WFP, UNICEF, WHO: Zur Lage im Jemen

Veröffentlicht am 26 Juli 2017

Wie diese Familie wissen rund 60 Prozent der Jemeniten nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll. Foto: WFP/Marco Frattini

Aden/Sanaa – Der Exekutivdirektor des UN World Food Programme (WFP) David Beasley ist derzeit im Jemen. Auf seiner Reise wird er begleitet von dem Exekutivdirektor des UN Kinderhilfswerks (UNICEF) Anthony Lake und Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die drei UN-Vertreter machen sich vor Ort ein Bild der humanitären Krise, um die kooperativen Anstrengungen für die Hilfe im Jemen voranzubringen. Eine gemeinsame Erklärung:

Das ist die schlimmste Cholera-Epidemie der Welt inmitten der größten humanitären Krise der Welt. Seit April 2017 gibt es 400.000 Fälle mit Verdacht auf Cholera. Etwa 1.900 Menschen sind vermutlich schon wegen dieser Krankheit verstorben. Das gesamte Gesundheitssystem, die Wasserversorgung und die Sanitäranlagen sind in den mehr als zwei Jahren der Feindseligkeiten lahmgelegt und bilden den idealen Nährboden für die weitere Verbreitung von Cholera.

Jemen steht am Rande einer Hungerkatastrophe. Bereits heute wissen 60 Prozent der Bevölkerung nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll. Etwa 2 Millionen Kinder sind akut unterernährt. Dadurch sind sie besonders anfällig für Cholera. Die Krankheit wiederum beschleunigt Unterernährung. Ein grausames Dilemma.

In einem Krankenhaus haben wir Kinder besucht, die mit letzter Kraft nach Luft ringen. Wir haben mit den Eltern gesprochen, die so sehr darunter leiden, dass ihre Kinder krank sind und sie die Familie nicht versorgen können.

Wichtige Infrastruktur des Landes, darunter medizinische Einrichtungen, Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen, ist beschädigt und zum Teil zerstört. Inmitten der chaotischen Zustände sind rund 16.000 Freiwillige im Einsatz, die von Haus zu Haus ziehen, um Familien über Schutzmaßnahmen vor Durchfall und Cholera zu informieren. Ärzte, Krankenschwestern und Helfer arbeiten rund um die Uhr, um Leben zu retten. Mehr als 30.000 medizinische Angestellte haben seit über zehn Monaten kein Gehalt bekommen, doch viele erscheinen weiterhin zur Arbeit. Wir befürchten, dass ohne ihre Hilfe Menschen sterben müssen, die sonst die Chance hätten, zu überleben. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese hoch engagierten Menschen nicht nur finanziell zu unterstützen.

Wir haben auch die wichtige Arbeit der lokalen Gemeinden und NGOs gesehen, die von internationalen Organisationen, so auch unseren, unterstützt werden. Wir haben mehr als 1.000 Zentren für Cholera-Erkrankte aufgebaut. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird stetig erweitert. Medizinische Geräte und Krankenwagen sind auf dem Weg.

Wir arbeiten innovativ mit der Weltbank zusammen, um auf die Bedürfnisse vor Ort zu reagieren und lokale Gesundheitseinrichtungen aufrechtzuerhalten.

Es gibt Hoffnung. Über 99 Prozent der Menschen, die mutmaßlich an Cholera erkrankt sind und Zugang zu medizinischer Versorgung haben, überleben. Und die Zahl der Kinder, die von akuter Mangelernährung betroffen sind, wird in diesem Jahr rückläufig sein.

Dennoch bleibt die Situation katastrophal. Tausende Menschen erkranken jeden Tag neu. Es bedarf nachhaltige Hilfe, um die Ausbreitung der Cholera zu stoppen. Fast 80 Prozent der jemenitischen Kinder brauchen dringend humanitäre Hilfe.

Bei unseren Treffen mit Regierungsvertretern in Aden und Sanaa riefen wir dazu auf, humanitären Helfern Zugang zu den Gebieten zu geben, die von Kämpfen betroffen sind. Über allem steht eine rasche friedliche und politische Lösung des Konflikts.

Die Jemen-Krise erfordert eine beispiellose Reaktion. WFP, UNICEF und WHO haben sich mit der jemenitischen Regierung und anderen Partnern zusammengeschlossen, um die Hilfe neu zu koordinieren, um Leben zu retten und auf künftige Krisen vorbereitet zu sein.

Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Unterstützung für die Menschen im Jemen zu verdoppeln. Wenn uns das nicht gelingt, wird die Katastrophe, die vor unseren Augen ausbrach, weiterhin unzählige Menschenleben fordern und künftige Generationen sowie die Zukunft des Landes gefährden.

Unterstützen auch Sie betroffene Familien im Jemen mit Ihrer Spende!