WFP reduziert Hilfe in Syrien wegen Finanzierungslücken
Obwohl es in Teilen des Landes Anzeichen für eine Stabilisierung gibt, sind weiterhin 7,2 Millionen Menschen in Syrien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – darunter 1,6 Millionen in besonders schwerer Lage. Viele Familien können ihren täglichen Nahrungsbedarf nicht mehr decken. Sie reduzieren Portionsgrößen, greifen zu weniger nahrhaften Lebensmitteln oder lassen Mahlzeiten ganz aus. Dieser anhaltende Mangel erhöht das Risiko von Mangelernährung, insbesondere bei Kindern. Erschwingliche Grundnahrungsmittel wie Brot sind unter diesen Bedingungen ein entscheidender Schutz vor weiterem Hunger. Gleichzeitig stehen viele Haushalte weiterhin unter starkem wirtschaftlichem Druck, verlieren Einkommensquellen und kämpfen mit den Folgen von Vertreibung – etwa wenn Familien zurückkehren und Gemeinden an ihre Belastungsgrenzen stoßen.
Das Programm zur Subventionierung von Brot war für viele Menschen eine unverzichtbare Unterstützung, da es dieses Grundnahrungsmittel bezahlbar hielt. WFP versorgte im Rahmen des Programms mehr als 300 Bäckereien mit angereichertem Weizenmehl und ermöglichte so, dass täglich bis zu vier Millionen Menschen in besonders betroffenen Regionen subventioniertes Brot erhalten konnten. Als eines der letzten verbliebenen Sicherungsnetze birgt jede Unterbrechung das Risiko, den Hunger weiter zu verschärfen, Familien zu immer extremeren Bewältigungsstrategien zu zwingen und eine wichtige Grundlage für Erholung und Stabilität zu gefährden.
Im Jahr 2025 erreichte WFP insgesamt 5,8 Millionen Menschen in allen 14 Gouvernements Syriens – durch eine Kombination aus Nahrungsmittelhilfe, Brot-Subventionen, Ernährungsprogrammen, Maßnahmen zur Sicherung von Einkommen sowie sozialer Sicherung. Trotz dieser lebenswichtigen Programme führen anhaltende Finanzierungslücken nun dazu, dass die Unterstützung weiter eingeschränkt werden muss – von bisher 14 auf nur noch sieben Gouvernements.
„Die Reduzierung der Unterstützung durch WFP ist ausschließlich auf fehlende finanzielle Mittel zurückzuführen – nicht auf einen geringeren Bedarf“, sagte Marianne Ward, Landesdirektorin von WFP in Syrien. „Dies ist ein entscheidender Moment für Syrien. Die Erholung bleibt fragil, der Bedarf ist weiterhin enorm, und wir sind gezwungen, ein essenzielles Sicherheitsnetz gerade dann zurückzufahren, wenn die Menschen es am dringendsten brauchen. Das hat gravierende Folgen für Ernährungssicherheit, sozialen Zusammenhalt und Stabilität und lässt besonders gefährdete Familien mit noch weniger Möglichkeiten zurück, ihren Alltag zu bewältigen.“
Auch syrische Geflüchtete in den Nachbarländern sind von den Finanzierungslücken betroffen. Steigende Lebenshaltungskosten, anhaltende Unsicherheit und begrenzte Einkommensmöglichkeiten verschärfen ihre ohnehin prekäre Lage zusätzlich. Im Libanon sind viele geflüchtete Haushalte weiterhin stark auf Unterstützung angewiesen. In Jordanien musste WFP die bargeldbasierte Nahrungsmittelhilfe für 135.000 syrische Geflüchtete in Aufnahmegemeinden einstellen, während rund 85.000 Menschen in Camps nur noch reduzierte Unterstützung erhalten. In Ägypten sind 20.000 Syrerinnen und Syrer von Kürzungen betroffen.
„In der gesamten Region spüren besonders gefährdete Familien die kumulierten Auswirkungen langanhaltender Krisen, steigender Kosten und schwindender Hilfe“, sagte Samer Abdeljaber, Regionaldirektor von WFP für den Nahen Osten, Nordafrika und Osteuropa. „Ohne dringende und verlässliche Finanzierung drohen wir jahrelange Fortschritte zu verlieren und Millionen Menschen weiter in Ernährungsunsicherheit zu treiben – sowohl in Syrien selbst als auch in den Nachbarländern, die Geflüchtete aufnehmen. Damit geraten auch die Perspektiven für Stabilität und Erholung insgesamt in Gefahr.“
Für die kommenden sechs Monate (Juni bis November 2026) benötigt WFP 189 Millionen US-Dollar, um lebensrettende Hilfe in Syrien aufrechtzuerhalten und schrittweise wieder auszubauen. Eine rechtzeitige Finanzierung würde es ermöglichen, 1,6 Millionen besonders gefährdete Menschen zu erreichen, wichtige Ernährungsprogramme fortzuführen, den Zugang zu erschwinglichem Brot für Millionen Menschen zu sichern und eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern – in einer Phase, die entscheidend für die Erholung Syriens ist.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konzentriert sich WFP weiterhin auf lebensrettende Nothilfe, gezielte Ernährungsprogramme sowie die Unterstützung von Lebensgrundlagen und staatlichen Strukturen. Gleichzeitig arbeitet WFP eng mit seinen Partnern zusammen, um zusätzliche Mittel zu mobilisieren und die Hilfe auszuweiten, sobald entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen.
# # #
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist die größte humanitäre Organisation der Welt im Kampf gegen den Hunger. Wir retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.
Folgen Sie uns auf X (vormals Twitter) @WFP_DE
Kontakt
Martin Rentsch
Pressesprecher
+49 160 99 26 17 30
martin.rentsch@wfp.org
Svenja von Reuss
Pressereferentin
+49 151 29121845
svenja.vonreuss@wfp.org