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Countdown zur Katastrophe im Jemen beginnt: Finanzierung für Ernährungshilfe schwindet

SANA’A – Der Jemen steuert auf eine Katastrophe zu, da die Mittel für humanitäre Hilfe versiegen und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) gezwungen ist, Ernährungshilfe für Millionen hungernder Familien zu kürzen, warnte WFP-Exekutivdirektor David Beasley heute zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in dem konfliktgeplagten Land.

"Wir haben keine andere Wahl, als Essen von den Hungernden zu nehmen, um die Verhungernden zu ernähren, und wenn wir nicht sofort Mittel erhalten, laufen wir Gefahr, in ein paar Wochen nicht einmal mehr die Verhungernden ernähren zu können. Das wird die Hölle auf Erden sein", sagte Beasley.

Die Eskalation des Konflikts in der Ukraine wird wahrscheinlich zu einem weiteren Anstieg der Treibstoff- und Nahrungsmittelpreise und insbesondere der Getreidepreise in dem von Importen abhängigen Land führen. In weiten Teilen des Jemen haben sich die Nahrungsmittelpreise im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, so dass mehr als die Hälfte des Landes auf Ernährungshilfe angewiesen ist. Höhere Nahrungsmittelpreise werden noch mehr Menschen in den Teufelskreis von Hunger und Abhängigkeit von humanitärer Hilfe stürzen.

WFP unterstützt monatlich 13 Millionen Menschen in Jemen mit Ernährungshilfe, war jedoch zu Beginn des Jahres gezwungen, die Nahrungsmittelrationen für acht Millionen Menschen zu halbieren, da die Mittel nicht ausreichten. Fünf Millionen Menschen, die unmittelbar davon bedroht sind, in eine Hungersnot abzurutschen, erhielten weiterhin eine volle Nahrungsmittelration.

Doch ohne sofortige finanzielle Unterstützung werden noch stärkere Kürzungen unvermeidlich sein, und Millionen Hungernde möglicherweise überhaupt keine Nahrungsmittel erhalten. Für die Jemenit*innen könnte der Zeitpunkt nicht schlechter sein. Die Auswirkungen der eskalierenden Kämpfe und die anhaltende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage macht es Familien schwer, etwas zu essen auf den Tisch zu bringen.

Beasley traf mit Regierungsvertreter*innen zusammen und verbrachte Zeit mit Familien in Krankenhäusern und Nahrungsmittelverteilzentren in den Gouvernements Aden, Sana'a und Amran. In diesen Gouvernements sind die Ausmaße des Hungers alarmierend. In Amran zeigen Analysen zu Ernährungssicherheit 2020, dass in einigen Gebieten hungersnotähnliche Zustände herrschen.

WFP-Exekutivdirektor David Beasley erfuhr aus erster Hand, welche Auswirkungen die Kürzungen der Hilfe auf das Leben der Familien haben. Er sprach mit einer Mutter, die ihr schwer mangelernährtes Kind in einem Krankenhaus in Amran pflegt. Sie sei aus Hajjah an der Front vertrieben worden und hätte in ihrem Haus bleiben können, wenn sie Nahrungsmittel für ihre Kinder erhalten hätte. Stattdessen musste sie ihre Möbel und Schafe verkaufen und nahm ihre Kinder mit auf die Suche nach Nahrung und Sicherheit.

"Es ist weniger als ein Jahr her, dass ich im Jemen war, und die Lage ist schlimmer, als man sich vorstellen kann. Der Jemen steht wieder am Ausgangspunkt von 2018, als wir uns vom Rande einer Hungersnot zurückkämpfen mussten, aber die Gefahr ist heute realer denn je", sagte Beasley. "Und gerade wenn man denkt, dass es nicht noch schlimmer werden kann, wacht die Welt auf und sieht sich mit einem Konflikt in der Ukraine konfrontiert, der wahrscheinlich zu einer wirtschaftlichen Verschlechterung auf der ganzen Welt führen wird, insbesondere für Länder wie Jemen, die von Weizenimporten aus der Ukraine und Russland abhängig sind. Die Preise werden steigen und die ohnehin schon schlimme Situation noch verschlimmern."

WFP benötigt in den nächsten sechs Monaten 800 Millionen US-Dollar, um den 13 Millionen Menschen, die bisher unterstützt wurden, in vollem Umfang helfen zu können.

Im vergangenen Jahr hat WFP Familien im Jemen mit mehr als eine Million Tonnen Nahrungsmittel und über 330 Millionen US-Dollar in Form von Bargeld unterstützt.

 

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Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist Träger des Friedensnobelpreises 2020. Wir sind die größte humanitäre Organisation der Welt, retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

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