Afghanistan: Hilfskürzungen verschärfen Mangelernährung von Kindern
Die Warnung von WFP folgt auf die Veröffentlichung eines aktuellen Berichts, der zeigt, dass die Mangelernährung in einem Drittel der afghanischen Provinzen kritische Ausmaße erreicht hat. Das ist ein Höchststand. Bis Oktober wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Kritische Werte bei akuter Mangelernährung bei Kindern bedeuten, dass dringend lebensrettende Behandlungen erforderlich sind. Derzeit befinden sich zwölf Provinzen in dieser Lage: Helmand, Daykundi, Zabul, Baghlan, Urozgan, Paktika, Nuristan, Sar-e-Pul, Ghor, Kandahar, Faryab und Logar.
Zwischen Juli und Oktober erreicht die Mangelernährung von Kindern in Afghanistan üblicherweise ihren Höhepunkt. Ursachen sind unter anderem die Zunahme übertragbarer Krankheiten, mangelnde Wasser- und Sanitärversorgung, ein eingeschränkter Zugang zu wichtigen Ernährungsdiensten sowie eine zunehmende Ernährungsunsicherheit. In diesem Jahr hatten jedoch viele Kinder selbst während der Zeit größter Nahrungsmittelverfügbarkeit nicht genug zu essen. Bereits im ersten Quartal stieg die Ernährungsunsicherheit unter Kindern auf 47 Prozent der Bevölkerung. Mangelernährung tritt bei afghanischen Kindern selten allein auf und erhöht das Risiko, dass Kinder sterben, drastisch.
„Die schwachen Schreie mangelernährter Babys erfüllen die Gesundheitszentren Afghanistans, während besorgte Mütter, von denen viele selbst unter Hunger leiden, ihre Kinder verzweifelt zur Behandlung bringen“, sagte John Aylieff, WFP-Landesdirektor in Afghanistan. „Wir erleben, wie eine ganze Generation von Kindern trotz der aktuellen Erntezeit immer weiter geschwächt wird. Eigentlich sollte dies eine Zeit des Überflusses sein. Das ist nicht nur herzzerreißend, sondern schlicht inakzeptabel.“
Mehrere Krisen treffen gleichzeitig aufeinander, darunter Konflikte, Arbeitslosigkeit, hohe Lebensmittelpreise und sinkende humanitäre Hilfe. Sie haben zu dem alarmierenden Anstieg der Mangelernährung beigetragen. Im Jahr 2025 mussten landesweit 142 Gesundheitszentren schließen. Zudem verloren mehr als 13.000 Kinder aufgrund gekürzter Hilfsprogramme den Zugang zu Ernährungsbehandlungen. In diesem Jahr wurden die verbliebenen Ernährungsprogramme zusätzlich durch einen gravierenden Mangel an Spezialnahrung beeinträchtigt. Ursache dafür waren Konflikte im Nahen Osten sowie die neunmonatige Schließung der pakistanischen Grenze. Dadurch wurden Lieferwege unterbrochen und die Kosten erhöht. Infolgedessen konnten fast eine Million mangelernährte Mütter und Kinder in Afghanistan fünf Monate lang keine wichtigen Ernährungsleistungen erhalten.
In Afghanistan werden voraussichtlich fast 3,7 Millionen Kinder von akuter Mangelernährung betroffen sein. Zusätzlich werden schätzungsweise 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen mangelernährt sein. Ohne sofortige Investitionen dürften diese Zahlen weiter steigen.
„Afghanistan befindet sich bereits in einer der schwersten und langanhaltendsten Ernährungskrisen der Welt. Diese erschütternden Zahlen könnten noch weiter ansteigen“, so Aylieff. „Die Krise könnte alle bisherigen Prognosen übertreffen und unzählige weitere Kinder und Mütter zum vermeidbaren Tod verurteilen.“
Um eine weitere Verschärfung der Krise zu verhindern, müssen Programme zur Behandlung und Vorbeugung von Mangelernährung dringend ausgeweitet werden. Allerdings stehen derzeit keine Mittel für Präventionsmaßnahmen zur Verfügung, obwohl diese der wirksamste, kosteneffizienteste und nachhaltigste Weg sind, die Krise einzudämmen. WFP benötigt in den kommenden sechs Monaten dringend 540 Millionen US-Dollar, um seine Arbeit fortsetzen zu können.
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