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Akute Ernährungsunsicherheit steigt auf Fünf-Jahres-Hoch, warnt globaler Bericht zu Ernährungskrisen

WFP/Marco Frattini, Ein Kind verzehrt PlumpySub zur Behandlung mäßig akuter Mangelernährung (MAM) PlumpySup
WFP/Marco Frattini, Ein Kind verzehrt PlumpySub zur Behandlung mäßig akuter Mangelernährung (MAM) PlumpySup.
Rom – Die Zahl der Menschen, die akut Hunger leiden und dringend Hilfe benötigen, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten, hat 2020 in den von Ernährungskrisen betroffenen Ländern einen Fünf-Jahres-Höchststand erreicht. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Jahresbericht des Global Network Against Food Crises (GNAFC) hervor – einer internationalen Allianz aus UN, EU, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die gemeinsam Ernährungskrisen bewältigen. Konflikte, wirtschaftliche Schocks – auch wegen COVID-19 und extreme Wetterereignissen – haben 2020 mindestens 155 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit gebracht.

Die eindringliche Warnung des Globalen Berichts über Ernährungskrisen (Global Report on Food Crises) 2021 zeigt, dass Konflikte oder wirtschaftliche Schocks, die oft mit COVID-19 zusammenhängen, sowie extreme Wetterbedingungen weiterhin Millionen von Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stürzen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts:
Der Bericht zeigt, dass 2020 mindestens 155 Millionen Menschen in 55 Ländern/Gebieten von akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau (IPC/CH Phase 3 oder schlimmer) – oder gleichwertig –  betroffen waren. Das ist ein Anstieg von rund 20 Millionen Menschen im Vergleich zum Vorjahr. Der Bericht warnt eindringlich vor einem besorgniserregenden Trend: Die akute Ernährungsunsicherheit ist seit 2017 – der ersten Ausgabe des Berichts – unaufhaltsam gestiegen.

Davon befanden sich 2020 rund 133.000 Menschen in der schwersten Phase akuter Ernährungsunsicherheit – der Katastrophe (IPC/CH-Phase 5) – in Burkina Faso, Südsudan und Jemen, wo dringender Handlungsbedarf bestand, um weit verbreitete Todesfälle und einen Zusammenbruch der Lebensgrundlagen abzuwenden.

Mindestens weitere 28 Millionen Menschen in 38 Ländern/Gebieten, in denen dringende Maßnahmen Leben und Lebensgrundlagen retteten und eine Ausbreitung der Hungersnot verhinderten, waren 2020 von akuter Ernährungsunsicherheit (IPC/CH Phase 4) betroffen – was bedeutet, dass sie nur einen Schritt vom Hungertod entfernt waren.

Neununddreißig Länder/Gebiete haben in den fünf Jahren, in denen die GNAFC ihren Jahresbericht veröffentlicht, Ernährungskrisen erlebt; in diesen Ländern/Gebieten stieg die von hoher akuter Ernährungsunsicherheit (IPC/CH Phase 3 oder schlechter) betroffene Bevölkerung zwischen 2016 und 2020 von 94 auf 147 Millionen Menschen.

Darüber hinaus waren in den 55 Ländern/Gebieten, die von dem Bericht erfasst werden, 2020 mehr als 75 Millionen Kinder unter fünf Jahren "stunted" (zu klein für ihr Alter) und mehr als 15 Millionen "wasted" (zu dünn).

Länder in Afrika sind weiterhin überproportional von akutem Hunger betroffen. Fast 98 Millionen Menschen, die 2020 von akutem Hunger betroffen waren – zwei von drei Menschen – leben auf dem afrikanischen Kontinent. Aber auch andere Teile der Welt blieben nicht verschont: Länder wie Jemen, Afghanistan, Syrien und Haiti gehörten im vergangenen Jahr zu den zehn schlimmsten Ernährungskrisen.

Die wichtigsten Faktoren für den Anstieg des akuten Hungers in 2020 waren:
- Konflikte (Haupttreiber, der fast 100 Millionen Menschen in 20 Ländern/Gebieten in akuten Hunger trieb, gegenüber 77 Millionen im Jahr 2019);
- wirtschaftliche Schocks – oft aufgrund von COVID-19 – lösten Wetterereignisse als zweite Triebkraft für akuten Hunger ab, sowohl in Bezug auf die Anzahl der betroffenen Menschen als auch der Länder (über 40 Millionen Menschen in 17 Ländern/Gebieten, gegenüber 24 Millionen und 8 Ländern im Jahr 2019); und,
- Wetterextreme (rund 16 Millionen Menschen in 15 Ländern/Gebieten, gegenüber 34 Millionen in 25 Ländern/Gebieten).

Während Konflikte auch 2021 die Hauptursache für Ernährungskrisen sein werden, werden COVID-19 und damit verbundene Eindämmungsmaßnahmen sowie Wetterextreme akuten Hunger in fragilen Volkswirtschaften weiter verschärfen.

Statement des Global Network Against Food Crises:
"Ein Jahr nachdem die COVID-19-Pandemie ausgerufen wurde, sind die Aussichten für 2021 und darüber hinaus düster. Konflikte, pandemiebedingte Einschränkungen, die zu wirtschaftlicher Not führen, und die anhaltende Bedrohung durch ungünstige Wetterbedingungen werden wahrscheinlich weiterhin zu Ernährungskrisen führen", erklärte die Europäische Union (EU), die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO), das UN World Food Programme (WFP) – allesamt Gründungsmitglieder des Globalen Netzwerks – zusammen mit USAID in einem gemeinsamen Statement, das mit dem Bericht veröffentlicht wurde.

"Die COVID-19-Pandemie hat die Fragilität des globalen Ernährungssystems und die Notwendigkeit für gerechtere, nachhaltigerer und widerstandsfähigerer Systeme offenbart, um bis 2030 8,5 Milliarden Menschen nahrhaft und konstant zu ernähren. Eine radikale Transformation unserer Agrar- und Ernährungssysteme ist notwendig, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen."

"Der langwierige Charakter der meisten Ernährungskrisen zeigt, dass langfristige ökologische, soziale und wirtschaftliche Trends, die durch zunehmende Konflikte und Unsicherheiten verstärkt werden, die Widerstandsfähigkeit der Agrar- und Ernährungssysteme untergraben. Wenn die gegenwärtigen Trends nicht umgekehrt werden können, werden Ernährungskrisen an Häufigkeit und Schwere zunehmen."

Um diese Herausforderungen anzugehen, wird das Global Network seine Bemühungen zur Förderung widerstandsfähiger Agrar- und Ernährungssysteme – die sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig sind – verstärken und in diesem Jahr wichtige Veranstaltungen wie den UN Food Systems Summit, die Konvention zur Biodiversität, den G20-Gipfel, die Klimakonferenz und den Nutrition For Growth Summit unterstützen. Sie wird auch mit der G7-Initiative zur Vermeidung von Hungersnöten zusammenarbeiten.

Das Global Network betont die Notwendigkeit, dringend und entschlossen zu handeln, und ruft die internationale Gemeinschaft auf, sich gegen den Hunger zu mobilisieren.

Botschaft des UN-Generalsekretärs:
"Konflikte und Hunger verstärken sich gegenseitig. Wir müssen Hunger und Konflikte gemeinsam angehen, um beides zu lösen... Wir müssen alles tun, um diesen Teufelskreis zu beenden. Die Bekämpfung von Hunger ist eine Grundlage für Stabilität und Frieden", sagte António Guterres, UN-Generalsekretär, im Vorwort des Berichts.

Im März 2021 richtete Guterres eine hochrangige Task Force zur Verhinderung von Hungersnöten ein, die vom Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten und UN-Nothilfekoordinator, Mark Lowcock, zusammen mit FAO und WFP sowie mit Unterstützung von OCHA und anderen UN-Organisationen und NGO-Partnern geleitet wird. Ziel der Task Force ist es, koordinierte, hochrangige Aufmerksamkeit auf die Prävention von Hungersnöten zu lenken und Unterstützung für die am stärksten betroffenen Länder zu mobilisieren.

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht und das Statement des Global Network.

Video in Broadcast-Qualität finden Sie hier und Fotos hier.

Hinweis für Redakteur*innen
Akute Ernährungsunsicherheit liegt vor, wenn die Unfähigkeit einer Person, sich ausreichend zu ernähren, ihr Leben oder ihre Existenzgrundlage unmittelbar gefährdet. Sie basiert auf international anerkannten Maßstäben für extremen Hunger, wie der Integrierten Klassifizierung der Ernährungssicherheitsphase (IPC) und dem Cadre Harmonisé. Akute Ernährungsunsicherheit ist nicht dasselbe wie chronischer Hunger, über den der jährliche UN-Bericht "State of Food Security and Nutrition in the World" berichtet. Chronischer Hunger liegt vor, wenn eine Person nicht in der Lage ist, über einen längeren Zeitraum genügend Nahrung zu sich zu nehmen, um einen normalen, aktiven Lebensstil zu führen.

Das 2016 von der EU, FAO und WFP gegründete Globale Netzwerk gegen Ernährungskrisen (Global Network Against Food Crises) ist ein Zusammenschluss von humanitären und entwicklungspolitischen Akteuren, die gemeinsam daran arbeiten, Ernährungskrisen vorzubeugen, sich darauf vorzubereiten und darauf zu reagieren und das nachhaltige Entwicklungsziel 2 (Hunger beenden) zu unterstützen.

Der Global Report on Food Crises ist die Flaggschiff-Publikation des Global Network und wird vom Food Security Information Network (FSIN) unterstützt. Der Bericht ist das Ergebnis eines konsensbasierten und von mehreren Partnern durchgeführten Analyseprozesses, an dem 16 internationale humanitäre und Entwicklungspartner beteiligt waren (vollständige Liste hier).

Hochrangige Auftaktveranstaltung
Eine hochrangige Auftaktveranstaltung wird führende humanitäre und entwicklungspolitische Akteure zusammenbringen, um die Ergebnisse des Globalen Berichts zu diskutieren und eine gemeinsame Antwort auf die akute Hungersituation zu finden, mit der die Welt heute konfrontiert ist. Die virtuelle Veranstaltung beginnt am 5. Mai um 14.30 Uhr römischer Zeit und kann hier per Live-Webcast verfolgt werden.

 

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Das UN World Food Programme (WFP) ist Träger des Friedensnobelpreises 2020. Wir sind die größte humanitäre Organisation der Welt, retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

 

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