hälfte dieses Einkommens geht jedoch für die Miete drauf, sodass kaum Geld für Lebensmittel übrig bleibt.

A little Afghan girl in an aqua-colored dress and blond hair is tested for malnutrition. Photo: WFP/Isheeta Sumra
Sediqas dreijährige Tochter wird auf Unterernährung untersucht. Foto: WFP/Isheeta Sumra

„Jedes meiner Kinder braucht Sandalen, Kleidung und Medikamente, aber wir können uns das nicht leisten“, sagt Sediqa. Auch Reis, Kekse und Milch seien für die Familie zu teuer. Die einzigen Gemüsesorten, die sie sich leisten können, seien Okraschoten und Auberginen. Doch selbst diese würden ihre Kinder häufig nicht vertragen und sich nach dem Essen übergeben. Sediqa selbst leidet an Typhus und kann ihre Kinder deshalb oft nicht stillen.

„Ich gebe ihnen Brot und Tee“, sagt sie über ihre Kinder. „Manchmal essen sie, manchmal nicht.“

Seit Jahren kann sie sich auf eine wichtige Unterstützung verlassen: die Ernährungsprogramme von WFP. Sechs ihrer sieben Kinder haben über die Gesundheitsstation spezielle Nahrungsmittel und Ernährungsbehandlungen erhalten.

„Die meisten Patientinnen und Patienten, die zu uns kommen, sind mangelernährt“, sagt Dr. Samira (Name zu ihrem Schutz geändert), die in dem Gesundheitszentrum arbeitet und auch Sediqas Kinder behandelt. In den vergangenen Jahren habe sie einen starken Anstieg von Mangelernährung bei schwangeren Frauen und Kindern beobachtet.

„Es ist sehr wichtig, dass WFP diese Nahrungsmittel bereitstellt, weil sie Mangelernährung behandeln und verhindern können“, sagt Dr. Samira. „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, leben in Armut und können sich keine ausgewogene Ernährung leisten. Diese Unterstützung verhindert, dass sie überhaupt erst mangelernährt werden.“

Wichtige Ernährungshilfe von WFP ist gefährdet

A woman in a light grey burka and two small children consults with a health care worker at a clinic. Photo: WFP/Isheeta Sumra
Farida und ihre kränklichen Kinder (rechts) brauchen gesunde Nahrung – die sie sich mit dem geringen Einkommen der Familie nicht leisten kann. Foto: WFP/Isheeta Sumra

Doch genau diese Unterstützung steht inzwischen auf dem Spiel. Kürzungen bei humanitären Hilfsgeldern führen dazu, dass Gesundheitszentren in ganz Afghanistan schließen müssen und lebenswichtige Ernährungsprogramme wegfallen, auf die viele Kinder und Mütter angewiesen sind. Die Finanzierungslücken zwingen WFP außerdem dazu, Nahrungsmittelhilfen im Land zurückzufahren.

Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die Nahostkrise und zeitweise Grenzschließungen zu Pakistan. Beides hat Lieferketten unterbrochen, die Kosten erhöht und dazu geführt, dass fast eine Million Mütter und Kinder in Afghanistan fünf Monate lang keinen Zugang zu wichtigen Ernährungsleistungen hatten.

Die Folgen dieser Kürzungen treffen Familien wie die von Farida besonders hart. In einem anderen Gesundheitszentrum wartet sie mit ihren beiden an Anämie leidenden Kindern auf eine Behandlung. Wie Sediqa erzählt auch sie, dass ihre drei Kinder meist nur Brot und Tee essen. Mehr kann sich die Familie vom geringen Einkommen ihres Mannes, der Becher verkauft, nicht leisten.

„Er ist krank und braucht nahrhafte Lebensmittel“, sagt sie über ihren ältesten Sohn, einen sechsjährigen Jungen, der neben ihr steht. „Aber ich kann sie ihm nicht geben.“

„Wir sind auf diese Klinik angewiesen, für Medikamente und für Ernährungshilfe“, sagt sie. „Wenn es hier keine Lebensmittel mehr gibt, werden meine Kinder sterben.“

WFPs Arbeit zur Bekämpfung von Mangelernährung in Afghanistan wird durch die Unterstützung Australiens, Kanadas, Deutschlands, Japans, der Republik Korea und des Vereinigten Königreichs ermöglicht.

Erfahren Sie mehr darüber, wie WFP die Hungerkrise in Afghanistan bekämpft

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