Skip to main content

WFP warnt: Steigende Lebensmittel‑ und Treibstoffpreise könnten den globalen Hunger weiter verschärfen

KAIRO / BEIRUT / ROM – Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnt, dass die steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreise, ausgelöst durch die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, weitreichende Folgen haben könnten. Der Hunger unter gefährdeten Bevölkerungsgruppen in der Region und darüber hinaus könnte sich weiter verschärfen. Die Eskalation hat bereits verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung, die die Hauptlast der Gewalt durch massenhafte Vertreibung, den Verlust von Menschenleben und die Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur trägt.

Der Konflikt unterbricht Lieferketten, treibt Kosten in die Höhe treibt und schwächt die Kaufkraft von Familien. Das könnte bereits notleidende Familien in schweren Hunger stürzen.

WFP hat die frühen Auswirkungen des Konflikts auf Ernährungssicherheit und humanitäre Hilfe analysiert und weitet Nothilfemaßnahmen in der Region aus, um der wachsenden Not gerecht zu werden.

Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit:

  • Der Konflikt hat bereits unmittelbare Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit im Nahen Osten. Im Libanon kommt es zu erheblicher Binnenvertreibung innerhalb einer Bevölkerung, die seit mehreren Jahren mit akutem Hunger zu kämpfen hat.
  • Im Iran verschärfen bestehende wirtschaftliche Belastungen die Krise zusätzlich. Wirtschaftliche Stagnation, hohe Lebensmittelinflation und ein rapider Wertverfall der Währung hatten bereits vor dem aktuellen Konflikt zu wachsender Ernährungsunsicherheit geführt – und lassen den Haushalten nur geringen Spielraum, weitere Schocks aufzufangen.
  • Im Gazastreifen führten Grenzschließungen zu Beginn der Krise zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise. Obwohl einige Grenzübergänge inzwischen wieder geöffnet wurden, bleiben die Preise hoch und schränken den Zugang zu erschwinglichen Lebensmitteln weiterhin erheblich ein.
  • Über die Region hinaus verursacht der Konflikt schwerwiegende globale Störungen der Lieferketten – mit einem beispiellosen „Dual‑Chokepoint“-Szenario im Transportsektor, das Schifffahrt, Energie‑ und Düngemittelmärkte beeinträchtigt und deutliche Folgewirkungen nach sich zieht. Ein bedeutender Anteil des weltweiten Düngerhandels passiert die Straße von Hormus; jede Unterbrechung dort gefährdet die Verfügbarkeit von Düngemitteln, senkt Ernteerträge und treibt dadurch globale Lebensmittelpreise nach oben.
  • Steigende Ölpreise erhöhen den Druck zusätzlich. Seit Beginn des Konflikts sind die Ölpreise deutlich gestiegen – mit Folgen für Kraftstoff‑ und Transportkosten sowie einem erhöhten Risiko wiederaufflammender globaler Inflation, die sich weltweit auf Lebensmittelpreise auswirken kann.
  • Diese Belastungen in den Lieferketten erhöhen auch die Kosten für die lebensrettenden Einsätze des WFP. Wo möglich, wird WFP auf bargeldbasierte Unterstützung zurückgreifen, um Kosten abzufedern; doch dies ist nicht in allen Kontexten umsetzbar.
  • Durch die enge Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern und eine schnelle Reaktion auf sich rasch verändernde Marktbedingungen konnten WFP und UNICEF Unterstützung aus der Schifffahrtsbranche sichern, die bislang geholfen hat, mehr als 1 Million US‑Dollar an zusätzlichen Kosten für WFP zu vermeiden – und so die Lieferung lebenswichtiger humanitärer Güter in einer kritischen Phase aufrechtzuerhalten.
  • Längere Transportzeiten verzögern humanitäre Lieferungen. Verlängerte Schifffahrtsrouten und zunehmende Staus gefährden die Fähigkeit des WFP, gefährdete Bevölkerungsgruppen schnell zu erreichen – und erhöhen das Risiko, dass Menschen länger auf Hilfe warten müssen und dadurch verstärkt von Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung betroffen sind.
  • Um diese Störungen abzumildern, passen WFP und Partner ihre Lieferwege an. Dazu gehören eine stärkere Nutzung von Lieferanten und Transitkorridoren über die Türkei, Ägypten, Jordanien und Pakistan sowie – wo möglich – eine vermehrte Nutzung von Landrouten zwischen den VAE und der Levante.

WFP Operationen:

  • Der Libanon war das erste Land, in dem WFP die sofortige Nothilfe aktiviert hat. Bereits wenige Stunden nach der Öffnung von Notunterkünften haben unserer Teams begonnen, warme Mahlzeiten, verzehrfertige Rationen und Brot an vertriebene Familien auszugeben. In Zusammenarbeit mit der Regierung des Libanon hat WFP zudem Bargeldhilfe eingeleitet, um Haushalte bei der Deckung ihres unmittelbaren Lebensmittelbedarfs zu unterstützen.
  • Im Iran setzt WFP seine Unterstützung für afghanische Geflüchtete im Rahmen der laufenden Programme fort und ist bereit, auf zusätzliche Bedarfe infolge der aktuellen Krise zu reagieren.
  • WFP beobachtet die Bevölkerungsbewegungen vom Libanon nach Syrien genau und hat begonnen, Nahrungsmittelhilfe für rund 17.000 neu vertriebenen Menschen bereitzustellen.
  • Im Gazastreifen wird die Wiedereröffnung des Grenzübergangs Kerem Shalom eine gewisse Entlastung bringen, doch anhaltender und ungehinderter Zugang bleibt entscheidend. Ohne verlässlichen Zugang könnte WFP gezwungen sein, die Lebensmittelrationen für etwa 1,3 Millionen Menschen auf nur 25 Prozent des täglichen Bedarfs zu reduzieren. Die empfindlichen Fortschritte, die nach dem Waffenstillstand erzielt wurden, könnten ohne verlässliche humanitäre Korridore wieder verloren gehen.
  • Auch die humanitären Einsätze in Afghanistan könnten von weiteren Grenzschließungen betroffen sein, was Kosten erhöhen und Lieferverzögerungen zur Folge hätte. WFP prüft alternative Lieferketten, um diese Störungen abzufedern. Gleichzeitig könnte ein länger anhaltender Konflikt dazu führen, dass große Zahlen afghanischer Geflüchteter, die sich derzeit im Iran aufhalten, zurückkehren müssen – mit entsprechend steigenden humanitären Bedarfen.
  • WFP hat in weiteren potenziell betroffenen Ländern Notfallvorsorgeprotokolle aktiviert und arbeitet eng mit nationalen Behörden und Partnern zusammen, um Vertreibungstrends zu beobachten und bei Bedarf schnelle Reaktionen zu ermöglichen.
  • WFP betreibt ein globales Netzwerk von fünf UN‑Humanitarian Response Depots (UNHRDs), in denen lebenswichtige Hilfsgüter vorpositioniert werden, die bei Notfällen schnell für WFP und rund 100 humanitäre Partner weltweit bereitgestellt werden können. Das Drehkreuz in Dubai ist ein zentraler Bestandteil dieses Netzwerks und bleibt trotz aktueller Störungen im Flug- und Schiffsverkehr in Betrieb. WFP identifiziert alternative Routen, um die Auswirkungen dieser Störungen abzumildern und den Transport lebenswichtiger humanitärer Güter sicherzustellen.

Themen

Konflikte Krisen Food assistance

Kontakt

Martin Rentsch
Pressesprecher
+49 160 99 26 17 30
martin.rentsch@wfp.org