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Von Hilfe zu Selbstständigkeit: Wie Flüchtlinge in Afrika Ernährung sichern

In vielen Regionen Afrikas schaffen Flüchtlinge mit Unterstützung des Welternährungsprogramms (WFP) neue Lebensgrundlagen: Sie bekämpfen Hunger, bauen Ernährungssicherheit auf und stärken gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Aufnahmegemeinschaften.
, Elshaday Gebeyehu, Pearl Karungi, Didas Kisembo und Petroc Wilton

In Uganda fördert Landwirtschaft die Selbstständigkeit

Men and women drag a large net across a pond to capture fish. Photo: WFP/Amone Okello
Daforoza (kneeling down on bank with back to camera) joins other refugees and Ugandans in farming fish. Photo: WFP/Amone Okello

Das Leben von Daforoza hat sich in den 13 Jahren seit ihrer Ankunft im Flüchtlingscamp Nakivale im Südwesten Ugandas grundlegend verändert.

Dort lernte die aus Burundi stammende Geflüchtete das ugandische „Modell zur Selbstversorgung“ kennen – eine marktorientierte Initiative, die Qualifizierungsmaßnahmen, finanzielle Inklusion und soziale Absicherung miteinander verbindet. Ziel ist es, die rund zwei Millionen Flüchtlinge – Afrikas größte Flüchtlingsbevölkerung – unabhängiger von humanitärer Hilfe zu machen und gleichzeitig die Eigenständigkeit der Aufnahmegemeinden zu stärken.

Dieses Modell ist heute besonders wichtig, da gekürzte Hilfsgelder WFP dazu gezwungen haben, die Unterstützung für fast eine Million Flüchtlinge einzustellen und die Rationen für die verbleibenden 784.000 Menschen um 60 Prozent zu kürzen.

In Nakivale bedeutet Selbstversorgung unter anderem einen vom WFP betriebenen landwirtschaftlichen Betrieb auf staatlich bereitgestelltem Land, der Flüchtlinge und Einheimische zusammenbringt. Ergänzt wird dies durch vielfältige Aktivitäten – von Gemüsegärten und Fischzucht bis hin zu Schweinezucht und Spargruppen –, die in einem gemeinschaftlichen Ansatz organisiert sind.

„Sie haben uns beigebracht, wie wir uns auf den Tag vorbereiten können, an dem die Bargeldhilfe möglicherweise endet – wie wir damit umgehen, weitermachen und auf eigenen Beinen stehen können“ – Daforoza

„Sie haben uns beigebracht, wie wir uns auf den Tag vorbereiten können, an dem die Bargeldhilfe möglicherweise endet – wie wir damit umgehen, weitermachen und auf eigenen Beinen stehen können“, sagt Daforoza über das Projekt. (Zu ihrem Schutz wird ihr Nachname nicht genannt.) „Wir haben diese Lektionen gelernt und verinnerlicht.“

In Nakivale lernte Daforoza außerdem, Gemüse anzubauen, und wurde ermutigt, zu Hause einen eigenen Küchengarten anzulegen. WFP nahm sie in eine Spargruppe auf, in der sowohl Flüchtlinge als auch Ugander*innen vertreten sind, und führte die Gruppe später in die Fischzucht ein.

Die Einnahmen investierte sie in die Schweinezucht – mit dem Ziel, durch den Verkauf der Tiere ein kleines Unternehmen aufzubauen. Gleichzeitig knüpfte sie Freundschaften mit ugandischen Kolleginnen und Kollegen.

„Heute sind wir durch die Kashare-Gruppe für Widerstandsfähigkeit eine Gemeinschaft“, sagt Daforoza. „Wir besuchen uns, wir kennen uns und wir leben miteinander. Das ist mir sehr wichtig.“

„Es gibt so viel, was ich über dieses Projekt erzählen könnte“, sagt Sanyu Sylva, eine Uganderin und ebenfalls Mitglied des Nakivale-Projekts. Sie berichtet von den vielen Fähigkeiten, die sie erworben hat – von ertragreicheren Anbaumethoden über die Herstellung von Dünger bis hin zu Sparen, Haushaltsplanung und Investitionen. „Ich kann mein Wissen jetzt an andere weitergeben.“

Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden bewirtschaften gemeinsam Felder in Ruanda

A woman carrying a hoe stands in front of a field of tall green crops, with trees in the background. Photo: WFP/Arete/Mussa Uwitonze Samuel
In Rwanda's Mushishito marshland, Congolese refugee Christine is watching her crops and food security grow thanks to a Government-driven resilience project supported by WFP. Photo: WFP/Arete/Mussa Uwitonze Samuel 

Im Sumpfgebiet von Mushishito im Süden Ruandas beugt sich Christine über Reihen von Mais, Kartoffeln und Bohnen und arbeitet Seite an Seite mit anderen Landwirtinnen und Landwirten – begleitet von Gesprächen und Lachen. Noch vor nicht allzu langer Zeit war ihr Alltag von Unsicherheit geprägt.

„Lange Zeit saß ich zu Hause und hatte nichts zu tun“, sagt Christine aus der Demokratischen Republik Kongo, die neun Kinder hat und im Flüchtlingscamp Kigeme lebt.

Das änderte sich, als sie eine Durchsage hörte: Flüchtlinge wurden eingeladen, sich einer landwirtschaftlichen Initiative im nahegelegenen Sumpfgebiet anzuschließen. Das Projekt ist Teil eines umfassenden, von WFP unterstützten Regierungsprogramms, das Flüchtlinge in lokale landwirtschaftliche Genossenschaften integriert. Seit seinem Start im Jahr 2018 ist es stetig gewachsen und umfasst inzwischen Hunderte Flüchtlinge, die gemeinsam mit mehr als 1.000 Mitgliedern der Aufnahmegemeinschaften Landwirtschaft betreiben.

„Wenn man arbeitet und sieht, wie die Ernte wächst, hat man das Gefühl, dass das Leben wieder vorankommt“ – Christine, geflüchtet aus der Demokratischen Republik Kongo

Ruandische Landwirt*innen haben ihre individuellen Landflächen freiwillig von drei auf einen Hektar reduziert, um auch Flüchtlingen die Bewirtschaftung zu ermöglichen. Im Gegenzug bringen diese ihre Arbeitskraft und ihr Wissen ein – und stärken so die gemeinsamen Produktionssysteme.

Zahlreiche Spargruppen, die im Rahmen der Initiative entstanden sind, erleichtern zudem den Zugang zu Finanzmitteln. Die Ernten werden gebündelt und gemeinsam vermarktet – das steigert die Einkommen und liefert gleichzeitig Produkte für von WFP unterstützte Schulmahlzeitenprogramme.

„Wenn man arbeitet und sieht, wie die Ernte wächst, hat man das Gefühl, dass das Leben wieder vorankommt“, sagt Christine.

Das Projekt stärkt auch die Beziehungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen – etwa die zwischen dem ruandischen Landwirt Jean Damascene Mubiligi und dem kongolesischen Flüchtling Jean Damascene, für den er Kühe aufnahm.

„Durch die Zusammenarbeit ist unsere Freundschaft gewachsen“, sagt Damascene. Die beiden unterstützen sich heute gegenseitig – „nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Leben“.

Landwirtschaftsprojekte lindern den Hunger von Flüchtlingen in Äthiopien

A woman in a blue headscarf and two men maneuver an irrigation pipe with water gushing out in a field backdropped by trees. Photo: WFP/Mehedi Rahman
Somali refugee Sara (L) knows how to operate an irrigation pump and grow her family's harvests, thanks to a resilience project for refugees and local residents in Dollo Ado, Ethiopia. Photo: WFP/Elshaday Gebeyehu

Als Teenager brachte Saras Vater ihr bei, mutig zu sein. Jahre später, als sich die Gelegenheit bot, den Umgang mit einer Bewässerungspumpe zu erlernen, meldete sich die somalische Geflüchtete freiwillig.

„Ich bin die einzige Frau in dieser Gemeinde, die sie bedienen kann“, sagt Sara stolz über die solarbetriebene Pumpe, die die Landwirtschaft in den Dollo-Ado-Flüchtlingscamps im Südosten Äthiopiens, wo sie lebt, nachhaltig verändert hat.

Die Pumpe wird im Rahmen einer umfassenderen WFP-Initiative zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit bereitgestellt und steht für einen politischen Wandel: Die äthiopische Regierung setzt zunehmend auf Integration, Selbstständigkeit und gemeinsame Entwicklung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden.

„Indem wir Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden durch gemeinsame Bewässerungsprojekte, Bauerngruppen, Genossenschaften und Einkommensmöglichkeiten unterstützen, schaffen wir wirtschaftliche Perspektiven und stärken das Vertrauen rund um gemeinsame Ziele“, sagt Allan Mulando, Leiter des WFP-Programms für Klimaanpassung und Lebensgrundlagen in Äthiopien.

„Indem wir Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden unterstützen … schaffen wir wirtschaftliche Perspektiven und stärken das Vertrauen rund um gemeinsame Ziele.“ – Allan Mulando

Rund um die fünf Lager von Dollo Ado arbeiten WFP und Partner mit Hunderten von Flüchtlingen und einheimischen Äthiopier*innen zusammen. Die Maßnahmen reichen von der Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen bis hin zu Schulungen in Boden- und Wassermanagement sowie Schädlingsbekämpfung.

Die Teilnehmenden erhalten Saatgut und Unterstützung zur Modernisierung ihrer Anbaumethoden – etwa durch Tropfbewässerung, Gewächshäuser und solarbetriebene Bewässerungssysteme in einer Region, die häufig von Dürren betroffen ist.

Für Saras Familie hat das Projekt vieles verändert. Nachdem ihr Vater erkrankte und starb, musste sie die Schule abbrechen und half bei der Bewirtschaftung der Felder, auf denen sie Mais, Zwiebeln und andere Feldfrüchte anbauten.

„Der Zugang zu Wasser ist für uns kein Problem mehr“, sagt sie. „Solange wir Sonne haben, haben wir Wasser.“

Von Nahrungsmittelhilfe zur Selbstständigkeit im Tschad

A closeup of a smiling woman in a purple headscarf standing in a sandy field with trees in the background. Photo: WFP/Petroc Wilton
Sudanese refugee Mahassine has developed a real business thanks to a WFP-supported farming project in eastern Chad. Photo: WFP/Petroc Wilton

Im Osten des Tschad, wohin sie vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohen ist, hat Mahassine zwischen Okra-, Knoblauch- und Rübenbeeten eine neue Perspektive gefunden.

„Dieses Projekt hat uns eine große Chance eröffnet“, sagt sie und blickt über den von WFP unterstützten Gemüsegarten von Loumba-Massalit. „Früher habe ich vergeblich nach Arbeit gesucht. Heute arbeite ich jeden Tag und kann mir ein regelmäßiges Einkommen sichern.“

Gemeinsam mit Partnerorganisationen – etwa beim Aufbau von Wasserinfrastruktur und beim Anbau von Nahrungsmitteln – unterstützt WFP die Selbstversorgung der rund 1,5 Millionen Flüchtlinge im Tschad, einem der größten Aufnahmeländer Afrikas. Viele von ihnen sind, wie Mahassine, vor dem anhaltenden Konflikt im Sudan geflohen.

Die Projekte sind Teil eines umfassenden nationalen Entwicklungsplans, der darauf abzielt, das agrarische Potenzial des Landes besser zu nutzen. Gleichzeitig spiegeln sie den „Haguina“-Ansatz der Regierung wider – eine Initiative zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit, deren Name so viel bedeutet wie „es gehört uns“.

„WFP trägt dazu bei, einen grundlegenden Wandel im Tschad voranzutreiben: von der Nahrungsmittelhilfe hin zur nachhaltigen Entwicklung“, sagt Sarah Gordon-Gibson, WFP-Länderdirektorin im Tschad. 

„WFP trägt dazu bei, im Tschad einen grundlegenden Wandel voranzutreiben – von der Nahrungsmittelhilfe hin zu nachhaltiger Entwicklung“, sagt Sarah Gordon-Gibson, WFP-Länderdirektorin im Tschad. „Dieser Übergang ist entscheidend für Ernährungssicherheit und ein strategischer, kosteneffizienter Weg, um den Bedarf an humanitärer Hilfe zu senken, die lokale Wirtschaft zu stärken und Selbstversorgung zu fördern.“

Allein in Loumba-Massalit sind die Ergebnisse beeindruckend: Teilnehmende wie Mahassine haben 19 Hektar Gemüseanbauflächen erschlossen – etwa 27 Fußballfelder –, 13.000 Setzlinge gepflanzt und 30 Hektar Auffangbecken angelegt, um Regenwasser zu sammeln.

Die Ernten sichern inzwischen den Lebensunterhalt von Mahassines Familie – einschließlich Schulmaterial für ihre Kinder. Als nächsten Schritt möchte sie in Viehzucht investieren, um ihre Einnahmen weiter auszubauen.

„Vor allem in ihre Ausbildung“, sagt Mahassine, „damit sie sich später um mich kümmern können, wenn ich alt bin.“

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