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Hunger in Afghanistan erfasst gut ausgebildete Städter*innen, da Jobs und Einkommen wegbrechen

Foto: WFP/Arete.  Eine Familie isst eine Mahlzeit in ihrem Haus in Mazar, Afghanistan, am 15. September 2021. WFP unterstützt Binnenvertriebene und bedürftige Familien mit Ernährungs- und Bargeldhilfe.
Foto: WFP/Arete. Eine Familie isst eine Mahlzeit in ihrem Haus in Mazar, Afghanistan, am 15. September 2021. WFP unterstützt Binnenvertriebene und bedürftige Familien mit Ernährungs- und Bargeldhilfe.
KABUL – Jobverluste, Mangel an Bargeld und steigende Preise führen zu Hunger in immer mehr Teilen der Gesellschaft, warnte heute das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Zum ersten Mal leiden Stadtbewohner*innen in ähnlichem Maße unter Hunger wie ländliche Gemeinden, die in den letzten drei Jahren zweimal von Dürre heimgesucht wurden.

Laut einer kürzlichen WFP-Umfrage haben nur fünf Prozent der Haushalte in Afghanistan täglich genug zu essen. Die Hälfte der Befragten gab an, dass ihnen in den letzten zwei Wochen mindestens einmal die Nahrungsmittel ausgegangen sind.

„Der Wirtschaftseinbruch in Afghanistan war abrupt und unerbittlich und hat die ohnehin schon schwierige Situation noch verschärft, während das Land mit der zweiten schweren Dürre innerhalb von drei Jahren zu kämpfen hat. Wir tun alles, was wir können, um die afghanischen Gemeinden in dieser wichtigen Zeit zu unterstützen“, sagte WFP- Landesdirektorin, Mary-Ellen McGroarty.

Auch die Mittelschicht hat zu kämpfen – nur zehn Prozent der Haushalte, die von einer Person mit weiterführendem Schulabschluss oder Hochschulbildung geführt werden, sind in der Lage, täglich ausreichend Nahrung für ihre Familie zu kaufen. Obwohl die Situation für weniger gebildete Menschen noch schlimmer ist, zeigt der nie zuvor dagewesene Hunger unter Familien, die bisher davon verschont geblieben waren, das Ausmaß der Krise in Afghanistan.

Im Schnitt finden Hauptverdiener*innen von Familien nur an einem Tag die Woche Arbeit. Angesichts rapide steigender Preise für Nahrungsmittel ist das kaum ausreichend. Der Preis von Speiseöl etwa hat sich seit 2020 fast verdoppelt und Weizen ist um 28 Prozent teurer geworden.

Afghanistan steht kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch verursacht durch den schnellen Abzug internationaler Hilfe und den fehlenden Zugang zu Vermögen im Ausland. Dies wiederum führt zu einer Bargeldkrise, einem drastischen Wertverlust der Landeswährung und einem plötzlichen Stopp ausländischer Investitionen. So werden immer mehr Familien in den Hunger getrieben, da Arbeitsplätze und Einkommen versiegen.

„WFP stellt sich der dringenden Herausforderung, die nun in zweierlei Hinsicht besteht. Erstens unterstützen wir weiterhin die gefährdetsten Menschen, um zu verhindern, dass akuter Hunger und Mangelernährung das Land verwüsten. Zweitens stärken wir die lokalen Kapazitäten, um Nahrungsmittel zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Zudem bieten wir kurzfristige Arbeitsmöglichkeiten, die zur Stabilisierung der Wirtschaft beitragen und den Familien Zugang zu Bargeld verschaffen“, so McGroarty weiter.

WFP hat in diesem Jahr 6,4 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe unterstützt. Das schließt mehr als 1,4 Millionen Menschen seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August ein. Die Programme von WFP wurden so angelegt, dass sie sowohl die unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen in Notsituationen decken als auch die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden stärken, damit sie in Krisenzeiten besser zurechtkommen.

WFP arbeitet gemeinsam mit den Gemeinden daran, ihre Fähigkeit zu stärken, das Katastrophenrisiko im Vorfeld zu verringern und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Gleichzeitig werden Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die in Krisenzeiten dringend benötigtes Bargeld bedeuten. Dazu gehören der Bau oder die Wiederherstellung von Straßen, Kanälen, Hochwasserschutzmauern und die Wiederaufforstung sowie die Berufsausbildung.

Während der schwierigen Wochen im August und September hat WFP die Schulmahlzeitenprogramme fortgesetzt, um Jungen und Mädchen in der Schule zu halten und Mangelernährung zu verhindern. Gleichzeitig wird die lokale Wirtschaft gestärkt, wenn Nahrungsmittel vor Ort produziert und gekauft werden.

„WFP befindet sich in einem Wettlauf mit der Zeit, um die bedürftigsten afghanischen Familien mit lebensrettender nährstoffreicher Ernährungshilfe zu versorgen. Wir brauchen dringend 200 Millionen US-Dollar, um noch vor dem Wintereinbruch Nahrungsmittel zu kaufen und bereitzustellen – wenn wir dieses Zeitfenster verpassen, werden die Folgen katastrophal sein“, warnte McGroarty.

 

Hinweis an Redakteur*innen:

  • Die Umfrage basiert auf Daten, die zwischen dem 21. August-16. September durch telefonische Befragungen von mehr als 1.600 Haushalten in 34 Provinzen erhoben wurden.
  • 14 Millionen Menschen leiden akut Hunger, darunter zwei Millionen Kinder, die von Mangelernährung bedroht sind. In 27 von 34 Provinzen herrscht akute Mangelernährung.

 

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Videomaterial in Sendequalität hier

                                      

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Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist Träger des Friedensnobelpreises 2020. Wir sind die größte humanitäre Organisation der Welt, retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

Themen

Afghanistan Geflüchtete und Migration Gesicherte Ernährung Bargeldtransfers

Kontakt

Martin Rentsch

Pressesprecher

Tel. +49 30 20 614929

Mob. +49 160 99 26 17 30