Finanzierungslücke zwingt WFP zu Halbierung der Hilfe im Westjordanland
Derzeit gelten schätzungsweise 900.000 Menschen im Westjordanland als von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zunehmende Gewalt durch Siedler sowie Vertreibungen beeinträchtigen die Lebensgrundlagen vieler Menschen, verschärfen den Hunger und treiben Familien immer tiefer in die Krise. Bislang erreichte WFP mit seiner Unterstützung 400.000 der am stärksten gefährdeten Menschen. Ab diesem Monat wird diese Zahl auf 200.000 reduziert.
Die jüngste vierteljährliche Analyse zur Ernährungssicherheit von WFP zeigt, dass 76 Prozent der Haushalte im Westjordanland einen erheblichen Einkommensrückgang verzeichnet haben. Die Preise für Lebensmittel und Treibstoff gehören weiterhin zu den höchsten im Nahen Osten. Viele Familien sehen sich deshalb gezwungen, Vermögenswerte zu verkaufen sowie die Anzahl und Qualität ihrer Mahlzeiten zu reduzieren, um zu überleben.
Die Analyse ergab außerdem, dass 12 Prozent der Menschen einen unzureichenden Lebensmittelkonsum aufweisen und ein Drittel der Familien sich aufgrund der sich rapide verschlechternden Wirtschaftslage keine ausgewogene Ernährung leisten kann. Besonders betroffen sind Menschen in ländlichen Gebieten sowie in den südlichen Gouvernements des Westjordanlands.
„Familien, die früher von ihrem Land leben konnten und wirtschaftlich abgesichert waren, können sich heute nicht mehr ausreichend Lebensmittel leisten“, sagte Shaun Hughes, WFP-Landesdirektor für Palästina. „Zu einem Zeitpunkt, an dem WFP seine Unterstützung ausweiten müsste, um mehr Menschen zu erreichen, sind wir gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen. Wir konzentrieren uns auf die am stärksten gefährdeten Menschen, während wir Hilfen für andere kürzen müssen, obwohl der Bedarf weit verbreitet ist. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, umgehend zu handeln und ihre Unterstützung für die palästinensische Bevölkerung zu verstärken.“
WFP unterstützt gemeinsam mit seinen Partnern Familien im Westjordanland durch Bargeldhilfen und Gutscheine, die Verteilung von Lebensmitteln, Programme zur Sicherung von Lebensgrundlagen sowie Ernährungsangebote. Aufgrund fehlender Finanzierung ist WFP nun gezwungen, diese lebenswichtige Unterstützung zurückzufahren.
Die Finanzierungslücken beeinträchtigen auch die Arbeit von WFP im Gazastreifen. Dort unterstützt die Organisation 1,5 Millionen Menschen, darunter eine Million Menschen, die monatlich Nahrungsmittelhilfe erhalten. Im Juli reduzierte WFP den Wert seiner Bargeldhilfe für 375.000 Menschen um 40 Prozent. Weitere Kürzungen werden unvermeidbar sein, sofern keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt werden.
Für die kommenden sechs Monate ab September 2026 benötigt WFP dringend zusätzliche 386 Millionen US-Dollar, um schätzungsweise zwei Millionen von Ernährungsunsicherheit betroffene Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland zu unterstützen.
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