Finanzierungslücken zwingen WFP zu drastischer Reduzierung lebensrettender Hilfe in Gaza
In den vergangenen drei Jahren war die Ernährungshilfe von WFP für bis zu 90 Prozent der Familien im Gazastreifen eine lebenswichtige Stütze. Seit der Verkündung des Waffenstillstands im Oktober 2025 versorgt die Organisation jeden Monat rund 1,6 Millionen Menschen mit Lebensmittelpaketen, Weizenmehl, Brot, warmen Mahlzeiten, Unterstützung bei Mangel- und Unterernährung, Schulmahlzeiten, Bargeldhilfe und Nahrungsmitteln. WFP verfügt jetzt nicht mehr über ausreichende Finanzierungen, um dieses Hilfsniveau aufrechtzuerhalten.
Kürzungen der WFP-Hilfe im Gazastreifen
- Ab diesem Monat unterstützt WFP 1,1 Millionen der am stärksten gefährdeten Menschen im Gazastreifen mit Ernährungshilfe – im Vergleich zu 1,6 Millionen im vergangenen Monat.
- WFP hat die Lebensmittelrationen um die Hälfte gekürzt. Familien, die Unterstützung erhalten, bekommen nun nur noch ein Lebensmittelpaket (statt zwei) und einen kleineren Sack Weizenmehl.
- Die Zahl der von WFP bereitgestellten warmen Mahlzeiten wurde von 250.000 auf 150.000 pro Tag reduziert. Familien, die in schwer erreichbaren Gebieten leben, darunter auch in der Nähe der „gelben Linie“ der israelischen Militärkontrolle, erhalten nun jeden zweiten Tag statt täglich eine warme Mahlzeit.
- WFP hat zudem den Wert der Bargeldhilfe für 75.000 Familien gekürzt.
- Derzeit ist WFP noch in der Lage, Bäckereien zu unterstützen, die ein Drittel des Brotbedarfs im Gazastreifen decken, 300.000 Frauen und Kindern Hilfe bei Mangel- und Unterernährung zu leisten und 200.000 Kindern gesunde Schulimbisse zu liefern.
- Finanzierungslücken wirken sich auch auf die Maßnahmen von WFP im Westjordanland aus, wo die Organisation im September die Zahl der Hilfsempfänger von 400.000 auf 200.000 halbiert hat.
Gesicherte Ernährung im Gazastreifen
- Schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen, also 67 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen, leiden unter akutem Hunger oder schlimmerem, was gemäß der „Integrated Food Security Phase Classification“ (IPC) der Phase 3 oder höher entspricht.
- Dies ist ein Rückgang gegenüber 1,6 Millionen Menschen bzw. 77 Prozent der Bevölkerung Ende 2025. Die Verbesserung ist jedoch nach wie vor bescheiden und fragil.
- Rund 200.000 Menschen befinden sich weiterhin in einer Notsituation (IPC-Phase 4), in der sofortige Hilfe erforderlich ist, um Todesfälle durch Hunger zu verhindern.
- Nur jedes fünfte Kind ernährt sich ausreichend abwechslungsreich. Auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene bleibt eingeschränkt.
- Mehr als 80 Prozent der Menschen in Gaza sind arbeitslos, sodass sich viele Familien keine frischen Lebensmittel oder proteinreiche Nahrungsmittel leisten können, selbst wenn diese verfügbar sind.
Finanzierungs- und operative Herausforderungen
- Der seit Oktober 2025 verbesserte humanitäre Zugang und die verbesserte Bereitstellung von Hilfe haben dazu beigetragen, die Ernährungsunsicherheit zu verringern, doch diese Fortschritte sind nach wie vor fragil und könnten schnell zunichte gemacht werden, wenn die humanitäre Finanzierung weiter zurückgeht. Die jüngste IPC-Analyse warnt davor, dass Kürzungen der humanitären Finanzierung zu einem starken Anstieg des Bedarfs an Ernährungshilfe führen könnten.
- Angesichts des nahenden Winters werden dringend zusätzliche Mittel benötigt, um die Hilfe aufrechtzuerhalten, wichtige technische Unterstützung zu leisten und Unterernährung bei Kleinkindern sowie schwangeren und stillenden Frauen zu verhindern.
- WFP erhielt 2026 weniger als die Hälfte der Finanzierung für seinen Einsatz in Palästina im Vergleich zu den Vorjahren. Die Organisation benötigt dringend 450 Millionen US-Dollar, um wichtige Maßnahmen im Gazastreifen und im Westjordanland in den nächsten sechs Monaten, von Oktober 2026 bis März 2027, aufrechtzuerhalten.
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