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Schulmahlzeiten — zu Hause?

Millionen Kinder können derzeit nicht in die Schule gehen und verpassen neben dem Unterricht auch ihre Schulmahlzeiten. WFP setzt sich dafür ein, dass sie auch in der COVID-19-Krise weiterhin die wichtigen Kalorien und Nährstoffe erhalten, die sie zum Großwerden benötigen.
, WFP Deutsch

Fast 1,6 Milliarden Kinder und Jugendliche in 197 Ländern gehen derzeit nicht zur Schule. Der Unterricht wurde ausgesetzt, um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen. Etwa 370 Millionen dieser Schulkinder erhalten keine Schulmahlzeiten mehr — oft die einzige Mahlzeit, mit der sie täglich rechnen konnten.


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Das Ziel der Initiative „Schulmahlzeiten zu Hause" ist es, gefährdete Kinder zu erreichen, um zu verhindern, dass die COVID-19-Gesundheitspandemie zu einer Hungerpandemie wird. WFP/Marco Frattini


„Ohne Schulspeisungen werden Millionen Kinder hungern. Sie laufen Gefahr, krank zu werden, die Schule abzubrechen und ihre beste Chance zu verlieren, der Armut zu entkommen. Wir müssen jetzt handeln, um zu verhindern, dass die Gesundheitspandemie zu einer Hungerkatastrophe wird", sagte David Beasley, Exekutivdirektor des UN World Food Programme (WFP). Die Organisation arbeitet mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen, um sicherzustellen, dass Kinder weiterhin die Nahrung erhalten, die sie brauchen. In einer neuen Partnerschaft mit UNICEF unterstützt WFP auch Bemühungen, Ernährungshilfe und Gesundheitsdienste in den Schulen als Anreiz für den Schulbesuch bedürftiger Kinder anzubieten, sobald es die Lage wieder zulässt.


Hier sind einige Beispiele dafür, wie WFP gefährdete Kinder auch in Zeiten von Schulschließungen mit Schulmahlzeiten erreicht.


Kolumbien


„Man merkt den Unterschied zwischen einem hungrigen Kind und einem gut ernährten Kind in der Schule. Ein hungriges Kind ist im Unterricht abgelenkt und schwach. Die Ernährungshilfe für die Familien während dieser Pandemie aufrechtzuerhalten bringt Vorteile für das Kind und die Familie", sagt Eloy Berty, Schulleiterin in Rio Hacha, einer Stadt im Departement La Guajira im Norden des Landes.


Vor den Schließungen wegen COVID-19 erreichte das Schulmahlzeitenprogramm 112.000 Kinder in fünf Departements. Im April wurden die Schulmahlzeiten für mehr als 86.000 Schüler*innen im Departement La Guajira durch Rationen zum Mitnehmen nach Hause ersetzt. Die Rationen werden von einem Familienmitglied abgeholt und beinhalten eine ausgewogene Mischung aus Milchprodukten, Getreide, Obst und Speiseöl.


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Luz Marina González freut sich, ihren Kindern Essen zu bringen. Foto: WFP


„Diese Mahlzeiten helfen der ganzen Familie. Meine Kinder fragen immer, wann die Schule wieder geöffnet wird, sie sagen, sie wollen studieren, schreiben, sie wollen zurückgehen", sagt Luz Marina González, eine Migrantin aus Venezuela und Mutter zweier schulpflichtiger Kinder.


Kongo


Als die Schule unter dem Motto „Bildung zu Hause" durch Radio- und Fernsehprogramme ersetzt wurden, startete WFP seine Initiative „Schulmahlzeiten zu Hause", indem Rationen zum Mitnehmen ausgegeben wurden. Sie bestehen aus Reis, Erbsen, Pflanzenöl, Salz und Sardinen.


„Ich habe bemerkt, dass einige Kinder abgenommen haben", sagt Yolande Moranga, Schulleiterin der Mingali-Bambou-Schule, während sie die Rationen verteilt. „Die meisten Kinder im Dorf können nur in der Schule essen, weil ihre Eltern, vor allem die Mütter, früh morgens auf die Felder gehen und erst um 16 Uhr wieder zurückkommen. Jetzt werden die Kinder allein gelassen. Ich bin wirklich glücklich über die Rationen für Zuhause", fügt sie hinzu.


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Yolande Moranga, Schulleiterin im Departement Pool im Kongo, sucht in ihrem Register nach dem Namen von Emilie, einer Schülerin der ersten Klasse. Foto: WFP/Alice Rahmoun


Eines der Kinder, das seine Ration abholt, ist der Erstklässler Derrick. Sein Vater, Narcisse Bandouzi, ist ein Fahrer, der normalerweise Maniok von den Feldern zu den Marktplätzen transportiert. Heute ist Narcisse im Dienst, um die Ration seines Sohnes zu ihnen nach Hause zu bringen.


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Derrick und Narcisse Bandouzi mit ihrer Ration zum Mitnehmen für zu Hause. Foto:WFP/Alice Rahmoun


Vor dem Ausbruch profitierten 80.000 Kinder vom Schulmahlzeitenprogramm im Kongo. Die Rationen zum Mitnehmen für Zuhause erreichen nun 61.000 von ihnen, während einige andere Geldtransfers erhalten.


Kambodscha


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Sokhan sagt, dass das Programm ihr Leben verändert und ihr geholfen habe, den Kindern in ihrer Schule ein besseres Leben zu ermöglichen. Foto: WFP/Soeu Sousdey


Sokhan, die engagierte Schulleitering der Duon-Aov-Grundschule im Distrikt Angkor Thom, beaufsichtigt seit fast 20 Jahren die Umsetzung des Schulmahlzeitenprogramms.


„Die Mahlzeiten helfen den Kindern, konzentriert zu bleiben. Ihre Ergebnisse verbessern sich, sie kommen gerne zur Schule und sind bereit, der Schule etwas zurückzugeben", erklärt sie und fügt hinzu, dass die meisten Kinder, mit denen sie sprach, sagten, dass sie einmal selbst Lehrer*in werden möchten, wenn sie erwachsen sind.


Angesichts der Herausforderung, die die Schulschließungen darstellen, arbeitet WFP eng mit dem kambodschanischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zusammen, um die Rationen zum Mitnehmen für Zuhause auch mit gespendetem Reis zu erweitern.


Die Verteilungen konnten bisher fast 104.000 Schüler*innen an 908 Grundschulen in fünf Provinzen Kambodschas erreicht. Arme Familien, die als bedürftig identifiziert wurden, erhielten eine einmalige Ration von 10 Kilogramm Reis pro Kind, um die unmittelbaren Auswirkungen der Schulschließungen, ausbleibenden Schulmahlzeiten und anderen Einkommensausfällen und wirtschaftlichen Einbußen durch die COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen vorzubeugen.



Die Familie von Chim Leak ist eine von ihnen. Heute Morgen trägt sie eine Gesichtsmaske, während sie wie gewohnt zur Schule fährt — nicht, um ihre beiden Kinder abzusetzen, sondern um ihre Ration in Form eines 20kg-Reissackes abzuholen.


„Wir mussten immer sehr hart arbeiten, um gerade genug zu verdienen, um unsere Familie zu ernähren. Das Leben war nicht leicht für uns. Aber mit der aktuellen Virussituation ist es noch viel schlimmer geworden. Mein Mann hat im Moment keine Arbeit und ich kann die gekochten Maiskörner und Cashewnüsse, von denen ich gelebt habe, nicht verkaufen", sagt sie. „Ich freue mich, diese Ration zu bekommen. Sie wird meiner Familie zumindest für eine kurze Zeit helfen".


Libyen


WFP und das libysche Bildungsministerium stellen 18.379 Schüler*innen im Alter von 6 bis 14 Jahren und ihren Familien in 58 Schulen im Süden des Landes eine 2kg-Box mit Dattelriegeln zur Verfügung, die mit Mineralstoffen und Vitaminen angereichert wurden. Damit erhalten die Kinder auch während des Fernunterrichts Unterstützung. Die Riegel sichern 30 Prozent des täglichen Ernährungsbedarfs der Kinder und fünf ihrer Familienmitglieder für einen Zeitraum von fünf Tagen.



„Durch die Bereitstellung von Snacks für Kinder und ihre Familien unterstützen wir Libyens Priorität, sicherzustellen, dass Fernunterricht stattfindet, während die Schulen geschlossen bleiben, um die Verbreitung von COVID-19 zu verhindern. Das bedeutet nicht nur, dass die Eltern eine Sorge weniger haben, sondern auch, dass sich die Kinder auf das konzentrieren können, was wirklich wichtig ist: Lernen", sagt Samer Abdel Jaber, WFP-Landesdirektor in Libyen. „Wir freuen uns auf den Tag, an dem COVID-19 hinter uns liegt, aber in der Zwischenzeit stehen wir hinter Libyen in seinem Engagement, der Bildung Priorität einzuräumen".


Die Verteilung, die von Schulpersonal unter Berücksichtigung der Ausgangssperren und unter Beachtung aller COVID-19-Vorkehrungen durchgeführt wurden, begannen am 30. März und erreichten bisher 15.000 Schüler*innen und ihre Familien.


Interaktive Karte der Schulschließungen und Schulmahlzeiten weltweit hier. Mehr über die COVID-19-Hilfe von WFP hier erfahren.