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Der humanitäre Monstertruck

Den neuen Amphibienfahrzeugen steht nichts im Wege — WFP erreicht damit in Mosambik sogar Gemeinschaften, die durch die Überflutungen völlig abgeschnitten wurden
, WFP Deutsch

In der humanitären Hilfe kommt es oft auf den letzten Kilometer an. Wenn zum Beispiel eine überflutete Straße zwischen der Hilfe und verzweifelten Familien steht. Obwohl es nach wenig klingt, ist der letzte Kilometer die größte Hürde in der Nothilfe und ganze Hilfseinsätze können daran scheitern.


Buzi, ein ländliches Gebiet im Norden Mosambiks, wurde durch den Zyklon Idai komplett abgeschottet. Völlig von Wasser umgeben, waren viele Häuser über sieben Tage lang abgeschnitten und noch immer sind große Teile der Felder unter Wasser. Familien mussten sich in Baumkronen in Sicherheit bringen und warteten dort manchmal drei Tage lang auf Hilfe. Getreidespeicher wurden weggespült. Vieh ertrank oder flüchtete in höher gelegene Gebiete.


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Ein SHERP durchquert eine überflutete Ebene und liefert 26 Tonnen Lebensmittel nach Buzi im Norden Mosambiks. Foto: WFP/Adam Marlatt


In den ersten zwei Wochen nach dem Zyklon erreichte das UN World Food Programme (WFP) rund 100.000 Menschen mit Ernährungshilfe per Hubschrauber und Schiff. Aber wenn so viele Menschen dringend Hilfe benötigen, sind Trucks schneller und effizienter.


Zwei WFP-Lastwagen machten sich am 4. April auf den Weg nach Buzi, aber die Straße war so durchtränkt, dass der erste Lastwagen stecken blieb und sich kein Stück mehr bewegte. Als der zweite Lastwagen versuchte, den ersten zu passieren, kippten beide in eine Position, in der sie sich wie Spielkarten an den Dächern stützten. Ein leichteres, schnelleres Allradfahrzeug aus dem Konvoi versuchte, vorbeizukommen und blieb an der Spitze der Karambolage stecken. Statt die ersehnte Hilfe zu bringen, wurde der Konvoi selbst zur Blockade.


„Der SHERP ist eine effiziente Innovation in der Lieferkette, die direkt dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird — bei den Menschen in Not. Wir beginnen gerade zu verstehen, dass wir nicht immer Hubschrauber oder Luftabwürfe brauchen."


Zum ersten Mal nach einer Katastrophe konnte WFP auf eine neue Innovation zurückgreifen: Ein Amphibienfahrzeug, wie ein Panzer mit großen Gummireifen, das SHERP genannt wird — ein Name, der auf die Stärke der Mount-Everest-Besteiger anspielt.


„Es ist wie ein humanitärer Monstertruck", erklärt Adam Marlatt auf dem Beifahrersitz. Er ist Nothilfe-Experte und gerade auf Mission für WFP.


"Es ist wie Gabelstaplerfahren", sagt Nobuyoshi Kida, Fahrer und Leiter der regionalen Flotte.


Nachdem 2018 zwei der in der Ukraine gefertigten Fahrzeuge in der Demokratischen Republik Kongo und drei im Südsudan getestet wurden, setzte WFP jetzt zwei von ihnen in der Hilfe nach dem Zyklon Idai ein. „Der SHERP ist eine effiziente Innovation in der Lieferkette, die direkt dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird — bei den Menschen in Not. Wir beginnen gerade zu verstehen, dass wir nicht immer Hubschrauber oder Luftabwürfe brauchen", fügt Kida hinzu.


Kurz nachdem die Lastwagen stecken geblieben waren, brachte ein Tieflader zwei SHERPs aus Beira, um die Blockade aufzulösen und Hilfsgüter nach Buzi zu bringen. Bevor die SHERPs starten konnten, mussten die Fahrer noch wichtige Navigationsdaten austauschen. Denn SHERPs können sich nicht vertikal bewegen und müssen deshalb steile Hänge auf der Strecke umfahren. Es war auch unerlässlich, Stromschnellen zu vermeiden, die die Fahrzeuge in den Indischen Ozean hätten spülen können.


Drohnenaufnahmen der Region aus der Vogelperspektive:


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Drohnen unterstützen die Navigation eines SHERP in Buzi. Foto: WFP/Adam Marlatt


Vom Beifahrersitz aus steuerte Marlatt eine Drohne, deren Aufnahmen live auf sein Handy übertragen wurden, sodass er auch über Baumwipfel und Sümpfe hinwegsehen und die restlichen 30 Kilometer bis nach Buzi sicher navigieren konnte. „Es ist spannend, eine Innovation aus der Logistik wie die SHERPs mit einer technologischen Innovation wie Drohnen zu kombinieren. Sie ergänzen sich gut", sagt Marlatt.


In den folgenden 48 Stunden brachte WFP 26 Tonnen Nahrungsmittel nach Buzi– eine Tonne nach der anderen — wobei die Drohne die SHERPs über den reißenden Fluss führte.



„Es ist spannend, eine Innovation aus der Logistik wie die SHERPs mit einer technologischen Innovation wie Drohnen zu kombinieren. Sie ergänzen sich gut."


Nachdem der Einsatz in Buzi abgeschlossen war, brachte man die Amphibienfahrzeuge zurück nach Beira, wo sie für den nächsten Einsatz in überschwemmten Gebieten bereitstehen. Durch die zwei SHERPs, die im südlichen Afrika stationiert sind, können WFP und das Mozambique National Institute Disaster Management (INGC) ab jetzt noch weitere kosteneffiziente Hilfseinsätze für abgeschottete Menschen in Not starten.


WFP hat in Mosambik 1,3 Millionen Betroffene des Zyklons Idai erreicht. Jetzt konzentriert sich WFP auf die Nothilfe nach dem zweiten Zyklon Kenneth.


Spenden Sie hier für die WFP-Nothilfe in Mosambik.