Die 15.000-km-Reise: Wie WFP geschlossene Grenzen überwand, um Essen für afghanische Schulkinder zu liefern
In einem Lager des Welternährungsprogramms (WFP) am Stadtrand von Kabul in Afghanistan beobachtete Abdul Ahad Monib, wie Lastwagen, beladen mit angereicherten Keksen, nach wochenlanger Fahrt langsam in die Entladestellen zurücksetzten.
Die Ankunft des Konvois markierte das Ende einer 15.000 km langen Reise, die zweimal unterbrochen wurde und deren letzte Etappe auf der Straße durch neun Länder führte.
„Es war ein befreiendes Gefühl, als wir die Trucks ankommen sahen“, sagt Monib, ein WFP-Mitarbeiter im Bereich Lieferketten und Auslieferung. „Wir haben jeden Schritt dieser Reise genau verfolgt – jede Verzögerung, jeden Grenzübergang und jede Planänderung.“
„Mehrfach musste das Team die gesamte Route neu berechnen“, fügt er hinzu. „Doch wir hatten alle dasselbe Ziel vor Augen: die angereicherten Kekse so schnell wie möglich zu den Schulkindern in Afghanistan zu bringen.“
Es war eine Reise, die einem Marathon glich. Das Überqueren von Wüsten, Bergen und Gewässern zeigt eindrücklich, wie viele Hürden es zu überwinden gilt, um Lebensmittel zu Menschen in Not zu bringen – und wie schnell wir uns an veränderte Bedingungen anpassen müssen, damit lebensrettende Hilfsgüter ihr Ziel möglichst schnell und kosteneffizient erreichen.
„WFP transportiert jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel in einige der am schwersten zugänglichen und abgelegensten Regionen der Welt“, sagt Corinne Fleischer, Direktorin für Logistik bei WFP. „Wenn sich eine Route schließt oder neue Herausforderungen entstehen, passen wir uns an, finden Lösungen und koordinieren uns – oft über viele Grenzen hinweg. Hunger wartet nicht, bis Grenzen wieder öffnen.“
Eine 15.000-km-Reise, um Kindern das Lernen zu ermöglichen
Die 397 Tonnen angereicherter Kekse verließen den indonesischen Hafen Surabaya per Schiff in Richtung Süden Pakistans zum Hafen von Karachi.
Dank eines Beitrags der indonesischen Regierung in Höhe von 3,5 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der WFP-Schulmahlzeiten in Afghanistan können 172.000 Schulkinder versorgt werden – ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Ernährung in einem Land, das unter weitverbreitetem, schwerem Hunger leidet.
Ursprünglich sollte die Lieferung rund 7.000 km durch Pakistan transportiert werden, bevor sie Afghanistan erreicht.
Doch angesichts zunehmender Spannungen zwischen den beiden Ländern wurde die Grenze geschlossen. Das zwang WFP, kurzfristig eine neue Route zu finden. Jeder Tag Verzögerung gefährdete eine entscheidende Lieferung für afghanische Kinder, die auf Schulmahlzeiten angewiesen sind, um gesund zu bleiben und sich im Unterricht konzentrieren zu können.
Also musste sich WFP anpassen.
Wenn Grenzen schließen, muss das Essen einen anderen Weg finden
Abzuwarten, bis sich Grenzen wieder öffnen, war keine Option. WFP-Lieferkettenteams berechneten eine neue Route: Die Ware sollte nun vom Hafen Jebel Ali in Dubai über den Persischen Golf in den Iran gebracht und von dort auf dem Landweg weitertransportiert werden.
Doch da sich die Lage im Nahen Osten nicht verbesserte und die strategisch wichtige Straße von Hormus blockiert wurde, musste WFP den Plan erneut ändern. In der Zentrale von WFP analysierten Logistiker*innen Karten, um alternative Routen zu finden. Schließlich entdeckten sie eine neue Verbindung von Dubai nach Afghanistan über den Kaukasus. Auch wenn dieser Weg länger, teurer und komplexer war, blieb er die einzige Option.
Die angereicherten Kekse wurden zuerst sicher in einem großen Warenlager von WFP in Dubai entladen – einem zentralen Knotenpunkt für Lagerung und Versand. So konnten hohe Lagerkosten vermieden und gleichzeitig Zeit für die Planung des Weitertransports gewonnen werden.
Umleitung lebensrettender Hilfsgüter durch die Region
An einem bewölkten Morgen setzte sich ein Konvoi aus 21 Lastwagen in Dubai in Bewegung. Er führte über die Wüstenstraßen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens sowie durch Jordanien, Syrien, die Türkei und Georgien. In Baku (Aserbaidschan) wurden die Lastwagen auf eine Fähre verladen, die das Kaspische Meer in Richtung Turkmenistan überquerte.
Tage später passierte der Konvoi den abgelegenen Grenzübergang Torghundi nach Afghanistan und setzte seine Fahrt nach Kabul fort.
Jedes der durchquerten Länder erforderte neue Zollformalitäten, Transportgenehmigungen und intensive Koordination über insgesamt sieben Grenzen hinweg.
Die Reise war geprägt von langen Wartezeiten an Grenzübergängen, dem Ausfüllen zahlreicher Dokumente und kurzem Schlaf unter freiem Himmel.
„Ich erinnere mich an die Warteschlange an einem Hafen, an der Hunderte von Lastwagen standen – sie war fast 30 km lang“, sagt Hüseyin Sarraç Ulus, ein türkischer Fahrer, der die rund 3.000 km lange Strecke von Dubai bis zum Kaspischen Meer zurücklegte.
„Wir sind etwa elf Stunden am Tag gefahren und haben in den Fahrerkabinen geschlafen – nicht immer bequem, aber wir sind das gewohnt“, erzählt er. „Wir haben einfach gegessen: Suppe, Brot, Reis, dazu Tee. Es hat sich gut angefühlt, zu wissen, dass wir auf dem Weg zu Kindern in großer Not sind. Es macht mich stolz, Teil dieser Reise zu sein.“
„Diese Reise zeigt eindrücklich, wie die Lieferkette von WFP funktioniert und welche Herausforderungen wir bewältigen können“, sagt Fleischer.
Angereicherte Kekse: klein, aber mit großer Wirkung
Die angereicherten Kekse, die im Rahmen des WFP-Schulmahlzeitenprogramms verteilt werden, sind mehr als nur ein Snack: In stark von Hunger und Armut betroffenen Regionen sind sie oft die einzige verlässliche Nahrungsquelle für Kinder. Im vergangenen Jahr unterstützte WFP 1,3 Millionen Schulkinder in acht Provinzen Afghanistans, die von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sind.
Im Jahr 2026 werden voraussichtlich fast 4,9 Millionen Frauen und Kinder unter Unterernährung leiden – ein neuer Höchststand. Afghanistan steht unter wachsendem Druck durch wiederholte Überschwemmungen und Erdbeben, sinkende humanitäre Finanzierung sowie Krisen an seinen Grenzen. Für viele ist die Hilfe von WFP eine unersetzliche Lebensader.
Nach vielen Wochen erreichten die Kekse schließlich die Schulen in Ghor, Nuristan und Paktika – Provinzen im Zentral-/Nordosten und Osten Afghanistans.
„Für die Kinder sind es die Kekse, die sie gesund halten“, sagt Monib. „Für uns ist es eine logistische Meisterleistung. Niemand sieht die tausenden Kilometer, die Verzögerungen oder die ständigen Umplanungen, die hinter jeder Lieferung stecken. Aber genau das ist der Punkt: Egal, welche Hürden es gibt – WFP liefert.“