Ernährung – das richtige Essen in jeder Lebenslage


 Nothilfe nach Katastrophen wie dem Taifun Hayian

Bei jedem Entwicklungsprogramm und in jeder Notsituation stellt sich für das UN World Food Programme (WFP) zunächst die Frage, welche Hilfe die Menschen benötigen. Sind es Nahrungsmittel? Und wenn ja, welche und wie viele? Denn im Kampf gegen Hunger geht es nicht nur darum, Menschen mit Nahrung zu helfen, sondern mit der richtigen Nahrung – etwa für Kleinkinder, akut Mangelernährte oder Flüchtlinge.

Auf die richtige Nahrung kommt es an

Die Frage der richtigen Ernährung betrifft alle WFP-Programme. So müssen einerseits die Betroffenen von Naturkatastrophen und Konflikten schnell die passende Nahrung erhalten, um Hunger und Mangelernährung zu verhindern. Nach dem verheerenden Taifun Hayian 2013 auf den Philippinen hat WFP in kürzester Zeit Energiekekse zu den Menschen gebracht. Denn diese sind einfach zu transportieren und sofort verzehrbar – auch ohne Kochmöglichkeiten oder sauberes Wasser.

Nahrungsmittelkorb

Vertriebene mit Nothilfe in SyrienAndere Länder, andere Essgewohnheiten: Eine Notration für eine syrische Familie enthält Bulgur, Reis, Mehl, Linsen, Öl, Nudeln, Salz, Zucker, Bohnen und Hefe.

Doch auch außerhalb von Krisengebieten ist die richtige Nahrung zur richtigen Zeit ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Hunger und seine Folgen. Bis zu 2 Milliarden Menschen sind weltweit von Mangelernährung, “verstecktem Hunger”, betroffen. In Entwicklungsländern ist fast die Hälfte aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren auf unzureichende Ernährung zurückzuführen. WFP muss Mangelernährung deshalb nicht nur behandeln, sondern auch präventiv bekämpfen.

Ernährungshilfe lokal anpassen

Die WFP-Hilfe folgt jedoch keinem Universalrezept, sondern beachtet die weltweit unterschiedlichen Essgewohnheiten und die jeweilige Situtation der Menschen vor Ort. Ernährungsexperten des WFP beraten nach internationalen Standards jeweils neu über die Zusammensetzung eines Nahrungsmittelkorbs für eine Familie oder die Zutaten einer Mittagsmahlzeit für Schulkinder – je nachdem, welche Nahrungsmittel sich für eine bestimmte Region am besten eignen und die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen sicherstellen.

Verzehrfertige Zusatznahrung

Ernährungshilfe in BangladeschVerzehrfertige Zusatznahrung ist speziell an die Bedürfnisse unterernährter Kleinkinder angepasst. Plumpy’Sup ist bspw. eine auf Erdnuss basierende Paste, die auch Speiseöl und Trockenmilch enthält.

Die ersten Jahre sind entscheidend

Viele WFP-Programme sind gezielt darauf ausgerichtet, die Ernährungssituation von besonders durch Mangel- und Unterernährung gefährdeten Menschen wie HIV-Infizierten, Kranken, Schwangeren, stillende Müttern und Klein- und Waisenkindern zu verbessern.

Die ersten 1.000 Tage im Leben eines Kindes, von Beginn der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag, sind für seine weitere Entwicklung entscheidend: In diesem Zeitraum bilden sich beispielsweise 80 Prozent des Gehirns aus. WFP hilft Kleinkindern sowie schwangeren und stillenden Müttern daher mit angereicherter Spezialnahrung, wie dem innovativen Nahrungsmittel „Wawa Mum“, das in Pakistan Mangelernährung bei Kleinkindern verhindert. Eine Ration von nur 50 Gramm deckt den täglichen Grundbedarf an Vitaminen und Nährstoffen und kann direkt aus der Verpackung gegessen werden. Zusätzlich wird es aus lokalen Kichererbsen produziert, was die Wirtschaft vor Ort stärkt.

Ernährung von Müttern verbessern

Auch schwangere Frauen brauchen besondere Nährstoffe, denn vor und nach der Geburt haben sie einen höheren Bedarf an Kalorien, auch um ihr Kind ausreichend stillen zu können. Wenn eine Frau schon während der Schwangerschaft von Unter- oder Mangelernährung betroffen ist, dann leidet ihr Kind oft auch daran und so wird der Hunger buchstäblich vererbt. Deshalb ist es so entscheidend, alle Menschen zu einer ausgewogenen, eigenständigen Ernährung zu befähigen.

Regionale Produktion und gesunde Ernähung dauerhaft fördern

WFP setzt nicht nur Spezialnahrung ein, um Mangelernährung dauerhaft vorzubeugen, sondern fördert auch in Entwicklungsprogrammen Kleinbauern und Gemeinden, damit diese ihre Anbaumethoden verbessern und so ihre Erträge steigern können. Dabei achtet WFP darauf, dass die Gemeinden eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Nahrungsmitteln wie Getreide, Obst, Gemüse und Milchprodukten produzieren, damit diese selbst sicherstellen zu können, dass sie ausgewogen essen. In einer Studie aus Bangladesch fanden WFP-Wissenschaftlicher zudem heraus, dass sich bedürftige Familien gesünder ernähren können, wenn sie Bargeld erhalten, um eigenständig Nahrungsmittel einzukaufen und in speziellen Trainings lernen, daraus gesunde Mahlzeiten zuzubereiten. 

Buchtipp: "So isst der Mensch"

Essen weltweit

Eine Familie in Deutschland isst nicht das Gleiche wie eine Famillie in Japan oder Tschad. Der beeindruckende Fotoband von Peter Menzel zeigt, welche Nahrungsmittel Familien auf der ganzen Welt ernähren.