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Was ist El Niño, was hat es mit Hunger zu tun, und was unternimmt WFP dagegen?

El Niño ist ein heftiges wiederkehrendes Klimaphänomen, welches das Wetter global beeinträchtigt. Hier erklären wir, wie es weltweit Hunger in die Höhe treibt und was das UN-Welternährungsprogramm (WFP) tut, um Menschen vor den Auswirkungen zu schützen.
Child with backpack walks through knee‑deep floodwater, holding shoes, as homes, trees and debris line a flooded street in a damaged neighbourhood.
Ein Kind watet durch das Wasser in Ulvira im östlichen Teil der demokratischen Republik Kongo. Durch El Niño ausgelöster Starkregen hatte den See Tanganyika im Jahr 2024 aus seinen Ufern treten lassen. Photo: WFP/Benjamin Anguandia 

El Niño ist einer der stärksten Treiber von globalen Wetterverhältnissen, Klimabedingungen, und Hungersnöten. Der aktuelle El Niño hat bereits begonnen und es wird erwartet, dass er im Laufe des Jahres 2026 zu einer der stärksten bisherigen Versionen des Phänomens anwachsen wird, die bisher gemessen wurden. Diese Prognose verstärkt die Sorge um Ernährungssicherheit in gefährdeten Regionen. Da die Auswirkungen von El Niño Monate im Voraus vorhergesagt werden können, existiert jedoch ein klar festgelegtes Zeitfenster, um Schutz für Menschen in ernährungsunsicheren Regionen vorzubereiten und entsprechende Maßnahmen zu treffen, um verheerende Folgen einzudämmen.

Was ist El Niño und wie kann es zu mehr Hunger führen? 

El Niño ist die warme Phase der El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO), eines natürlichen wiederkehrenden Klimaphänomens, das globale Wetterverhältnisse beeinflusst und das Risiko für Überflutungen, Dürren, Stürme, Brände, und Hitzewellen weltweit erhöht.  

El Niño kann in manchen Regionen Dürren und in anderen Überflutungen verursachen – und in manchen Gebieten sogar beides. Diese Extrembedingungen beschädigen Ernten, Viehbestände und Infrastruktur. Dadurch kann die Nahrungsmittelproduktion zurückgehen und die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln beeinträchtigt werden. Wenn weniger Mittel zur Verfügung stehen, steigen die Preise und Essen wird weniger bezahlbar – besonders für Kleinbauern und Hirten, deren Lebensgrundlage von regelmäßigen Regenfällen abhängt. Wenn solche klimatischen Schocks mit bereits vorhandenen Herausforderungen wie militärischen Konflikten zusammenspielen, kann Hunger dramatisch ansteigen. 

El Niño kann außerdem Regionen beeinflussen, die für die weltweite Nahrungsmittelproduktion von großer Bedeutung sind.  Das hat Auswirkungen auf Angebot und Preise, weit über die direkt betroffenen Gebiete hinaus spürbar sind.  

Was ist der Unterschied zwischen El Niño und La Niña?

El Niño und La Niña sind entgegengesetzte Phasen desselben ENSO-Zyklus.

  • El Niño ist die warme Phase. Dabei steigen die Temperaturen an und die Muster von Regenfällen werden unregelmäßig. Häufig kommt es dann in manchen Regionen zu Dürren und in anderen zu Überschwemmungen. 

  • La Niña ist die kalte Phase. Dabei sinken die Temperaturen im Ozean und Wettersysteme werden auf andere – häufig ebenfalls extreme – Arten beeinflusst. Häufig kommt es dann in manchen Regionen zu Überschwemmungen und in anderen zu Dürren. 

Die Ereignisse finden nicht zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr statt, sondern wechseln sich innerhalb desselben Zyklus ab. Sie entwickeln sich typischerweise über das Jahr hinweg, laufen zum Ende des Jahres auf einen Höhepunkt zu, und beeinflussen Wettersysteme für mehrere Monate. 

Beide Phasen können Landwirtschaft, den Zugang zu Wasser, und Ernährungssicherheit beeinträchtigen und wurden in der Vergangenheit mit Hungersnöten in Verbindung gebracht. 

World map showing El Niño impacts: red areas face drought, blue areas heavy rain, with 22 high-risk countries highlighted across Africa, Asia and Latin America.

Befinden wir uns in El Niño or La Niña - und welche Auswirkungen hat das auf Hunger? 

Erste Anzeichen für einen El Niño wurden bereits bestätigt und Prognosen gehen mit einer 80-90 % Wahrscheinlichkeit dafür aus, dass sich das Phänomen über das Jahr 2026 hinwegverstärken wird. Damit werde es möglicherweise zu einem der stärksten bisher gemessenen El Niños. Solche Prognosen sind entscheidend, da sie es Regierungen und humanitären Organisationen wie WFP erlauben, früh zu handeln – bevor Dürren oder Überflutungendie Nahrungsmittelproduktion und Einkommen beeinträchtigen. 

Obwohl sich das Phänomen noch in einer frühen Phase befindet, sind seine potenziellen Auswirkungen beträchtlich. Das El Niño der Jahre 2015-2016 betraf die Ernährungssicherheit von etwa 60 Millionen Menschen. Das zeigt, wie Klimaschocks weitreichende Hungerkrisen auslösen können.  

Dieser nächste El Niño spielt sich in einer Zeit ab, zu der unsere Ernährungssysteme bereits unter Spannung stehen. Hohe Energie- und Düngemittelpreise – teilweise ausgelöst durch größere geopolitische Spannungen –prägen schon jetzt Entscheidungen über Anbau, Produktion, und Kosten von Nahrungsmitteln. Zusammengenommen verstärken diese Faktoren das Risiko, dass Klimaschocks mehr Menschen in den Hunger treiben könnten.  

Wo wird El Niño die Ernährungssicherheit wahrscheinlich am stärksten bedrohen? 

El Niño beeinträchtigt unterschiedliche Regionen auf verschiedene Arten. Hunger wird dort am drastischsten steigen, wo Klimaschocks sich auf bereits bestehender Instabilität treffen: 

  • Im Südlichen Afrika und dem Sahel kann Dürre ganze Ernten beeinträchtigen und verfügbares Weideland reduzieren, und damit die Wahrscheinlichkeit für Nahrungsmittelknappheit erhöhen. 

  • Am Horn von Afrika kann Starkregen zu Überschwemmungen führen, was Ernten beschädigt und die Märkte destabilisiert. 

  • In Zentralamerika und der Karibik können lange Trockenphasen die Erträge von Kleinbauern reduzieren.  

  • In Teilen Asiens und des Pazifiks kann eine Mischung aus Dürren und Überschwemmungen den Anbau wichtiger Grundnahrungsmittel beeinträchtigen. 

In diesen Regionen sind viele Gemeinschaften von regenbasierter Landwirtschaft abhängig und haben nur begrenzte Kapazitäten, Schocks aufzufangen. Das bedeutet, dass bereits kleine Störungen schnell die Verfügbarkeit von und den Zugang zu Nahrungsmitteln beeinträchtigen können. 

Was tut WFP, bevor El Niño zu einer Hungerkatastrophe wird? 

WFP konzentriert sich auf einen Ansatz, der als "Vorausschauende Hilfe" bezeichnet wird. Dabei nutzen wir klimatische Prognosen und Frühwarnsysteme, um gemeinsam mit Partnern so früh wie möglich zu handeln und Lebensgrundlagen zu schützen. So hilft WFP Familien dabei, negative Bewältigungsstrategien wie den Verkauf von Verkauf von Nutztieren oder das Auslassen von Mahlzeiten zu verhindern. 

In unseren Programmen passiert das bereits:  

  • Im zentralamerikanischen Trockenkorridor erhalten mehr als 76.000 Menschen Unterstützung durch Bargeld, Nahrungsmittel und praktische Anleitung angesichts einer möglichen Dürre, um sie beim Schutz ihrer Ernte und dem Rationieren von Wasservorräten zu unterstützen. 

  • Im Sahel werden etwa 290.000 Menschen durch Bargeldhilfe und Frühwarn-Informationen unterstützt. Dies erlaubt es ihnen, essentielle Vorräte anzulegen und sich vorzubereiten, bevor unüblich schwache Regenfälle Anbau und Ernte beeinflussen. 

Andere Maßnahmen sind der Ausbau von Wassersystemen inklusive Bewässerung und Schutz vor Überflutung, und disaster risk financing durch Nutzung von Rücklagen, Krediten und Versicherungen. 

Durch frühes Handeln hilft WFP beim Schutz der Nahrungsmittelproduktion und der Stabilisierung von Märkten. Die Notwendigkeit von späteren Maßnahmen zur Krisenbewältigung wird dadurch reduziert.  

Warum kostet vorausschauendes Handeln weniger als spätere Unterstützung?

Da El Niño im Voraus prognostiziert werden kann, lassen sich Maßnahmen ergreifen, bevor die negativen Auswirkungen ihren Höhepunkt erreichen. Jeder US Dollar, der in vorausschauendes Handeln investiert wird, kann bis zu sieben US Dollar an vermiedenen Verlusten generieren. Einfach gesagt: Es ist günstiger, Lebensgrundlagen vor einem Schock zu schützen, als sie im Nachhinein wieder aufzubauen.  Gleichzeitig profitieren betroffene Familien stärker von frühzeitiger Unterstützung. 

Warum ist WFP gut aufgestellt, um auf einen Notfall wie El Niño zu reagieren?

WFP vereint globale Reichweite, Expertise in Frühwarnsystemen und die operative Kapazität, um Lebensmittelkrisen vor, während und nach ihrem Eintreten zu begegnen. Darüber hinaus unterstützt WFP Regierungen dabei, ihre Vorsorge zu stärken und wirksame Reaktionsmechanismen aufzubauen.  

Das ist gerade bei El Niño besonders wichtig, da es sich um ein vorhersehbares Klimaphänomen handelt. Die verfügbaren Prognosen ermöglichen es, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen und Menschen bereits vor dem Eintreten der schwersten Auswirkungen zu unterstützen. 

Während des El Niño der Jahre 2023-2024 haben WFP und Partner Millionen von Menschen mit frühzeitiger Unterstützung erreicht, unter anderem in von Dürre betroffenen Gebieten im Südlichen Afrika. Dies hat Familien dabei geholfen, Ernten und Nutztiere zu schützen, Nahrungsmittelkonsum aufrecht zu erhalten und Verluste zu reduzieren, während die äußeren Bedingungen sich verschlechterten. 

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